Europa schuldet Migranten überhaupt nichts

In Bezug auf die sogenannte „Flüchtlingskrise“ in Teilen der EU lautet ein Narrativ wie folgt:

„Die Flüchtlingskrise ist die logische Rache für die durch westliche Regierungen verursachte Destabilisierung des Nahen Ostens. Wenn ihr diese Flüchtlinge nicht wollt, hättet ihr deren Länder nicht bombardieren sollen! Karma! Pech gehabt, also kommt damit klar!“

Eines der Hauptkennzeichen des Postmodernismus besteht darin, dass sich sukzessive von Ratio abgewandt und stattdessen blanken Emotionen hingegeben wird. (Ich spreche in diesem Zusammenhang in Geschosse wider den Einheitsbrei von „Entklärung“.) Auf Emotionen ein politisches Zwangssystem gründen zu wollen wird auf kurze, mittelfristige und lange Sicht noch destruktivere Konsequenzen nach sich ziehen als ohnehin schon.  Angesichts der seit Jahrzehnten sorgsam verabreichten Dauerindoktrination verwundert es nicht, dass das obige Narrativ für viele Zeitgenossen ein emotional überzeugendes Argument darstellt. Da die Gruppe derer immer größer wird, welche ihre vermeintliche „Humanität“ wie eine Monstranz vor sich hertragen, ungeachtet aller Widersprüche und Folgen, wird es für die mehr oder weniger zum Abschuss freigegebenen Skeptiker, die ihre „humanen” Argumente kritisch und streng prüfen, immer schwieriger, zumal letztere sich stetig aggressiveren Anklagen und Unterstellungen ausgesetzt sehen. Kämpfen sie in Wahrheit gegen intellektuelle Bigotterie, wird ihnen absurderweise (unter anderem) genau dieser Vorwurf gemacht: Sie seien „engstirnig“, „borniert“, „kalt“, um einige „harmlose“ Behauptungen zu nennen, vielmehr aber „rassistisch“, „nationalistisch“, „sexistisch“ und weiß der Teufel noch alles, um einige der schweren Geschütze zu benennen, welche jedoch durch den mittlerweile hilflos-inflationären Gebrauch zunehmend in Rauch aufgehen, und zwar dort, wo sie hingehören: dem blendenden Strohfeuer.

Gerade den „verführerischsten“ Narrativen und (Pseudo-)Argumenten muss entschieden entgegengetreten werden, sofern einem Philosophie irgendetwas bedeutet. Kantianische Universalisierbarkeit lautet hier ein Stichwort. Ein moralisches Argument muss seiner Natur nach universalisiert werden können. Mit anderen Worten: Die Prinzipien, die entweder explizit oder implizit im moralischen Argument enthalten sind, müssen extrahiert und dann gegen andere Szenarien getestet werden. Wenn wir emotional mit einem Szenario sympathisieren, aber vor einem anderen Szenario zurückschrecken, das genau die gleichen moralischen Prinzipien widerspiegelt, dann wissen wir, dass uns Bigotterie und nicht Rationalität fest im Griff hat. Als Folge werden alle unsere Entscheidungen katastrophal sein.

Im Hinblick auf die europäische „Flüchtlings-“ oder Migrationskrise lautet das Prinzip in etwa so: Eine Bevölkerung muss für die Unmoral ihrer Führer bestraft werden.

Das ist natürlich nicht die ganze Geschichte, aber bereits hier besteht allein aufgrund der Formulierung ein sehr großes Problem. Demnach könnte man bequemerweise auch sagen, dass alle Juden für Handlungen bestimmter jüdischer Führer bestraft werden müssen. Sollten ferner alle Muslime für die Taten bestimmter muslimischer Führer bestraft werden? Sollten alle Afroamerikaner für die Handlungen bestimmter afroamerikanischer Führer bestraft werden? Nein, natürlich nicht. Dieses Konzept der kollektiven Schuld ist weder rational noch moralisch aufrecht zu erhalten. Man muss es lediglich auf andere Gruppen anwenden und die Unmoral des Prinzips wird klar. Die Angelegenheit wird dadurch erschwert, dass Europäer ihre Führer wählen können.

