»Papa, Papa, du sollst nicht sterben«

Stell dir vor, du kommst auf die Welt. Deine Familie liebt dich mit hoher Wahrscheinlichkeit. In der liebevollen Obhut deiner Eltern wächst du heran. Du lachst viel, auf deine ersten Schritte sind alle mächtig stolz. Im Kindergarten spielst du am liebsten Fußball, Verstecken und vielleicht sogar schon ein wenig Onkel Doktor. Später in der Grundschule und noch etwas später am Gymnasium musst du dich durch jede Menge Zeug kämpfen. Manches macht Spaß (vor allem Bio und die Erste-Hilfe-Kurse), das Meiste ist unnötig und eine echte Qual. Die Vorfreude auf die Ferien im sonnigen Italien, Südfrankreich oder Spanien, aber auch Freunde, der sichere Rückhalt deiner Familie und nicht zuletzt dein helles Köpfchen geben dir Kraft und lassen dich alles überstehen. Bei der Abi-Feier macht dein Vater vor Stolz so viele Bilder, dass es dir beinahe schon etwas peinlich ist. Deine Mutter küsst dir vor deiner ersten Freundin auf die Wange. Megapeinlich! Aber natürlich lieb gemeint.

Du weißt mittlerweile, Mediziner werden zu wollen. Dein Entschluss steht fest. Kranken Menschen zu helfen und ein Kämpfer gegen den Tod zu sein, auch wenn er letztlich niemals besiegt werden kann, ist dir neben dem Wunsch einer eigenen harmonischen Familie ein edler Lebenssinn geworden. Ebenso das damit verbundene, gerechtfertigte Prestige unter Menschen, Freunden und Familie. Natürlich kannst du wieder mit dem Rückhalt und der Unterstützung deiner Familie rechnen. Beim Bund zählst du zu den Sanitätern. Danach beginnst du dein sehr anspruchsvolles Medizinstudium und schlägst dir viele Nächte mit Lehrbüchern und Kaffee um die Ohren. Stress, Stress, Stress. Die vielen Prüfungen bereiten dir manchmal vor Aufregung Bauchschmerzen, der Druck ist groß. Doch du beweist auch hier Ausdauer und Verstand. Nach einem langen, steinigen Weg promovierst du schließlich zum Doktor der Medizin, kurz Dr. med.

Deine Karriere verläuft erfreulich. Oft kannst du dich vor Arbeit kaum retten, aber die Wertschätzung von Patienten spornt dich an. Der hippokratische Eid, deine Sozialisation und kulturelle Prägung verlangen von dir, jedem so gut es geht zu helfen. Vielleicht ist das bisweilen naiv, aber du verdienst ehrliches Geld und fühlst dich in deinem Tun rundum erfüllt.

Du gründest eine Familie. Besser und wichtiger als jede Medizin ist deine Tochter, die gesund zur Welt kommt. Du siehst sie voller Stolz heranwachsen. Ihre ersten Schritte, ihre erste Zahnlücke, ihre ersten Worte. Auch sie kommt in den Kindergarten und in die Grundschule. Das Verhältnis zu ihr ist innig. Sie mag es, Papa auf der Arbeit zu besuchen. Viel Zeit verbringt ihr vor allem am Reiterhof. Auch sie freut sich schon auf die nächsten Ferien mit Papa. Genauso freust du dich auf die Ferien, aber überhaupt auf jeden Feierabend mit deiner Familie. Du hast so viele Dinge vor dir. Allen voran bist du neugierig, wie sich dein Ein und Alles weiter entwickeln wird. Wie sie zu einer jungen Frau heranwachsen wird. Eines Tages kannst du wahrscheinlich mit Enkeln rechnen und sie auf deinen Schultern tragen wie deine Tochter. Welchen Beruf deine Tochter und Enkel wohl einmal ausüben werden? Vielleicht werden sie auch Ärzte? So viel schwirrt in deinem Kopf herum.

Dann, eines Morgens, kommt eine grundlos zum Goldstück erklärte Kreatur in deine Praxis. Eine Kreatur, die irgendwo in den Weiten Afrikas geboren wurde, während du gerade in vollen Zügen an deiner Promotion gebüffelt hattest.

Sie schlachtet dich ab. Deine Tochter ruft: „Papa, Papa, du sollst nicht sterben!” Doch du verendest sinnlos vom einen zum anderen Moment.

The end.

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Von Offenburg bis Heidelberg sind es 117 Kilometer. Zwischen beiden Städten im grün-schwarzen Baden-Württemberg gibt es eine metaphysische Verbindung. Deren Reich- und Tragweite konnte vielfach auch schon anderenorts in Deutschland beobachtet werden:

• Am 9. Juni 2016 hielt Martin Schulz (SPD), damals noch Präsident des Europäischen Parlaments, in Heidelberg eine Rede. Vor 400 Zuhörern in der Aula der »Neuen Universität« erklärte er: »Was die Flüchtlinge zu uns bringen, ist wertvoller als Gold.« Der unsägliche Satz ging in die jüngere deutsche Geschichte ein.

• Am 16. August 2018 starb in seiner Praxis in Offenburg im Alter von 51 Jahren
Dr. med. Joachim Tüncher – ein Allgemeinmediziner, der sich besonders in der medizinischen Versorgung von »Flüchtlingen« engagierte. Die baden-württembergische Ärzteschaft zitiert in ihrer Traueranzeige den französischen Philosophen Jean-Paul Sartre:

Die Gewalt lebt davon, dass sie von Anständigen nicht für möglich gehalten wird.

