BUNTschau spezial: Soy-wjetunion inmitten der USA

It wasn’t real socialism, stupid!

In Seattle im US-Bundesstaat Washington, der größten Stadt im Nordwesten der Vereinigten Staaten von Amerika, sind seit dem 9. Juni einige Straßenzüge von gewaltbereiten und gewalttätigen Linksradikalen besetzt und wurden zur „Autonomen Zone Capitol Hill“ erklärt. Seither versammeln sich Aktivistinnen und Aktivisten vornehmlich der „Black Lives Matter“-Bewegung sowie sympathisierender Antifa-Gruppen dort und „regieren“ das Viertel. Gemäß Berichterstattung von CNN und der New York Times gibt es Veranstaltungen, gratis Essen und Trinken und Diskussionen. Es sei keine bewaffnete Übernahme, sagt Jenny Durkan, demokratische Bürgermeisterin von Seattle, und auch keine Bedrohung der öffentlichen Ordnung, sondern mehr so etwas wie eine einzige große Party, alles ist friedlich. Auf Fotos und in Filmausschnitten sieht man bis an die Zähne bewaffnete, vermummte Kämpfer, die dort patrouillieren und martialisch posieren. Die Polizei hat aufgrund der Übermacht des bewaffneten Mobs bereits kapituliert und sich aus dem Gebiet komplett zurückgezogen, daraufhin wurde das leerstehende Polizeirevier vollständig demoliert. Ja, das ist also keine bewaffnete Übernahme, sondern eine einzige große Party, alles ist friedlich. Klar doch! Amerikanische Cops sind schließlich bekannt dafür, mehr so eine Art uniformierte Sozialarbeiter mit einem latenten Hang zum Pazifismus zu sein, die sofort die Wache räumen und alle Mann aus dem Bezirk evakuieren, wenn ein paar Party-People sie freundlich darum bitten, damit sie die Beamten mit ihren Gelagen nicht über Gebühr belästigen. Deeskalation und Toleranz werden selbst im amerikanischen Englisch großgeschrieben!

Jenny Durkan – wie bereits erwähnt demokratische Bürgermeisterin von Seattle – versicherte auf CNN, dass die Situation keine Bedrohung für die Öffentlichkeit darstelle; sie spricht sogar – in Anlehnung an die Hippie-Bewegung im Jahre 1967 – vom zweiten „Summer Of Love“. Derweil berichten Polizeibeamte vor den Kameras des mit CBS verbundenen Fernsehkanals KIRO-TV von Einbrüchen, Überfällen und Gewaltexzessen. Wie deckt sich das nur mit den Worten der Bürgermeisterin, das sei mehr so eine Art neuer „Summer Of Love“? Wem ist man nun eher geneigt zu glauben: Einer Bürgermeisterin, die bekanntlich den ganzen Tag zu Fuß durch die Straßen läuft, dabei selbstverständlich auch die düsteren Gegenden nicht meidet, weil sie gelebte Bürgernähe zelebriert und immer mit mindestens einem Ohr am hektischen Puls der Großstadt klebt? Oder etwa diesen abgehobenen Cops, die den ganzen Tag bis an die Zähne bewaffnet im sicher gepanzerten Wagen durch die edlen Flaniermeilen patrouillieren und daher keinen Schimmer haben, was wirklich auf den Straßen abgeht, und die den einfachen Bürger noch nie mit bloßem Auge gesehen haben, sondern – wenn überhaupt – höchstens mal durch ein Zielfernrohr?

Die Antwort auf diese Frage dürfte wohl glasklar sein, oder?

Selbst wenn es tatsächlich in Einzelfällen irrtümlich oder aufgrund der unverantwortlichen, unmenschlichen Drohkulisse aus dem Weißen Haus zu leichten Irritationen gekommen sein sollte, so setzt das die Aussagen von Bürgermeisterin Jenny Durkan noch lange nicht ins Unrecht! Ja, es ist alles eine einzige große Party! Doch so wie die obligatorische Kirmesschlägerei den krönenden Abschluss eines jeden gelungenen Dorffestes markiert, so kann auch hier mal ein kleines Missverständnis in einer neckischen Rangelei unter Lausbuben enden. Wir sind doch alle nur Menschen, Pack schlägt sich, Pack verträgt sich! Und wenn es doch mal hoch her gehen sollte, dann ist es trotzdem immer noch der neue „Summer Of Love“ – nur halt in der „2020 Sado-Maso-Edition“.

Außerdem: Frau Durkan ist bei den Demokraten! Allein deshalb muss man ihr schon glauben! Das sind nämlich die Guten, und sie waren auch immer die Guten! Damals haben sie sogar die Sklaverei abgeschafft!