Oder?

Zunächst einmal ist es wichtig, sich daran zu erinnern, dass die Bürger im Sowjet-Imperium auch für ihre Führer stimmen konnten, allerdings wird es ziemlich schwer, zu behaupten, dass der totalitäre Sowjet-Staat die tiefsten und individuellsten Präferenzen seiner Bürger widerspiegelte. Jeder vernünftige und empathische Mensch erkennt, inwieweit die in der Kindheit eingeimpfte Propaganda die praktische Umsetzung und Anwendung von Vernunft als Erwachsener einschränkt. Das ist schließlich der ganze Sinn der Propaganda. Können wir sagen, dass eine Frau, die unter Stalin lebte, eine „freiwillige Kommunistin“ war? Können wir sagen, dass ein Kind, das unter der Apartheid in Südafrika aufgewachsen ist, ein „freiwilliger Befürworter der Rassentrennung“ war? Kinder auf der ganzen Welt werden mit einer Vielzahl irrationaler Überzeugungen und Perspektiven indoktriniert. Das gilt für ganz Europa ebenso wie für den Rest der Welt.

Zweitens ist es unmöglich, die Absichten der Bevölkerung als Ganzes zu erkennen, auch in – oder gerade in einer Demokratie, und wir alle wissen, wie das dann abläuft. Politiker benötigen enorme Geldsummen, um politische Kampagnen zu finanzieren. Sie bekommen dieses Geld von denen, die in ihre zukünftige Gunst investieren wollen. Diese zukünftigen Gefallen, welche die Politiker ihren Geldgebern „garantieren“, erfolgen immer auf Kosten der allgemeinen Bevölkerung. Somit können Wähler im wahrsten Sinne des Wortes nur aus einigen wenigen, vorab „gekauften“ Gestalten wählen, die bereits die zukünftigen Freiheiten der Bürger verkauft haben. Politiker sind in keiner Form rechtlich dazu verpflichtet, ihre Versprechen (Plattitüden) zu erfüllen. Wenn Sie einen Kandidaten unterstützen, der Steuern zu senken verspricht, welche Versicherung, welchen Ersatzanspruch haben Sie, sofern er die Steuern stattdessen erhöht (wie es permanent geschah und geschieht)? Was werden Sie tun?

Wähler, die einen Kandidaten unterstützen, der beispielsweise den Friedensnobelpreis erhält und dann wiederholt katastrophale Militäraktionen initiiert, haben keine praktische Möglichkeit, ihn aufzuhalten. Nun sagen nicht wenige, die Flüchtlingskrise sei ein „logischer“ oder „gerechtfertigter“ Vergeltungsschlag für die Beteiligung Europas an der Invasion des Iraks im Jahr 2003. Hierbei muss daran erinnert werden, dass im Vorfeld der Irak-Invasion in ganz Europa bei weitem die größten Antikriegsproteste in der gesamten Geschichte der Menschheit ausbrachen. Buchstäblich Millionen europäischer Bürger missbilligten die Militärinterventionen im Irak und äußerten energisch ihren Unmut. Mit welchen Folgen? Die Invasion wurde nicht nur nicht beendet, sondern ging weiter, als hätte sich auf den Straßen „des Westens” nichts zugetragen.

In modernen Demokratien werden Parteien fast nie mit Mehrheitsbewilligung gewählt. Oft stimmen weniger als die Hälfte der Wähler tatsächlich und so kann die Zustimmung der Führer in der Regel nur etwa 10, 20, vielleicht 25 Prozent der wahlberechtigten Bevölkerung zugeschrieben werden. Hier ein weiteres Beispiel: Nur 31 Prozent der Afroamerikaner befürworten den Slogan „Black Lives Matter“. (Die meisten unter ihnen würden lieber hören, dass „all lives matter.“) Ist es fair, die Bestrafung aller Afroamerikaner für irgendwelche negativen Folgen dieser Bewegung zu verlangen? Natürlich nicht. Nur eine Minderheit befürwortet eine bestimmte Sache. (Selbst wenn sie eine Mehrheit befürworten würde, gibt es keinerlei ethisch-moralisches Recht, sie allen aufzuzwingen.) Wenn man an diesem Karma-Ding teilnimmt, muss man sich eine sehr tiefe und wichtige Frage stellen: Hat die europäische Bevölkerung bzw. haben die europäischen Völker tatsächlichen Einfluss, geschweige denn eine wirkliche Kontrolle über die Außenpolitik ihrer Führer?

