Die BUNTschau: August 2020 (Teil 4)

Hier ist die Erste Deutsche BUNTschau mit den Irrsinnsthemen des Monats August (Teil 4):

Denunziantenstadl

Die Stadt Karlsruhe, vornehmlich bekannt als Sitz der zwei führenden Trachtengruppen unserer Rechtsstaats-Simulation, offeriert neuerdings all jenen ihrer Bürger, die beim Anschauen von Filmen wie „Schindlers Liste“ und „Das Leben der Anderen“ schon immer klammheimlich eher mit den Aufsehern sympathisiert haben als mit den Opfern, und so profanen Charakterschwächen wie dem Streben nach Freiheit, Eigenverantwortung und Privatsphäre das nötige Maß an Verachtung entgegenbringen, auf der städtischen Internet-Präsenz ein ganz besonders verlockendes Freizeitvergnügen: Unter der einladenden Überschrift „Möchten Sie uns die Nicht-Einhaltung der Vorgaben der Corona-Verordnung mitteilen?“ findet sich ein Online-Formular für Beschwerden über Ladenbetreiber oder Gastwirte, die ihre Kunden oder Gäste nicht sofort im zackig-schneidenden Kasernenhof-Ton anblöken, wenn mal jemand seine Maske nicht bis zum Blutstau festgezurrt oder sich gar auf 1 Meter 49 an einen Mitmenschen herangewanzt hat.

Wir finden, alle Zukurzgekommenen dieser bunten, vielfältigen Welt verdienen hie und da auch mal einem Hauch von Empathie, und gerade diese Art Charaktere hatten eine schier endlose Saure-Gurken-Zeit zu durchleiden, seit niemand mehr zum Verpfeifen da ist, der Juden im Keller versteckt oder heimlich Westfernsehen schaut. Was ist das denn für ein Leben, den ganzen Tag am Fenster zu hängen und sehnlichst darauf zu warten, dass unten vor der Tür endlich mal jemand falsch parkt?

Den wenigsten dieser bedauernswerten Geschöpfe ist vielleicht einmal in zehn Jahren ein echtes Highlight vergönnt gewesen, wie zum Beispiel ein Nachbar, der vergessen hat, seine Putzfrau anzumelden, oder seinen Gartenzaun drei Zentimeter höher gezogen hat als im Bebauungsplan genehmigt, oder sich gar nachts heimlich Heizöl in den Tank gekippt hat. Und spätestens nach dem zweiten Anruf bei „Aktenzeichen XY“, dass der untergetauchte Schläfer aus NSU-Restbeständen in gutbürgerlicher Tarnung die Doppelkiosk-Hälfte gegenüber betreibt, rückt auch kein SEK mehr aus. Was ein freud- und ereignisloses Leben!

Ist es da nicht rührend, dass die Stadt Karlsruhe nun endlich ihr Herz erwärmt für echte Randfiguren der Gesellschaft, für die wahrhaft Ausgestoßenen, die noch nicht mal von der eigenen Mutter vorbehaltslos geliebt werden können, weil auch sie stets befürchten muss, dass Sohnemann durch eine kleine Unachtsamkeit ihrerseits dahinter kommt, dass sie sein letztes Geburtstagsessen über Papas Firma abgerechnet hat, und dafür pflichtbewusst gleich beide Elternteile ans Messer liefert?

Doch jetzt scheint erst mal eine Weile die Sonne über diesen verantwortungsvollen, aufmerksamen Mitbürgern, die ihrem Dienst fürs Gemeinwohl sogar ihr persönliches Lebensglück mit Familie und Freunden selbstlos zu opfern bereit sind, nur damit Recht und Ordnung zur Geltung verholfen werden kann.

Dennoch ist trotz aller Euphorie und allen Diensteifers auch die Angst ihr ständiger Begleiter: Was soll nur werden, wenn Corona bald schon vorbei sein könnte, weil einfach keiner (mehr) ernsthaft daran erkrankt, oder gar ein Impfstoff gefunden wird?

Liebe Hobby-Stasianten, wir können euch diese Angst zwar nicht ganz nehmen, doch können wir euch ein wenig Mut machen: Ihr lauft euch ab jetzt erst mal richtig warm, und wenn Corona tatsächlich vorbei sein sollte, seid ihr gerade zur Höchstform aufgelaufen, und da hat unser Staat selbstverständlich noch große Pläne mit euch: Nach Corona ist wieder Klima, und da gibt es alle Hände voll zu tun! So soll es immer noch völlig unverantwortliche Zeitgenossen geben, die jeden Monat einmal mit dem Auto nach Rotterdam fahren, um da ihren Plastikmüll ins Meer zu werfen. Ja, irgendwie muss der schließlich da reinkommen, oder etwa nicht?

