Das Dilemma der Verstrickten…

… liegt darin, dass sie den Kampf um ihrer puren Selbstbehauptung wegen führen müssen.

von Christian Reichhoff


Selbstbehauptung meint das existenzielle Sichbehaupten des Betroffenen, ein Ringen um die eigene – als gefährdet empfundene – Persönlichkeit. Innerhalb eines solchen Existenzkampfes ist Erkenntnisgewinn nur dann gewollt, wenn es dem angenommenen Kampf nützt. Wissen und Erkenntnis werden zu einer taktischen Waffe im Kampf um die Selbstbehauptung. Um sich zu behaupten, stellt man die passenden Thesen, Hypothesen, meist jedoch nur schlichte Behauptungen in den Raum.


Wenn aber diese Behauptungen widerlegt wurden, sie als Waffe nicht mehr zu gebrauchen sind, dann geschieht das, was bei jedem Krieg zu beobachten ist. Man sucht sich neue, bessere, schärfere Waffen. Die bisherigen Waffen – übertragen auf den Meinungskrieg die bisherigen Argumente – werden entsorgt und spielen keine Rolle mehr. Denn alles ist dem Kampf um das Sein untergeordnet. Erkenntnis im Sinne von Bereicherung für alle Seiten ist in solchen Situationen nicht beabsichtigt.

Das Problem des Kampfes liegt nun darin, dass die Verstrickten sozusagen Einladungen an ihre Umwelt senden, in denen sie die Adressaten auffordern, Stellung zu beziehen. Stellung beziehen ist eine typische Kriegsfloskel und bezieht sich auf die Ausgangsstellungen vor der Schlacht mit dem Gegner. Entweder ist man offensiv und sehr aggressiv aufgestellt oder man gräbt sich tief ein, um bis zum letzten Atemzug die Stellung zu halten. Diese Befindlichkeiten zerstören permanent das Vertrauen in die Absichten und Persönlichkeiten der fremden, auch selbst in den eigenen Köpfen distanzierten, nun gegnerischen Seite.

Die sogenannte Coronakrise spiegelt einen Krieg, einen offenbar gewollten Krieg. Sie spaltet und polarisiert. Sie zwingt Menschen in den Kampf. Die Narrative der „Coronakrise” wurden mit Vorsatz ins Rennen geschickt. Die Narrative sind die Waffen. Sind sie verbraucht, werden sie einfach durch neue ersetzt und davon gibt es unerschöpflich viele. Sich den immer neuen Waffen zu stellen, kommt einem Kampf gegen Windmühlenflügel gleich. Haben die eigenen Argumente die Waffen des Coronagläubigen entschärft, wechselt dieser umgehend die Bedingungen, definiert die bisher genutzten Waffen als nunmehr gegenstandslos und gibt seinen auserkorenen Opponenten einfach neues „Futter”, neue „Argumente”, neue Behauptungen.

Diese Behauptungen stärken den solidarischen Willen der eigenen Seite, den Kampf um die reine Lehre vom „neuartigen, gefährlichen Virus” unvermindert weiterzuführen und sie zehren die Energiereserven jener auf, die sich den Behauptungen auf einer rationalen Ebene stellen. Rational ist jedoch das Wenigste, was im Krieg – auch im Krieg der Meinungen – zählt. Die emotional stärksten Trigger sind es, welche den Behauptungswillen der Beteiligten aufrecht erhalten.


Vom Hölzchen aufs Stöckchen – oder: Es gibt kein Exitkriterium

Dieser Tage sandte ich einem befreundeten Allgemeinmediziner, mit welchem ich seit vielen Wochen freundliche (!) Streitgespräche führe, folgenden Link zu einer Auflistung aller bis dato bekannten Studien zu Covid-19:

Hier klicken

Dort wird ein internationaler Median der IFR (Infection Fatality Rate, s. Anm. 1) von 0,36 angegeben, ein Wert, der erstaunlich genau dem von Streeck in der Heinsbergstudie ermittelten entspricht.

Ich unterzeichnete mit:

Covid-19 liegt nun nachweislich im Rahmen von Influenza! Q.e.d.!

Die Antwort war frustrierend: „Diese Zahlen lassen diesen Schluss gar nicht zu!

In diesem Moment begriff ich, dass wir in derselben Mühle stecken, welche wir seit 9/11 beständig treten müssen:

Immer wenn Menschen, welche sich um Aufklärung bemühen, einen Nachweis für einen Sachverhalt erarbeitet haben, wird der zuvor noch für entschieden wichtig befundene Umstand für nun „nicht aussagekräftig“ erklärt und einfach der nächste benannt. Nun beginnt das Spiel von vorn und es wiederholt sich in Endlosschleife. Dabei hat immer nur die Seite richtig viel Arbeit, welche in ihrer Freizeit versucht, offizielle Narrative zu falsifizieren. Die staatliche Seite hat genügend professionelles Fachpersonal, stets das nächste Hölzchen hinhalten zu können, über das wir dann springen sollen.