Was müsste die europäische Bevölkerung tun, um den Militarismus und den permanenten Staatsinterventionismus ihrer Führer in das ausschließlich ohne Zwangsstaat reibungslos laufende, volkswirtschaftliche Getriebe zur Erzeugung größtmöglichen Wohlstands zu verhindern? Flächendeckende Proteste haben offensichtlich nichts an der Invasion des Iraks geändert. Sollte es eine Steuerrevolte gegeben haben? Sollen sich Leute selbst in Brand setzen? Ich darf hier „aus Gründen“ keine „Illegalität“ befürworten, aber wenn wir sagen, dass Europäer kollektiv aufhören sollten, Steuern zu zahlen, um die Außenpolitik ihrer Führer zu ändern, dann müssten wir ebenso sagen, dass Sklaven für ihre Sklaverei verantwortlich waren, weil sie nie gestreikt haben; und natürlich werden durch Einkommenssteuern in Europa (wie an den meisten Orten im Westen) die gewichtigsten Steuern direkt an der „Quelle des Wohlstands“ abgezogen, die die Auswirkungen einer solchen Steuerrevolte egalisieren. Nichtsdestotrotz halte ich den Entzug der eigenen Arbeitsleistung und damit den Entzug finanzieller Mittel, sofern irgendwie möglich, für den effektivsten, ehrlichsten und im Übrigen auch würdevollsten Weg, sich dem grassierenden EU-Irrsinn entgegenzustellen. Pseudolegitimierte Führer interessieren sich nicht die Bohne für irgendwelche Demonstrationen, Petitionen, Wahlen und andere Bettelaktionen. Nur das Versiegen des zwangsabgepressten Geldstroms hätte konkrete Auswirkungen.

Freilich, wenn alle Europäer ihre Steuern nicht mehr zahlen würden, würde sich zweifellos die Außenpolitik ändern, aber natürlich hätte sich die Sklaverei ebenso verändert, wenn die Sklaven nicht mehr gearbeitet hätten. Sicherlich können wir Verständnis dafür aufbringen, dass der Ungehorsam der Sklaven enorm negative (physische) Auswirkungen auf sie gehabt hätte, sofern sie alle auf dieselbe Weise gestreikt hätten.

Europäer können nicht direkt für die Außenpolitik ihrer Führer verantwortlich gemacht werden. Selbst wenn jeder Bürger in Europa einen bestimmten Politiker in seinem Land befürwortet hätte, bedeutete eine solche Zustimmung keine vorbehaltlose Zustimmung aller möglichen Aktionen, die der jeweilige Politiker ergreifen könnte. Politik – welche auch immer – bedeutet immer ein Pauschalangebot, welches stets mit einer erheblichen Menge unappetitlicher Inhalte verbunden ist. Man könnte für einen Politiker stimmen, der verspricht, keine Kriege zu führen – Kriege führen im Übrigen ausschließlich Staaten, da sie diese im Vergleich zum Privatsektor durch Besteuerung und Gelddruck finanzieren können –, während sein Versprechen, die Steuern zu erhöhen, nicht gebilligt wird. In diesem Fall wäre die individuelle Präferenz in Form der Vermeidung von Krieg wichtiger als die Besteuerung. Es gibt keinen rationalen Weg, anzunehmen, dass, selbst wenn jeder im Land für einen bestimmten Kandidaten stimmte, er auch jeden der aktuellen und zukünftigen politischen Vorschläge oder Aktionen guthieße. Das wäre so, als würde man sagen: „Ok, du mochtest das griechische Restaurant an der Ecke richtig gern, allerdings wurde es verkauft und jetzt ist es ein mexikanisches, von daher gehe ich davon aus, dass du es genauso magst.“ Dinge ändern sich und es kann niemals garantiert werden, alles gutzuheißen bzw. zu „genehmigen“. Abgesehen davon stimmen Bürger auch gegen Politiker X, indem Sie für Politiker Y stimmen, wobei es mehr um eine Ablehnung von X denn um eine Stimme für Y (oder eine spezielle Präferenz) gehen mag.

