Der Mörder ist niemals der Gärtner

von der Stahlfeder

Der sonntägliche ARD-Krimi-Dauerbrenner „Tatort“ wurde kürzlich 50 Jahre alt, das hatte die ARD – wie häufig zu besonderen Anlässen – mit einer Kooperation gefeiert, diesmal vom Team München und Team Dortmund. Allerdings waren die Münchner Kommissare Batic und Leitmayr, die am 1. Januar übrigens ihr 30-jähriges Fernsehdienst-Jubiläum feiern und nur noch von Ulrike Folkerts alias Lena Odenthal um zwei Dienstjahre übertroffen werden, eher nur Sidekicks der hauptsächlich ermittelnden Dortmunder um die schillernde Figur des Kommissars Faber.

Nun ist der „Tatort“ weit mehr als ein reiner Krimi. In den letzten Jahren verkam die kriminalistische Handlung immer mehr zum Beiwerk, um ein stark linksgrünes Weltbild zu propagieren, wobei man sich zunehmend noch nicht einmal mehr um Subtilität bemühte. Mit geradezu peinlicher Aufdringlichkeit geschah das vor allem im Rahmen der sogenannten „Flüchtlings-Krise“, wo dann alle Naslang bewohnte Asylbewerber-Unterkünfte abgefackelt und – meist hochgebildete und der deutschen Sprache erstaunlich mächtige – Schutzsuchende dahingemeuchelt wurden, vorzugsweise von klischeehaft dargestellten Bilderbuch-Neonazis. Beides hat in der Realität niemals stattgefunden. Der umgekehrte Fall, der in der Realität leider recht häufig stattgefunden hat und das auch immer noch tut, wurde hingegen kein einziges Mal thematisiert.

Nun müssen Fernsehkrimis nicht zwingend die Realität abbilden, das wäre auch sicher nicht allzu spannend, da Morde im wahren Leben eher selten von einer interessanten oder gar komplexen Geschichte flankiert werden. Doch war das linke Framing im „Tatort“ schon lange mehr als augenfällig, was man vor allem daran erkennt, welche Personengruppe in den meisten Fällen den Täter stellte.

Die „Süddeutsche Zeitung“ hatte sich im Jahre 2018 die Mühe gemacht, das mal zu recherchieren, und eine sehr vielsagende Statistik dazu veröffentlicht. Achtung, Überraschung: Am häufigsten waren Unternehmer und Manager die Mörder. Eine Klientel, die man in bundesdeutschen Gefängnissen eher selten antrifft, bzw. wenn doch, dann – obwohl sie ganz böse Kapitalisten sind – nicht als Kapitalverbrecher, sondern vornehmlich als Steuerhinterzieher und Wirtschaftskriminelle.

Auch Polizisten, Ärzte und Juristen werden – anders als im wahren Leben – im „Tatort“ recht häufig zu Mördern. Lediglich der sprichwörtliche Gärtner kommt relativ ungeschoren davon: Er gab sich in nur einer einzigen Folge die Ehre. Man will schließlich keine Klischees bedienen – dann doch lieber Unternehmer und Manager!

Selbstverständlich gibt es auch Tatort-Folgen, in denen ein Unternehmer oder Manager vorkommt, der am Ende ausnahmsweise mal nicht der Täter ist. Aber dann trägt er zumindest die moralische Schuld, weil er mit seiner kaltherzigen, grausamen, menschenverachtenden, typisch raubtierkapitalistischen Art Geschäftspartner, Angestellte oder Familienmitglieder überhaupt erst zur Tat getrieben hat. Eine Folge, in der ein Unternehmer oder Manager als ein rechtschaffener, hart arbeitender Ehrenmann dargestellt wird, der seine Mitarbeiter, Ehefrau und Kinder gut behandelt und niemanden ausbeutet oder übers Ohr haut, wurde zumindest in den letzten 20 Jahren nicht gedreht.

Mit anderen Worten: Dieselben Drehbuchautoren, die uns in fast jeder Folge mit erhobenem Zeigefinger belehren, wie schändlich es doch ist, Vorurteile gegenüber Migranten zu hegen, weil das schließlich gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit ist, lassen selbst keine Gelegenheit aus, ihre Vorurteile gegenüber Leistungsträgern gleich kübelweise über die Mattscheibe zu ergießen. Finde den Fehler!

Fallkonstellationen, die deutlich näher an der Realität der polizeilichen Kriminalitätsstatistiken sind, werden aus Gründen der politischen Korrektheit tunlichst gemieden, schließlich will man keinen Applaus von der „falschen“ Seite oder gar den pöööhsen Rrrääächten mit ihren pöööhsen Vorurteilen in die Hände spielen.

Wobei: Stop! Wir wollten doch hier den Jubiläums-„Tatort“ besprechen, und siehe da, der traut sich mal so richtig was, legt gnadenlos den Finger in die Wunde und thematisiert ein richtig heißes Eisen aus dem wahren Leben: Im Mittelpunkt der Handlung steht ein krimineller Familienclan mit Migrationshintergrund! Da wird gemordet, da werden ganze LKW-Ladungen Koks umgeschlagen, da liegt überall bündelweise die Schwarzkohle herum, da wird ein kleiner Ladenbesitzer brutal zusammengeschlagen und erpresst, da wird eine Frau unter Schlägen gefügig gemacht und beinah vom eigenen Gatten erwürgt, und am Ende entführt der Haupttäter in seinem sündhaft teuren Sportwagen, den er definitiv nicht durch ehrliche Arbeit erworben hat, ein junges Mädchen. Das alles geschieht vor den entsetzten Augen von gleich zwei kompletten Ermittler-Teams, die an normalen Sonntagen zwar jeden meuchelnden Unternehmer mühelos zur Strecke bringen, aber in diesem Fall in machtloser Schockstarre verharren, völlig chancenlos, so dass der Gangster mitsamt seiner jugendlichen Geisel ungeschoren davon kommt. Es gibt kein Happy End, das Böse gewinnt. Also tatsächlich alles wie im wahren Leben!

Achtung, bitte festhalten, denn jetzt kommt der Schlussgag: Bei dem kriminellen Familienclan handelte es sich um – tätäräää: Italiener! Sì, signore e signori, Sie haben richtig gehört: Italiener! Sagten wir doch: Alles 1:1 wie im wahren Leben!

Danke, ARD!

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