Mythos Che Guevara – Teil 2

Teil II: Der Terrorist

Beginnen wir mit einer schockierenden Tatsache für Sozialisten, die fälschlicherweise, aber dafür umso entschiedener der Auffassung sind, ihre Ideologie stelle eine radikale Antipode zum Nationalsozialismus dar: Jeder Sozialismus in der Geschichte wurde national umgesetzt. Auch der kubanische Sozialismus unter „Che“ Guevara ist diesbezüglich keine Ausnahme. Der Argentinier brannte für seine Wahlheimat Kuba und war, wenn man 1 und 1 richtig zusammenzählt, von ganzem Herzen sowohl Nationalist als auch Sozialist. In seiner Rede vor den Vereinten Nationen am 11. Dezember 1964 schloss er, wie so oft, mit einer seiner berühmtesten Formeln:

„Vaterland oder Tod!“

In der selben Rede entgegnete er auf eine Kritik des kolumbianischen Gesandten, wonach die kubanische Regierung unter anderem mittels Hinrichtungen herrsche:

„Hinrichtungen? Ja, wir haben Menschen hingerichtet; wir richten Menschen hin und werden Menschen auch weiterhin hinrichten, solange es nötig ist.“ [1]

Es wird viel über diverse Zitate von Guevara diskutiert. Hat er X oder Y gesagt, hat er X oder Y nicht gesagt? Ich persönlich bin der Auffassung, dass es durchaus rational und logisch ist, auf Basis dessen, was er nachweislich von sich gegeben hat (z.B. sein offenes Bekenntnis zu Exekutionen), den Schluss zu ziehen, dass diverse umstrittene Zitate zumindest Sinn gemacht hätten, oder anders: Die Wahrscheinlichkeit, dass er Umstrittenes von sich gab, ist höher als dass er es nicht sagte, so beispielsweise die Aussage, dass „ein gerichtlicher Beweis unnötig“ sei, „um Menschen zu einem Hinrichtungskommando zu schicken. Dies ist eine Revolution! Und ein Revolutionär muss eine kalte Tötungsmaschine werden, die von purem Hass angetrieben wird.“ 

Wie unwahrscheinlich ist es – ausgehend von anderen, wasserdichten Zitaten –, dass Guevara auch dies gesagt hatte? Zumal er erstens exakt so gehandelt hatte und – zweitens – die „kalte Tötungsmaschine“ in einem anderen Zusammenhang nachweisbar ist, und zwar, als er von seinem bolivianischen Dschungelcamp heraus im April 1967 eine Nachricht an die Tricontinental schickte (Hervorhebungen von mir):

„Unsere Mission in der ersten Stunde soll sein, zu überleben; später werden wir dem beständigen Beispiel der Guerilla folgen und bewaffnete Propaganda betreiben … die große Lehre von der Unbesiegbarkeit der Guerillas, die in den enteigneten Massen Fuß fassen; die Galvanisierung des nationalen Geistes, die Vorbereitung auf härtere Aufgaben, um noch gewalttätigeren Unterdrückungen zu widerstehen. Hass als Element des Kampfes; ein unerbittlicher Hass gegen den Feind, der uns über die natürlichen Grenzen des Menschen hinaus in eine wirksame, gewalttätige, selektive und kalte Tötungsmaschine verwandelt.“ [2]

Unter Castro und Guevara bekannte sich Kuba sehr rasch zum Marxismus-Leninismus. Etwas, was unter anderem mit sowjetischen Raketen und Lenin-Bannern gefeiert wurde. Während sich eine Vielzahl westlicher Mainstream-Medien dem „charmanten“, aber auch „faszinierenden, coolen und gescheiten“[3] Guevara anbiederten, entwickelte sich in Kuba das typisch marxistisch-leninistische System, wie es in der langen Geschichte gescheiterter Sozialismen nur einmal mehr „falsch umgesetzt“ wurde, sprich mittels Bildung eines Netzwerks von Regierungsspionagegruppen, die in jedem Stadtblock eingerichtet wurden, um der Polizei jeden „konterrevolutionären“ Rückfall diverser Nachbarn unverzüglich zu melden (von einer Kürzung der wöchentlichen Essensration über einen Aufenthalt im Gefangenenlager bis hin zum Erschießungskommando waren Strafen sehr variabel). Das System existierte bereits in der DDR, wo es die sozialistische Stasi, die es in Kuba mit aufbaute, wiederum von der großväterlich-sozialistischen Gestapo abgekupfert hatte. 