Es ist darüber hinaus ziemlich schwer, eine Bevölkerung dafür zu kritisieren, dass sie zu keinen vernünftigen Schlussfolgerungen gelangt, wenn die öffentliche Debatte aktiv zensiert wird. Zum Beispiel wird jedwede Skepsis – ist sie auch noch so neutral und faktenbasiert – gegenüber einer offen feindseligen Kultur in Europa allgemein mit unterschiedlich feigen Keulen übersät: Kritiker seien „Hetzer“, „Nazis“, „fremdenfeindlich“, „rassistisch“, „islamophob”, „sexistisch“ usw. usf. Die sogenannten Mainstream-Medien haben diesbezüglich den Schuss nicht gehört und seit langem ihren ethisch-moralischen Tiefpunkt erreicht. So verraten sie mehr und mehr ihren eigentlichen Auftrag, nämlich systemkritisch zu sein, und praktizieren stattdessen die völlig unriskante und bequeme (Unrechts-)Systemanbiederung – hängen sich hierfür allerdings auch noch gegenseitig Lametta ans Revers.

Systemmedien beschworen nach zwölf Jahren Nazi-Terror noch im Frühjahr 1945 den „Endsieg“ eines ethisch-moralisch zutiefst verdorbenen, mörderischen Systems. 1989 unterstützten sie ebenso kurz vor dem Zusammenbruch – dieses Mal nach knapp 40 Jahren – die Realitätsverweigerung des nächsten verkommenen Unrechtssystems auf deutschem Boden. Heute sind es wiederum zwölf Jahre, allerdings wurde die sich stetig im Kreis drehende Medien-Propaganda im Jahr 2018 kurzerhand „bunt” angemalt, um mittels „neuer“ Etikettierung ungeniert die nächste Schattierung kollektivistisch geprägter Durchhalteparolen zu zelebrieren. Ein Großteil des Volkes lässt sich traditionsgemäß wie zu allen Zeiten an der Nase herumführen, was dieses Mal vor allem darin begründet liegt, dass, im Vergleich zu 1945, die (insbesondere irreversiblen, ökonomischen) Schäden äußerlich nicht sichtbar sind. „Brot und Spiele“ tun ihr Übriges.

Die mediale Hexenjagd innerhalb des Westens mutet bizarr an. Zu sehen, wie infantile Hysterie als Ersatz für ausgewogene und faire Debatten fungiert, macht einen sprachlos. Kritiker verlieren nicht nur ihre Arbeit, ihr Einkommen, ihren Ruf, nein, bisweilen sogar ihre Gesundheit und Familien. Wegen der „falschen“ Meinung.

Können wir die europäische Bevölkerung des 16. Jahrhunderts dafür verantwortlich machen, dass sie glaubten, die Erde sei das Zentrum des Universums, als eine vernünftige Debatte über diese Angelegenheit erstickt und bestraft wurde? Natürlich nicht. Wenn es um außenpolitische Interventionen geht, ist es wichtig zu verstehen, dass eine Reihe von Ländern des Nahen Ostens (Saudi-Arabien, Katar etc.) Waffen und Geld an verschiedene Fraktionen in Syrien geliefert hat, aber nirgendwo in westlichen, insbesondere deutschen Mainstream-Medien hört man das Argument, dass beispielsweise Saudi-Arabien gezwungen werden sollte, Flüchtlinge als Quittung für seine Außenpolitik zu akzeptieren, obwohl sie über hunderttausende, klimatisierte Zelte zum Zwecke der Pilgerfahrt nach Mekka verfügen, bereit, um von Syrern (zu 74% Glaubensbrüder) bezogen zu werden. Natürlich wurde – für diejenigen, die sich an den Krieg gegen den Irak erinnern – die Invasion an die gesamte Bevölkerung verkauft, insbesondere an die amerikanische, wobei sich eine Vielzahl von Lügen offenbart hatte:

„Wir wissen sicher von Massenvernichtungswaffen.“ – „Er [Saddam Hussein] versuchte, Zutaten zum Bauen von Atomwaffen zu kaufen.“ – „Er hat sich al-Qaida angeschlossen.“ – „Er ist in den 11. September verwickelt.“

Kurzum: Eine Unmenge von Unwahrheiten wurde bewusst gestreut. Ein Grundsatz des vernünftigen und anständigen „Gewohnheitsrechts“ besagt, dass hierbei der unschuldige Empfänger von schlechten Informationen nicht verantwortlich zu machen ist. Der Lügner ist rechtlich oder moralisch verantwortlich und zur Rechenschaft zu ziehen. Man bedenke auch, dass es trotz aller Anti-Kriegs-Proteste nach wie vor viele Lügen gibt, die genutzt werden, um der einheimischen Bevölkerung Kriege und Interventionen im Ausland schmackhaft zu machen. Erinnern Sie sich an Condoleezza Rices berühmte Aussage:

„Das Problem liegt doch darin, dass wir einfach nicht sicher sein können, wie schnell er [Saddam Hussein] in den Besitz von Nuklearwaffen kommen kann. Aber wir wollen nicht, dass der endgültige Beweis in Gestalt einer atomaren Pilzwolke auftaucht.“

Etatisten hatten behauptet, Massenvernichtungswaffen könnten vom Irak zum amerikanischen Festland geschickt werden, was natürlich falsch war. Wer ist also verantwortlich? Wer wird darunter leiden? Allesamt moralische Fragen, die eigentlich nicht sonderlich schwer zu beantworten sind.

Zweifellos wird auch die Qualität der Bildung für ein durchschnittliches europäisches Kind durch die Migrationskrise deutlich reduziert. Es gibt nur begrenzte Ressourcen für Bildung, und der Grad, in dem diese „unvermeidlich” und „alternativlos” für die Behandlung „multi-”lingualer und „multi-“kultureller Probleme umgeleitet werden, ist der Grad, in dem den einheimischen Kindern weniger Ressourcen zur Verfügung stehen. Je mehr Übersetzer und Sozialarbeiter, desto weniger Lehrer. Wenn es viele junge (und später ältere) Menschen gibt, die die Sprache nicht sprechen, die keinen gemeinsamen Background haben, die in einer vollkommen anderen (bisweilen prähistorisch anmutenden) Umgebung aufgewachsen sind, die im Schnitt unintelligenter und ungeschulter sind als die „länger hier Lebenden“, muss bei einer von oben diktierten „Wir-schaffen-das“-Agenda viel Zeit und Aufmerksamkeit in diese Neuankömmlinge investiert werden, und das geht zwangsläufig auf Kosten der Fortschritte der einheimischen Kinder. Ist es gerecht, die Kinder Europas für das unaufhaltsame Handeln ihrer Eltern zu bestrafen? Um diese Frage mit „Ja“ zu beantworten, muss man moralische Verantwortung schon gewaltig „dehnen“.

Von daher werden perfide Einbahnstraßen-Tricks angewendet:

„Natürlich, ist doch die westliche Bombardierung Schuld daran! Westliche Bombardierungen haben so viele Menschen getötet!“