Oh, Mist, stopp, spult nochmal das Band zurück, wir haben uns vertan, das mit der Abschaffung der Sklaverei waren doch die Republikaner. Notiz an uns selbst: Das muss später gleich gelöscht werden. Aber nicht vergessen! Sonst fliegt uns die ganze Lügengeschichte von den rassistischen Republikanern mit Karacho um die Ohren, und dann gibt’s wieder einen bösen Anruf vom „Spiegel“, und die Bundesregierung streicht uns die Mittel! Da versteht der Heiko nämlich keinen Spaß!

Gut, nochmal: Die Demokraten sind die Guten, und waren auch immer die Guten! Die Republikaner hingegen waren immer die Bösen, einige ihrer Mitglieder haben sogar die rassistische Terrorvereinigung „Ku-Klux-Klan“ gegründet und…

Ach, so ein Mist aber auch, wir haben schon wieder einen Fehler gemacht, das waren Demokraten. Nächste Notiz: Auch diese Passage später streichen.

Auf ein Neues: Die Demokraten sind die Guten, und waren auch immer die Guten! Sie haben sogar gegen den erbitterten Widerstand der Republikaner das Frauenwahlrecht eingeführt! Die Republikaner hingegen kämpften gegen die Emanzipation der Frauen und der Schwarzen. Sie erklärten, Frauen und Schwarze seien nicht intelligent genug und…

Zapperlot, schon wieder falsch, es war genau umgekehrt! Können wir als rrrrächzpopelistische BUNTschau-Nazis nicht mal ausnahmsweise gründlich recherchieren? Das ist ja nicht zum Aushalten! Zefix!

Also nochmal: Die Demokraten sind die Guten, und waren auch immer die Guten! Einfach so, ohne Begründung jetzt, weil: Isso! Basta! Das muss man uns jetzt einfach mal glauben! Reicht das etwa nicht, wenn die das sagen? Die lügen doch nicht! Nie und nimmer! Nie niemals nicht!

Wie, überzeugt das nicht? Dann kommt jetzt das ultimative Totschlagargument, warum die Demokraten die Guten sind: Trump ist Republikaner! Ätschi Bätschi!

Im Gegensatz dazu haben die Demokraten nur verkannte Genies und Hochbegabte in ihren Reihen, absolute Ausnahmeerscheinungen mit übernatürlichen Fähigkeiten: Angefangen mit Bill Clinton, der konnte kiffen, ohne zu inhalieren, und sogar seinen Lendensaft auf das Kleid einer pummeligen Praktikantin schleudern, ohne Sex oder gar einen Orgasmus gehabt zu haben.

Dann gibt es Joe Biden, ein smarter Charismatiker, dessen Rhetorik den alten Cicero wie eine Luftpumpe aussehen lässt. Dieses aufgeweckte Energiebündel wird im November wie ein Orkan diesen müden alten orangen Sack aus dem Weißen Haus fegen und die gesamte Veranstaltung mal einer dringend notwendigen Verjüngungskur unterziehen.

Jeder politische Gegner geht sofort zu Boden, wenn unsere amerikanischen Genossen ihre Geheimwaffe von der Leine lassen: Alexandria Ocasio-Cortez, kompetenteste Universalgelehrte der Galaxie mit einem Jodeldiplom in Voodoo-Ökonomie, quasi die V2 der Demokraten, nur dass sie tatsächlich gebaut wurde, sogar in scharf und funktionstüchtig. Eine Art Latina-Chebli für wohlstandsverwahrloste Linksbuntianer.

Doch all das sind blutige Amateure gegen den ungeschlagenen Megastar der Demokraten: Magic Bernie Sanders! Er hat das Unmögliche möglich gemacht, denn er ist Marxist und gleichzeitig Multimillionär. Damit hat er bewiesen, dass die Lehren von Marx und Engels eben nicht, wie pöööhse Rrrääächte fälschlich behaupten, zu Massenarmut und Massensterben führen, sondern tatsächlich funktionieren: Man wird damit reich! Sogar stinkreich! Okay, zwar nur im Kapitalismus, oder, wenn ausnahmsweise doch im Kommunismus, dann nur, wenn man das Privileg hat, etwas gleicher zu sein als die Restgleichen und daher zu den Aufsehern zu gehören, aber wir wollen uns doch jetzt hier wohl nicht an Petitessen aufhängen, sonst gibt’s eine Runde Gulag, ihr verdammten kontrarevolutionären Zersetzer und Spalter!

Apropos, wo wir gerade bei der praktischen Umsetzung der hippen Ideen des bärtigen Menschenfreunds aus Trier sind: Die „Autonome Zone Capitol Hill“ ist das neueste Prestige-Projekt der Marx-Morons und Engels-Bengels, nachdem es in Venezuela aufgrund der permanenten Hetze des kapitalistischen Klassenfeinds zu peripheren Reibungsverlusten kam, die selbstverständlich nichts mit dem wahren Sozialismus zu tun haben.