Und für zwischendurch findet sich problemlos immer mal wieder ein Ewiggestriger, der heimlich AfD wählt – den könnt ihr dann durch ein informelles Gespräch mit seinem Brötchengeber für den Rest seines Daseins vom Joch der Arbeit befreien.

Denkt immer daran: Es gibt nichts Gutes, außer man tut es!

Freundschaft, Genossen!

Zivilisation statt Tradition

Etliche Zeitungen berichteten gestern von einer Umfrage des Kinderhilfswerks „Plan“, die offenbarte, dass Mädchen und Frauen sich in Deutschland nicht sicher fühlen, wenn sie im öffentlichen Raum, vornehmlich in den vier größten deutschen Städten Berlin, Hamburg, Köln und München unterwegs sind: Aufdringliche Sprüche beim Joggen im Park, Verfolgungen auf schlecht beleuchteten Straßen oder unsittliche Berührungen in der U-Bahn sind ihre ständigen Begleiter.

Laut Umfrage ist bereits jede fünfte Teilnehmerin schon einmal Opfer von Gewalt, Verfolgung oder Bedrohung geworden. Die am häufigsten genannten Gründe für ein unsicheres Gefühl sind dabei Begegnungen mit Personengruppen, die Alkohol oder Drogen konsumieren, zudem schlecht beleuchtete Wege und Parks sowie einsame Gegenden, in denen Hilfe im Notfall fehlen würde.

„Unsere Befragung hat deutlich gemacht, dass Mädchen und junge Frauen auch in deutschen Großstädten täglich sexuell belästigt, verfolgt, bedroht und beleidigt werden“, sagte „Plan“-Chefin Maike Röttger. Dadurch werde ihnen ihr Recht verwehrt, sich sicher und frei in ihrer Stadt zu bewegen – um zur Arbeit oder zur Schule zu kommen, sich mit Freundinnen zu treffen oder auszugehen.

Satire darf alles, sagt man, aber sie muss deshalb noch lange nicht alles tun, was sie theoretisch dürfte. Die permanenten Ängste und traumatischen Erfahrungen all dieser Frauen verbieten uns an dieser Stelle unseren üblichen beißenden Spott. Diesen Spott – oder treffender ausgedrückt, unseren tiefsitzenden Ekel – kriegen in diesem Fall vielmehr diejenigen, die es schaffen, solch erschütternde Meldungen zur Länge eines kompletten Zeitungsartikels aufzublasen, ohne auch nur mit einem Wort auf die näheren Umstände und vor allem die Auslöser des Problems einzugehen.

Wobei: Nicht ganz! Die FAZ beispielsweise hat sich auf gewohnt knallhart-investigative Weise der nimmermüden Suche nach den komplexen Gründen dieser unschönen Entwicklung verschrieben und presst dazu einen ganzen, schonungslos mutigen Satz aus immerhin fünf vollständigen Wörtern heraus:

„Ursache sind auch traditionelle Rollenbilder.“

Aha, Ursache sind also auch traditionelle Rollenbilder. Was sonst noch alles Ursache sein könnte, fiel leider dem schrecklichen Platzmangel der Online-Ausgabe, aus der wir hier zitieren, zum Opfer, dafür hat es einfach nicht mehr gereicht. Dieses Internet ist schließlich eine knappe Ressource, das muss man schon verstehen!

Ja, wer kennt es nicht, das massive Problem junger deutscher Männer mit ihrem traditionellen Rollenbild, das sie dazu zwingt, abends in Gruppen auf unbeleuchteten Straßen herumzulungern, fassweise Alkohol zu trinken, sich alles an Drogen reinzuschmeißen, was der Dealer des Vertrauens gerade im Angebot hat, und dann natürlich rotzvoll und drupp wie Jupp Frauen zu belästigen, zu verfolgen, zu bedrohen und zu begrapschen, oder gar noch Schlimmeres. Keine Frage: Eine Tradition, mindestens so deutsch wie Sauerkraut und Apfelstrudel mit Arier-Pass!

Dabei würden Sören-Hendrik und Malte-Torben doch viel lieber an einem Stuhlkreis teilnehmen, um unter persönlicher Betreuung einer Sonderpädagogin, assistiert von der örtlichen Gender-Beauftragten, ihren Doppelnamen zu tanzen und sich kritisch von ihrer toxischen Männlichkeit und ihren weißen Privilegien zu distanzieren. Aber das trauen sie sich einfach nicht – zu groß ist die Angst, dass es dafür zuhause vom traditionell germanischen Großfamilien-Oberhaupt, akustisch untermalt von homophoben Schimpfkanonaden, den Arsch voll gibt.