Zu Corona-Zeiten werden dann häufig „Faktenchecks“ nach folgendem Muster angefertigt:

Herr Drosten sagt: „Morgen könnte es bei Schneeregen zu Bodenfrost kommen.

Wenn nun Herr XY aus dem Fenster schaut und feststellt: „Aber es scheint die Sonne und es sind 20°C!

…bekommt er am nächsten Tag diesen Faktencheck von Correctiv, Tagesschau und anderen: „Der umstrittene Herr XY behauptete, gestern seien es 20°C gewesen. Nach Expertenmeinung ist dies falsch, es waren nur 19,5°C.

Das ist kein Faktencheck, ja es ist noch nicht einmal eine Auseinandersetzung in der Sache. Aber es ist leider sehr wirkmächtig und es ist gleichgültig, ob etwas im Wesentlichen widerlegt wurde, dies verschwindet einfach hinter der winzigsten Nebensächlichkeit, auf die der Fokus gelenkt wird.

Darauf wollte ich mich in besagtem Gespräch nicht einlassen und fasste alle in der Vergangenheit hingehaltenen Hölzchen mit einer Gegenfrage zusammen:

Was wäre für dich denn das entscheidende Kriterium, an welchem auch Du sagen würdest: «Das war ein Fehlalarm» oder wenigstens «Das Exitkriterium ist erreicht»? In der Vergangenheit benanntest Du folgende:

«Die Zahl der Neuinfektionen dürfe nicht mehr steigen.» Diese war bereits Mitte März rückläufig – also Kriterium erfüllt.

«Flatten the curve» – das war DIE Begründung für den Ausnahmezustand, es gab aber gar keine überdurchschnittliche «Kurve» von zu hospitalisierenden Patienten, die bedrohlich wurde, in keiner einzigen deutschen Klinik, die Krankenhäuser waren leer, medizinisches Personal wurde gar in Kurzarbeit geschickt – also Kriterium erfüllt.

Der R-Wert – der kann es auch nicht sein, dieser war schon unter 1, als «die Maßnahmen» begannen – also Kriterium erfüllt. Die weltweite IFR von 0,36 im Median nun also auch nicht mehr, obwohl diese deutlich unterhalb der letzten signifikanten Influenza 2017/18 liegt – also Kriterium erfüllt.

Die «steigenden Todesraten ab Mitte April» – vom RKI und Dir noch vor 14 Tagen prognostiziert – es gibt sie nicht, zumindest nicht durch Corona, siehe Statista und Euromomo – also Kriterium ebenso erfüllt.

Ja, was ist denn nun DAS Exit-Kriterium, welches bei Erreichen nicht, wie alle anderen zunächst als Exit-Punkt angegebenen, sofort durch ein neues ersetzt wird?

Die Antwort bediente wieder genau das von mir oben skizzierte Argumentationsschema:

Ja, die Influenza 2017/2018 mit knapp 1.700 gemeldeten Grippetoten und einer nur errechneten Exzessmortalität von 25.000 muss jetzt dafür herhalten, dass COVID19 nicht mehr als ein Schnupfen ist. Lies mal hier.“

OK, also ein neues „Hölzchen“ – die Exzessmortalität. Ich sprang darüber und las im verlinkten Artikel:

„In der derzeit vielzitierten Influenza-Saison 2017/2018 wurden dem RKI 1.674 Todesfälle mit Influenza-Infektion übermittelt. …. Als Exzessmortalität für die Influenza-Saison 2017/2018 weist das RKI demgegenüber die berühmten 25.000 Fälle aus. Das sind in gewisser Weise „statistische Influenzatote“: zwar echt gezählte Sterbefälle, aber die kausale Zurechnung zur Influenza ist nicht durch ärztlichen Befund, sondern durch ein statistisches Verfahren erfolgt.“

Der Autor Joseph Kuhn möchte also sagen: Die 25.000 Influenza-Toten sind aus 1.674 gemeldeten hochgerechnet, das heißt, wir müssten zur Bestimmung der Exzessmortalität von SARS-Cov-2 die bis dato 7.900 gemeldeten Covid-19 Tote auch noch entsprechend hochrechnen. Damit hätten wir in der Tat erschreckend hohe Zahlen.