Hier kurz zusammengefasst die beeindruckende Erfolgsbilanz der Soy-wjetunion, Verzeihung, der „Autonomen Zone Capitol Hill“, oder wie unsere amerikanischen Genossen zu sagen pflegen, „The People‘s Republic of Capitol Hill, Seattle“, nach den ersten zwei Tagen Sozialismus:

  • Endlich keine Polizei mehr! Aber dafür ein Warlord, der eine Bande anführt, die sich „The Police“ nennt, aber leider keine groovigen Songs über besonders fleißige Arbeiterinnen der Liebe spielt, sondern lediglich die Anwohner terrorisiert und erpresst, das aber immerhin fleißig und effizient. Da der Warlord schwarz ist, sind die unterprivilegierten weißen Aktivisten vollkommen hilflos, weil jedwede Form von Kritik, erst recht Maßnahmen von Gegenwehr, gleich als „Rassismus“ gelten. Gut so!
  • Die Volksrepublik ist der Gegenentwurf zum Amerika der schießwütigen Cowboys und der ausufernden Polizeigewalt. Aus unerfindlichen Gründen ist die Kriminalität innerhalb des Viertels jedoch so dermaßen explodiert, dass es bereits bewaffnete Bürgerwehren gibt, die auch Unschuldige verprügeln.
  • Die in westlichen Ländern als Verfechter offener Grenzen bekannten Aktivisten bauten sofort eine streng abgeriegelte „Außengrenze“, da sie Angst hatten, dass ihr bolschewikisches Wolkenkuckucksheim vom Klassenfeind unterlaufen wird.
  • Auch die Pressefreiheit wird hochgehalten: Journalisten, die nicht erkennbar auf Linie der Kommunisten sind, werden von einem Mob gejagt.
  • Das Patriarchat ist final besiegt: Der Gründer des „autonomen Staates“ wurde nach 24 Stunden abgesetzt aufgrund von Vergewaltigungsvorwürfen. Immerhin!
  • In der Volksrepublik wird wahrhaftige Solidarität gelebt: Schlägertrupps erpressen Ladenbesitzer um Zahlungen, welche sie „Gemeinschafts- und Schutzsteuern“ nennen. Bei Nichtzahlung wird die Einrichtung verwüstet und der Besitzer als Rassist und Faschist verleumdet.
  • Der Kapitalismus ist endlich Geschichte: Am Gründungstag wurde proklamiert, dass es kostenloses Essen gibt. Am nächsten Tag herrschte bereits Lebensmittelknappheit, weil Obdachlose und Diebe die ganzen Bestände mitgehen ließen. Nun werden die Bewohner der Häuserblocks außerhalb der „Volksrepublik“ auf Twitter um Lebensmittellieferungen angebettelt. Wer hätte gedacht, dass mitten im Mutterland des Raubtierkapitalismus mal eine sozialistische Enklave entstehen könnte, die bereits am zweiten Tag ihres Bestehens auf Westpakete angewiesen sein würde? Wenn Geschichte sich wiederholt, wird es oft ungewollt lustig. Ob Trump nun beabsichtigt, Rosinenbomber zu schicken, war bei Redaktionsschluss jedoch leider noch nicht bekannt.

Die „Volksrepublik Capitol Hill“ stellt damit einen Weltrekord auf. Noch kein sozialistischer Staat hat es jemals geschafft, bereits binnen 48 Stunden „kein richtiger Sozialismus“ mehr zu sein. Capitol Hill, quasi die Rigaer Straße von Seattle, nur ohne Hartz IV und großzügig bemessene ergänzende Geldflüsse aus dem nimmerleeren Topf für den „Kampf gegen RRRÄÄCHZ“, bekommt derzeit eine richtig schmerzhafte Schocktherapie verpasst, die sich in Kennerkreisen „Realität“ nennt.

Ob sie bei diesen wohlstandsverwahrlosten Verstrahlten tatsächlich wirkt, darf jedoch bezweifelt werden. Wenn ja, wäre es nämlich das erste Mal in der Menschheitsgeschichte, und das dürfte dann wohl zurecht als größter evolutionärer Fortschritt seit dem Erlernen des aufrechten Gangs betrachtet werden.

Wir möchten diesen launigen Rotfrontbericht schließen mit einer grundlegenden Erkenntnis: Der Sozialismus ist nicht der Feind des Kapitalismus. Er ist sein Parasit. Jedoch einer von der dummen Sorte Parasiten, die ihren Wirt am Ende umbringen.

Ach ja, und da es gerade so schön passt:

(Autoren: Die Stahlfeder, Ergänzungen von Apo)

(BUNTschau Juni 2020, Teil 2 <—> BUNTschau Juni 2020, Teil 3)

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Ein Kommentar zu „BUNTschau spezial: Soy-wjetunion inmitten der USA

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