Im November 1962 deckte das FBI eine terroristische Verschwörung auf: Die Ziele waren Macy’s, Gimbels, Bloomingdale’s und Grand Central Terminal. Fünfhundert Kilo TNT sollten am Tag nach Thanksgiving, dem geschäftigsten Einkaufstag des Jahres, an diesen Orten in die Luft gehen. Als das FBI die Verschwörung aufdeckte, stellte es fest, dass die beteiligten Personen der Mission Kubas bei den Vereinten Nationen mit dem New Yorker Kapitel des Fairplay-Komitees für Kuba (FPCC) zusammenarbeiteten. Dieser Fall erschien am 27. November 1962 in der New York Times. Es gab eine weitere Verschwörung, die im Jahr 1964 für das darauffolgende Jahr ausgebrütet wurde, als Guevara New York besuchte. Es spricht sehr vieles dafür, dass er in das Komplott involviert gewesen war, das zuvor von einigen schwarzen Radikalen der „Black Liberation Front“ (BLF) inszeniert wurde, einer Gruppe, welche die „Black Panthers“ als „Onkel Toms“ betrachtete. Sie hatten Kuba zuvor besucht und sich mit „Che“ getroffen, 1964 traf letzterer sich mit ihnen in New York. Es waren Feinabstimmungspläne, um unter anderem die Freiheitsstatue, die Liberty Bell und das Washington Monument in die Luft zu jagen.[4]

Die Verschwörer waren jedoch von Raymond Wood, einem schwarzen Kadetten der New Yorker Polizei, infiltriert worden. Die NYPD alarmierte das FBI, die Canadian Mounties und die US Border Patrol, die Kanadierin Michelle Duclos (eine r-selektierte, weiße Mitverschwörerin) verfolgten, als sie die Landesgrenze überquerte und beobachteten, wie sie das Dynamit versteckte. Das FBI steckte das Gebiet ab und sah zu, wie Robert Steele Collier (Anführer des Plotts) vorfuhr, sich verstohlen umsah und aus seinem Auto stieg. Die Agenten sprangen aus den Büschen und nahmen Collier gerade gefangen, als er das Dynamitlager ausfindig machte. Die Verschwörung war gescheitert.

Wäre alles nach Plan verlaufen, hätte Che Guevara Amerikas größte Denkmäler zerstört, Hunderte, wenn nicht Tausende von Besuchern aus der ganzen Welt getötet und den Mördern erlaubt, Kuba als „sicheren Hafen“ zu nutzen. Wären die Tatsachen des Anschlags öffentlich bekannt geworden, hätte der solzialdemokratische (Democrats) Präsident Lyndon B. Johnson (1908-1973) möglicherweise gezwungen sein müssen, das Nichteinmischungsabkommen der sozialdemokratischen Kennedy-Regierung mit der Sowjetunion nach der Kubakrise zu widerrufen. Das Ergebnis hätte leicht katastrophal sein können. Freilich hatte die Verschwörung weder Auswirkungen auf die amerikanische Sicherheitspolitik noch auf den Ruf von „Che“.