Und wieder ist es geschehen. Und wieder war es ein »Goldstück«! Wie in Freiburg, in Kandel, in Flensburg, in Mainz, in, in, in …

Offenbar wahllos wie aus dem Nichts erstach ein 26 Jahre alter Somalier den bei seinen Patienten äußerst beliebten Offenburger Doktor. Die Arzthelferin Elke D., die ihrem Chef zu Hilfe eilte, verletzte er zum Glück nur leicht.

Das Wartezimmer im Erdgeschoss des Mehrfamilienhauses Aenne-Burda-Allee 8 war schon gut gefüllt, als am Donnerstag der vorvergangenen Woche um 8.45 Uhr der Somalier die Praxis von Joachim Tüncher betrat und ohne jede Vorwarnung, vielleicht weil ihm nicht sofort die adäquate privatärztliche Behandlung widerfuhr (?), auf den Arzt einstach. »Papa, Papa, du sollst nicht sterben«, rief die kleine Arzttochter entsetzt, die ihren Vater öfter in der Praxis besuchte. Für Joachim Tüncher kam jede Hilfe zu spät. Das 10 Jahre alte Mädchen bleibt gezeichnet ein Leben lang vom Anblick des sterbenden Vaters.

Nach einstündiger Großfahndung mit Hubschraubern und Hundestaffeln wurde der Messerstecher etwa 1,5 Kilometer vom Tatort entfernt nahe des »Freiburger Platzes« gestellt. Es handelt sich um einen aus Somalia stammenden Asylbewerber, der Anfang November 2015 illegal nach Deutschland eingereist und einer Unterkunft in Offenburg zugewiesen wurde. Der 26-jährige Schwarzafrikaner war bereits mehrfach polizeilich aufgefallen. Nach einer gewalttätigen Auseinandersetzung in seiner Unterkunft hatte er auch schon eine Nacht in »Polizeigewahrsam« verbringen dürfen. Gegen ihn erließ die Ermittlungsrichterin inzwischen Haftbefehl wegen Mordes.

In der Ortenau, wie dieser malerische Wahlkreis von Wolfgang Schäuble (CDU) im Schwarzwald heißt, bleiben nach dieser von der ›ARD‹-Tagesschau totgeschwiegenen Bluttat Entsetzen und Sprachlosigkeit zurück. Und natürlich das übliche Betroffenheitsritual!

Offenburgs Oberbürgermeisterin Edith Schreiner (CDU) mahnte zur »Besonnenheit«, es dürfe »nicht pauschalisiert« werden. Landesjustizminister Guido Wolf (CDU) warnte vor einer »Politisierung« der Tat: »Wichtig für die Politik in solchen aufgeheizten Stimmungslagen ist, dass solche Verbrechen nicht politisch missbraucht oder instrumentalisiert werden.«

Laut ›Badischer Zeitung‹ hat Offenburg, gemessen an der Einwohnerzahl, inzwischen Freiburg bei der Zahl der Straftaten überholt. Anteil »nichtdeutscher« Täter: 51,2 Prozent! In der Ärzteschaft wird jetzt darüber diskutiert, Praxen ähnlich wie Banken mit einem Alarmknopf auszustatten.

Hintergrund ist, dass sich bundesweit Angriffe auf Mediziner und in Notaufnahmen häufen.

Zuletzt wurde Ende Juni in Ottobrunn bei München eine Notärztin von einem »schutzsuchenden« Eritreer angriffen und durch Scherben einer Bierflasche schwer verletzt.

***

Von Offenburg in das südpfälzische Landau. Dort läuft zur Zeit vor der Jugendkammer und unter Ausschluss der Öffentlichkeit der Prozess gegen ein anderes »Goldstück«: Abdul Mobin Dawodzai. Der angeblich zur Tatzeit noch minderjährige, heute angeblich 20 Jahre alte Afghane hatte am 27.Dezember 2017 die 15-jährige Mia Valentin aus Kandel erstochen. Vergangene Woche rastete der Angeklagte im Gerichtssaal vollkommen aus.

Der Afghane schlug um sich, bespuckte einen Justizbeamten, beleidigte ihn als »Drecksbulle«. Dann, so »Justizkreise«, sprang er dem Beamten an die Gurgel und würgte ihn. Mehrere SEK-Männer, die sofort in den Saal stürmten, führten den Tobsüchtigen in Hand- und Fußfesseln ab. Selbst die im Saal anwesende Gutachterin soll nach dem Vorfall völlig geschockt gewesen sein. So einen Ausbruch habe sie noch nie erlebt, hieß es aus »Justizkreisen«.

Wie sagte noch Jean-Paul Sartre…

R.I.P. Dr. Joachim Tüncher 2

3 Kommentare zu „»Papa, Papa, du sollst nicht sterben«

  1. Ohne diese Ueberschrift haette ich jetzt 3 Kleenex gebraucht. Mit ihr war ich vorgewarnt und hab trotzdem gegluckst. Exzellent geschrieben. Stell Dir vor die wuerden solche Narrative mal in den Tagesthemen bringen, anstatt immer reflexionsartig in Abwehrstellung „gegen rechts“ zu springen.

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