Hier ist es an der Zeit, die Zahlen nachzuschlagen. Hat „die“ westliche Bombardierung viele Menschen getötet? Nun, ja und nein. Weniger als ein Zehntel eines Prozents der in Syrien Getöteten wurde (versehentlich) als Folge von westlichen Drohnenangriffen oder Bomben getötet. Westliche Drohnen- und Bombenangriffe haben jedoch auch allein im Jahre 2015 über 15.000 Isis-Kämpfer getötet. Hierbei stellt sich eine interessante Frage: Hätten diese Isis-Kämpfer überlebt, wie viele Syrer und Iraker hätten sie getötet? Insgesamt wurden zur selben Zeit über 250.000 Syrer im hiesigen Bürgerkrieg getötet. Rund 200 davon durch westliche Bomben, die, wie gesagt, sehr wahrscheinlich tausende syrische Leben gerettet hatten, indem sie Isis-Kämpfer beseitigten. Wer tötet also Syrer? Jedenfalls nicht maßgeblich „westliche Bomben“. Viele Syrer sind Opfer der hiesigen Diktatur in ihrem Land, viele sind Opfer von Isis-Kämpfern und anderen Radikalen. Fakt ist: Es sind keine westlichen Bomben, die die große Mehrheit der Syrer töteten und töten, was westliche Systemmedien nicht daran hindert, das selbstgeißelnde Narrativ von der  maßgeblichen Schuld des Westens am Leid in der Welt aufrechtzuerhalten. (Wohl eines jener unzähligen Beispiele dieses „White Privilege“-Dings…)

Wenn es darum geht, den Grad der Kontrolle, den die Bürger über ihre Führer haben, zu verstehen, muss man sich an die Präsenz und Konsequenzen von Zentralbank- bzw. Fiat-Währungen erinnern. Das Zentralbankwesen profitiert weitgehend von privaten Gewinnen, aber die von Staaten regulierten und kontrollierten Banken schaffen die Währung. Die Währung ist dabei weder an Gold noch Öl oder irgendwelche Rohstoffe gebunden, das heißt sie ist nicht in der Art beschränkt, wie es beispielsweise Kryptowährungen wie Bitcoin sind. Es handelt sich um künstlich aus dem Nichts geschaffenes „Geld“. Die kriminellen Verantwortlichen können folglich alle möglichen Beträge ihren eigenen Bankkonten zuschreiben, das Ergebnis sehen wir schließlich in ökonomischer Hinsicht anhand von sogenannten „Booms and Busts“, permanent steigender Inflation sowie ungedeckten Verbindlichkeiten in Milliarden- und Billionenhöhe. (Dieser ausschließlich auf Staatswüten gedeihende und sich immer und immer wieder zyklisch wiederholende Irrsinn wird im Zeitalter der Entklärung sodann als Auswuchs oder Folge „des Kapitalismus“ umgelogen, um staatliche Misswirtschaft vor den Augen des zu weiten Teilen ahnungslosen Bürgertums erfolgreich zu kaschieren und irgendwelchen „raffgierigen Unternehmen” unterzuschieben.)

So haben die Präsenz des brandgefährlichen Zentralbanksystems sowie die Möglichkeit der Regierungen, auf ihre eigenen Bankkonten zu schreiben, was immer sie wollen, wesentliche Elemente der Entscheidungsfindung für die europäische Bevölkerung beseitigt. Die Entscheidungen, die sich nur auf darauf konzentrier(t)en, in Ländern des Nahen und Mittleren Ostens zu intervenieren, haben Europa und den Westen Hunderte von Milliarden Dollars und Euros gekostet. Allerdings werden diese Machenschaften wegen des Ignorierens ökonomisch grundlegender Gesetze, aufgrund der exorbitanten Kreditexpansion und des Gelddrucks, aufgrund versteckter Steuern durch Inflation, aufgrund der Aufschiebung der Besteuerung (Staatsanleihen) versteckt und begraben bzw. für den gemeinen Bürger nicht ersichtlich.