Ich recherchiere dazu im Influenza-Bericht für 2017/18 vom RKI (i). Dort finde ich zur Begründung des Schätzwertes Exzessmortalität:

„Im Gegensatz zu anderen Erkrankungen wird Influenza auf dem Totenschein häufig nicht als Todesursache eingetragen, selbst wenn im Krankheitsverlauf eine Influenza labordiagnostisch bestätigt wurde. Es ist die Erfahrung vieler Länder, dass sich Todesfälle, die der Influenza zuzuschreiben sind, in anderen Todesursachen, wie z.B. Diabetes mellitus, Pneumonie oder Krankheiten des Herz-Kreislauf-Systems verbergen können. Daher ist es international üblich, die der Influenza zugeschriebene Sterblichkeit mittels statistischer Verfahren zu schätzen. (sic!, s. Anm. 2)“

Nun sieht das bei SARS-COV-2 aber genau andersherum aus, hier wird jeder Tote mit labordiagnostisch bestätigtem Befund als Corona-Toter gezählt. Darauf wird sogar post mortem getestet – und wenn dann der Test positiv ist, dann steht auch bei einem 100-jährigen Krebspatienten im Endstadium Covid-19 auf dem Totenschein. Das heißt, diese Hochrechnung ist gar nicht oder bei weitem nicht in dem Umfang notwendig, wie dies bei Influenza der Fall ist, da Influenza nur selten als Todesursache vermerkt wird – Covid-19 hingegen viel zu oft.

Nach meinem Verständnis kann eine statistisch erst im nächsten Jahr erstellbare Exzessmortalität von Covid-19 deshalb überhaupt nicht als Exit-Kriterium verwendet werden.

Mit diesen Erkenntnissen wandte ich mich wieder meinen Gesprächspartner zu und fragte anschließend erneut: 

Jetzt sag doch erst mal: Was soll denn nun DER EXIT-Faktor am Ende sein?

Seine Antwort: „DEN EXIT-Faktor gibt es nicht. Epidemiologie ist höchst komplex. Punktuelle Zustände oder Einzelparameter als Beweis der Nichtexistenz noch laufender dynamischer Prozesse – das funktioniert nicht.

Mit anderen Worten: Es gibt überhaupt gar kein Kriterium, welches die „solidarische und achtsame Bevölkerung“ erreichen könnte. Die „neue Normalität“ ist der Ausnahmezustand.

PS: Das deckt sich doch gut mit der strategischen Überlegung „Lock-Step“ 2010 der Rockefeller Foundation:

„Selbst nachdem die Pandemie abgeklungen war, blieb die autoritärere Kontrolle und Beaufsichtigung der Bürger und ihrer Aktivitäten bestehen und wurde sogar noch intensiviert. Um sich vor der Ausbreitung zunehmend globaler Probleme zu schützen – von Pandemien und transnationalem Terrorismus bis hin zu Umweltkrisen und steigender Armut – haben führende Politiker auf der ganzen Welt die Macht stärker in die Hand genommen. Zunächst fand die Idee einer kontrollierteren Welt breite Akzeptanz und Zustimmung. Die Bürger gaben bereitwillig einen Teil ihrer Souveränität – und ihrer Privatsphäre – an paternalistischere Staaten ab, im Austausch für mehr Sicherheit und Stabilität. Die Bürger waren duldsamer und sogar begierig auf Führung und Aufsicht von oben, und die nationalen Führer hatten mehr Spielraum, um die Ordnung so durchzusetzen, wie sie es für richtig hielten. In den entwickelten Ländern nahm diese verstärkte Aufsicht viele Formen an: biometrische Ausweise für alle Bürger zum Beispiel und eine strengere Regulierung von Schlüsselindustrien, deren Stabilität als lebenswichtig für nationale Interessen angesehen wurde (ii).“


Im Sinne des intellektuell geführten Austauschs, bei dem die pure Angst nicht die absolute Hauptrolle spielt, halte ich es für den primären Ansatz, die Konstrukte von “flattern curve”, Reproduktionsrate, Exzessmortalität und wie sie noch so alle heißen mögen, auszuhebeln, in dem ich auf die völlige Unhaltbarkeit der Basisdaten hinweise. Mit Verfall der Grundlage verfällt auch alles darüber liegende.

Grundlage aller Behauptungen, auch aller neuen Behauptungen, sind zweifelhafte, nicht sauber geprüfte Testmethoden und zweifelhafte Zählungen, samt abenteuerlicher Diagnostik auf die Krankheit Covid-19. Was nun aber doch längst vorhanden sein müsste – und das dürfte doch eigentlich auch der oben zitierte Arzt jederzeit unterschreiben können – ist die unbedingte Notwendigkeit repräsentativer Tests. Die sind rasch realisierbar und sie sind mit überschaubaren Kosten verbunden. Das hat es nirgends gegeben – weltweit! Ohne seriöse Datenlage ist alles nur wilde Spekulation. Wer sorgt eigentlich dafür, dass repräsentative Tests nicht durchgeführt werden?