Stattdessen erhielt die 24-jährige Gladys Perez das Label „Terrorist“, nachdem sie versuchte, den Massenmörder und Familienvernichter Guevara vor seiner Rede vor der UN zu erstechen. Gladys sagte, sie sei zwei Jahre zuvor aus Kuba gekommen. In Kuba war sie als politische Gefangene gefoltert und vergewaltigt worden. Sie bereute ihr Handeln dementsprechend nicht. Die New York Times berichtete am 14. Dezember 1964, dass ein junger stellvertretender Bezirksstaatsanwalt darum bat, dass die mit Handschellen gefesselte Frau zur „mentalen Beobachtung“ verpflichtet werde. Betrachten wir die Fakten: Eine kubanische Frau wird von kommunistischen Verbrechern gefangen gehalten, gefoltert und vergewaltigt. Sie will sich an dem Chef-Henker des Regimes rächen, das sie inhaftiert, gefoltert und vergewaltigt, ferner tausende ihrer Landsleute hingerichtet hatte, und der Welt um ein Haar einen nuklearen Holocaust beschert hätte. Die Frau wurde zur „mentalen Beobachtung“ verpflichtet. Guevara hingegen wurde auch weiterhin von der Presse gefeiert, beispielsweise als „Hero and Icon of the Century“ (New York Time), zusammen mit Mutter Teresa, die wohlgemerkt ebenfalls geisteskrank war.

Um das Ganze in Relationen zu setzen: Für die U-Bahn-Explosionen im März 2004 in Madrid – alle zehn –, bei denen fast zweitausend Menschen getötet und verstümmelt wurden, verwendeten die spanischen Verbündeten der Al-Qaida insgesamt einhundert Kilo TNT. Die kubanischen Agenten hingegen planten, in den drei größten Kaufhäusern der Welt die fünffache Explosionskraft zu entfesseln. Alles am größten Einkaufstag des Jahres, an dem alle „Malls“ bis zum Bersten gefüllt waren. Tausende New Yorker, darunter Frauen und Kinder – angesichts des Datums und der Ziele wahrscheinlich sogar am meisten Frauen und Kinder sollten verbrannt und begraben werden.

War das das Werk von „Che“? Sagen wir mal so: Alle seine Biographen geben widerwillig zu, dass er eine zentrale Rolle bei der Einrichtung der kubanischen Sicherheitsmaschinerie gespielt hatte, einschließlich der Befreiungsabteilung der GDI (Dirección General de Inteligencia), die für die Guerilla-Ausbildung und die Befreiung von Ausländern zuständig war. Es ist also unvorstellbar, dass er diesen frühen New Yorker Terroranschlag nicht unterschrieben hat, geschweige denn, dass er dagegen war. Wir erinnern uns (Teil 1): Eine Person, die noch im November 1962 dem London Daily Worker anvertraut hatte, in einer Auseinandersetzung mit den USA nicht davor zurückzuschrecken, Nuklearraketen „gegen das Herz Amerikas“ einzusetzen, „einschließlich New York City“, da der „Weg der Befreiung“ auch dann gegangen werden müsse, wenn er „Millionen von atomaren Opfern kostet.“[5]

Fortsetzung folgt.

(Lesen Sie hier: Teil 1 – Übersicht)


[1] United Nations, General Assembly, Nineteenth Session, Official Records, New York, S. 7.

[2] The Executive Secretariat of the Organization of the Solidarity of the Peoples of Africa, Asia, and Latin America (OSPAAAL), Havana, April 16, 1967.

[3] Berquist, Laura: Our Woman in Havana, in: Look, 8.11.1960.

[4] Mitchell, David Fontaine: The Monumental Plot: An Overview Of The 1965 Conspiracy To Destroy The Statue Of Liberty, Liberty Bell, And Washington Monument. In: The Journal of Counter Terrorism & Homeland Security International, 16 (2010) 4, S. 30-34. Schon die TIME berichtete am 26.02.1965 darüber.

[5] Che Guevara: Tactics and strategy of the Latin American Revolution. In: Centro de Estudios Che Guevara (Hrsg.): Che Guevara Reader, Second, Expanded Edition, Havana 2003, S. 304. (Dieser Essay wurde erstmals am 9. Oktober 1968 in Verde Olivo veröffentlicht. Geschrieben hatte ihn Guevara während seiner Zeit in Kuba, allerdings wurde er erst nach seinem Tod veröffentlicht.)

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