Ja, hier muss zweifelsohne dringend etwas passieren, so geht das beim besten Willen nicht weiter. Unser Lösungsvorschlag wäre, dieses brennende Problem konsequent anzugehen, und zwar gleich parallel auf zwei Ebenen: Angefangen in der Kita und dann über die gesamte Dauer der Schul- und Ausbildungszeit müssen pädagogisch geschulte Fachkräftinnen diese teutonischen Testosteronbomber im Rahmen täglicher Töpfer- und Häkelkurse mit ihrer femininen Seite vertraut machen. Doch weil das alleine nicht reicht, da diese kleinen Flegel zur praktischen Orientierung auch positive männliche Rollenvorbilder brauchen, muss diese systematische Umerziehung flankiert werden von massiver Einwanderung junger alleinstehender Männer aus zivilisatorisch fortschrittlicheren Kulturkreisen, wo Frauen mit Respekt behandelt und vor Zudringlichkeiten geschützt werden, weil „Ehre“ für diese Menschen eben nicht nur ein Wort ist.

Hammer-Idee, nicht wahr? Jawoll, allererste Sahne! Zack, schon ist das Problem mit den traditionellen Rollenbildern final vom Tisch!

Und jetzt mal Hand aufs Herz, liebe FAZ: Muss die ganze Arbeit wirklich allein an uns, den Pausenclowns des medialen Zirkus, klebenbleiben? Warum kommt ihr als „seriöse Qualitätspresse“ nicht mal mit so coolen und vor allem auch realistisch umsetzbaren Lösungsvorschlägen um die Ecke, für die euch die Politik nicht nur dankbar die Füße küssen, sondern gleich noch ein paar weitere hundert Millionen an Subventionen in den notorisch klammen Poppes blasen würde?

So sad!

Wie gewonnen, so zerronnen

Ein paar Zeilen weiter oben loben wir noch das neue Online-Denunzianten-Portal der Stadt Karlsruhe, um Menschen mit Blockwart-Mentalität endlich mal eine brauchbare Spielwiese zu bieten.

Nun mussten wir erfahren, dass das Ding bereits wieder vom Netz genommen wurde.

Warum bloß? Der Südwestdeutsche Rundfunk berichtet, dass das Ordnungsamt das Formular nach nur wenigen Tagen wieder offline nehmen musste: In kurzer Zeit gingen rund 1.000 Beschwerden ein – wobei die wenigsten tatsächliche Meldungen von Verstößen waren, sagt Ordnungsamtsleiter Björn Weiße:

„Zwanzig waren dabei, die auf Verstöße hingewiesen haben.“

Und all die anderen? Beleidigungen, Drohungen gegen die Stadt Karlsruhe, das Land Baden-Württemberg und die Bundesregierung sowie „wirres Zeug“, sagt Weiße. Die Online-Einsendungen kamen, so der Staatsbüttel weiter, offenbar von Menschen, die „Corona als Pandemie nicht erkennen und gegen einschränkende Maßnahmen sind“. Was erlaube!

Dabei kam der größte Teil dieser Drohungen und Beleidigungen offenbar von einer recht kleinen Gruppe Menschen, sagt Björn Weiße: „Eine kleine Gruppe hat sich offenbar die Arbeit gemacht, um uns dieses Instrument aus der Hand zu nehmen.“

Das Ordnungsamt habe die Rückmeldung erhalten, dass etwa auf Facebook dazu aufgerufen wurde, dieses Online-Formular lahmzulegen.

Tja, so ein Reinfall aber auch – da wirbt man mit einem spannenden Tätigkeitsfeld um Stasi und Gestapo, und was kriegt man? Menschen, die dieses Denunziantentum einfach nur ekelhaft und widerlich finden. Oder neudeutsch: Rrrrääächte „Corona-Leugner“.

Naja, das hat er so nicht gesagt. Zumindest nicht so direkt. Er nannte sie „Menschen, die Corona als Pandemie nicht erkennen.“

Nun, per definitionem ist eine Pandemie eine weltweite Epidemie. Wenn von 9,1 Milliarden Menschen, die derzeit auf der Erde leben, bisher nur 20 Millionen infiziert wurden, also rund 0,27 Prozent, in Deutschland sogar nur 0,02 Prozent, dann kann man beim besten Willen niemandem übel nehmen, wenn er es ablehnt, dass für die weit überzogenen staatlichen Zwangsmaßnahmen noch mehr Menschen geopfert werden, die einfach nur frei sein wollen. Davon abgesehen könnte es nicht schaden, ab und an mal einem Wissenschaftler zuzuhören, der nicht im Bereich Voodoo promoviert hat. Ivor Cummins zum Beispiel:

Aber wer frei sein will, wer Eigenverantwortung besser findet als staatliche Gängelung und Totalüberwachung, ist natürlich ein astreiner Nazi. Weil die Nazis bekanntlich so freiheitlich und staatskritisch waren. Muss man wissen!

(Autoren: Die Stahlfeder, Ergänzungen von Apo)

(BUNTschau August 2020, Teil 3 <—> BUNTschau August 2020, Teil 5)

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2 Kommentare zu „Die BUNTschau: August 2020 (Teil 4)

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