Das zweite Argument aber ist ein menschliches und kein mathematisch-statistisches: Ist dieser Arzt ab nun und für alle Zeiten tatsächlich bereit, sein Menschsein aufzugeben, mitsamt seiner natürlichen Freiheiten, nur um sich und seine Mitmenschen vor einem Virus zu schützen? Was soll das für ein Leben sein, wo und wie soll das enden? Bei dieser Logik müssen wir uns im Klaren sein: Weitere „Killerviren” werden bereits vorgehalten, sie haben sich einfach als zu wirkungsvoll erwiesen, um Macht über Menschen auszuüben.


(Anm. 1) Die Infection Fatality Rate gibt für eine Infektionskrankheit den Anteil der Todesfälle unter allen Infizierten an. Im Gegensatz zur Letalität (“case fatality rate”), die auf der Menge der klinisch Erkrankten basiert, schließt sie asymptomatische Fälle ein.

(Anm. 2) Das Zitat aus dem Influenza-Bericht des RKI lässt uns wissen, dass bei Covid-19 völlig neue Standards für statistische Erhebungen eingeführt worden, die nie begründet wurden. Während bei MIT Grippe Verstorbenen die Primärkrankheiten als Sterbegrund auf den Totenscheinen eingetragen werden (also zum Beispiel Diabetes, Herzkrankheiten oder Krebs), tut man dies bei Covid-19 NICHT mehr. Das auch noch, obwohl das Krankheitsbild von Covid-19 äußerst indifferent ist, sich also alle möglichen beliebigen Symptome dieser „neuen” Krankheit zuschreiben lassen.

(i) Bericht zur Epidemiologie der Influenza in Deutschland 2017/2018; https://influenza.rki.de/Saisonberichte/2017.pdf

(ii) 12.05.2020; Norbert Häring; Gleichschritt – Das unheimlich weitsichtige Pandemieszenario der Rockefeller Stiftung; https://norberthaering.de/die-regenten-der-welt/lock-step-rockefeller-stiftung/

(Titelbild) Kampf, Kämpfer, Scheuklappen, eindimensional; Autor: Yuri_B (Pixabay); 07.12.2018; https://pixabay.com/de/photos/krieger-ritter-r%C3%BCstung-mittelalter-3855706/; Lizenz: Pixabay License


4 Kommentare zu „Das Dilemma der Verstrickten…

  1. Die niedrige Zahl fuer die IFR ist wahrscheinlich immer noch um den Faktor 10 zu hoch. Bei den Corona-Toten werden die ausschliesslich an COVID-19 Verstorbenen und die mit unter anderem COVID-19 Verstorbenen zusammengerechnet (welche im Schnitt 2 bis 3 Vorerkrankungen hatten, die zum Tod fuehren). Wer am Eingangstor des Hades auf seinem Schaukelstuhl wartete, wurde durch Corona (was aufgrund der Tests auch nur ein Schnupfen sein kann) ueber die Schwelle gestossen. Die Mehrheit der Corona-Toten hat seine statistisch durchschnittliche Lebenszeit eh schon deutlich ueberschritten. Es wurde auch nie getestet, ob der Tote nicht nur SARS-COV-2 Viren hatte, sondern zusaetzlich auch Influenzaviren, welche viel haeufiger auftreten.

    Apropos Tests:
    https://luismanblog.wordpress.com/2020/09/07/bayes-theorem-for-covid-19-tests/

    Es scheint sich nach all den vorgegebenen Kriterien, die uebererfuellt sind, nun ein internationaler Konsens durchzusetzen, dass die breite Verfuegbarkeit einer Impfung der Meilenstein sein soll. Es ist aber nur ein kleiner Schritt von der Verfuegbarkeit zur Impfpflicht, was mit schon diskutierten Restriktionen (Reisen, Besuch von Veranstaltungen und Einrichtungen in denen viele Menschen sind, etc.) vorbereitet wird.

    Selbst wenn man die IFR von 0,36% hernimmt, sollte man die fuer Altersgruppen aufspalten. Fuer unter 65 Jaehrige ist die IFR wohl unter 0,005%. Man vergleiche diesen Wert dann mit der Wahrscheinlichkeit eines Impfschadens. Diese sind „selten“, also per Definition zw. 0,1 und 0,01%. Das bedeutet, die Wahrscheinlichkeit eines Impfschadens ist hoeher, als die Wahrscheinlichkeit bei einer Infektion zu sterben.

    Wenn das Ziel aber, wie die Gates, Rockefellers & Co. sagen, die andauernde weltweite Kontrolle ist, wird es nicht allzu lange dauern, bis eine Variante der Pneumokokken auftaucht die ganz furchtbar gefaehrlich sein soll.

    Da derartige Impfungen wegen der Evolution der Viren alle Jahre wiederholt werden muessen, gibt es natuerlich auch das Argument der illegalen Bereicherung der Pharmafirmen. Ist es also Bereicherung oder Bevoelkerungskontrolle? Warum nicht beides?

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