Mit anderen Worten: Die europäische Bevölkerung hatte nicht die dringend notwendigen (marktwirtschaftlichen) Preissignale à la „Wie viel kostet es uns, in diesen Ländern zu intervenieren?“ Ohne diese Preissignale, ohne das direkte Bemerken von erhöhten und stetig steigenden Steuern, können die Bürger keine vernünftigen Entscheidungen hinsichtlich des Wertes dieser Art von Interventionen treffen. Um ein Beispiel zu nennen: Allein die Kriege gegen den Irak und Afghanistan haben jeden amerikanischen Haushalt über 75.000 Dollar gekostet, nur wurde noch nie eine offizielle Rechnung geschickt. Keine Steuern wurden direkt erhoben, um diese Kosten zu decken, weil die „Federal Reserve“ das Geld kurzerhand druckt, um den Krieg zu bezahlen, was wiederum zu bereits genannten Effekten wie finanzieller Instabilität, „Booms und Busts“ sowie Inflation führt, aber auch zu Arbeitslosigkeit und Problemen auf dem Wohnungsmarkt, um nur einige zu nennen. Und es gibt nicht eine Person aus tausend, die die Kausalität aufspüren und nachvollziehen vermag.

Kann man demnach tatsächlich erwarten, dass der durchschnittliche Bürger eine „gefährliche” Haltung gegenüber politischen Maßnahmen einnimmt? Politische Maßnahmen, die er nicht ändern kann und die scheinbar auch „nichts” kosten? Eines der Hauptziele der staatlichen Fiat-Währung besteht darin, die Menschen von den Kosten destruktiver Politik zu trennen, so dass die Politiker nicht direkt Steuern erheben müssen, um ihre Agenda zu verfolgen. Gleichermaßen wird so der Widerstand der Bürger im Keim erstickt bzw. betäubt.

Wird man wütend, wenn ein Epileptiker während eines Anfalls Kaffee verschüttet? Die europäische Bevölkerung hat weniger Kontrolle über ihre Führer als sie ein Epileptiker über seine Gliedmaßen hat. Will man also damit beginnen, Europäer oder überhaupt irgendjemanden kollektiv zu verurteilen?

Wollen Sie wissen, was Europäer über die Migrationskrise denken, so könnten acht Schritte in Erwägung gezogen werden, wobei womöglich vor allem der letzte interessant werden dürfte.

1. Ein anonymes Referendum über die Migrationskrise (hätte freilich bereits vor Jahren abgehalten werden müssen).

2. Die tatsächlichen Kosten für die Unterbringung und Verpflegung der Migranten (im Jahr 2017: 20.800.000.000 Euro) müssten zu den Steuerrechnungen addiert werden, allerdings nur bei denjenigen, die die Unterbringung und Verpflegung der Migranten genehmigt haben. Es müsste also verkündet werden: „Es wird ein anonymes Referendum geben. Wenn sich genügend Menschen finden, die sich für die individuelle Unterstützung der Migranten aussprechen, lassen wir die Befürworter anschließend mit ihren Namen unterschreiben. Daraufhin bekommen auch nur diese sämtliche Rechnungen, während diejenigen, die dagegen stimmten, keine Rechnungen erhalten.“

Noch kürzer formuliert lautet die Quintessenz von Punkt 2: Leute haben mit ihrem eigenen Geld Entscheidungen zu treffen. Denn nichts ist einfacher, sich auf einen destruktiven Berg gesellschaftsklempnerischer Realitätsverweigerung zu stellen und die ganze Welt in vermeintlich moralische Perfektion zu versetzen, wenn andere Menschen dafür bezahlen müssen. Oder um es mit den Worten Murray Rothbards auszudrücken:

„Es ist einfach, offenkundig ‚solidarisch‘ zu sein, wenn andere gezwungen sind, die Kosten zu tragen.“ („It is easy to be conspicuously compassionate if others are being forced to pay the cost.”)

3. Seit Jahren gibt es No-Go-Zonen in „bestimmten” Ländern Europas (Frankreich, Deutschland, Großbritannien, Schweden), in die sich selbst die Polizei kaum noch hineinwagt. Diese sind vor allem „Migrantengemeinschaften“. Auf der Grundlage der bestehenden No-Go-Zonen, die in ganz Europa verstreut sind, müssen diese No-Go-Zonen mit der neuen Bevölkerung multipliziert werden, so dass die Europäer eindeutig darüber im Bilde sind, mit wie vielen Gebietsverlusten sie aufgrund von „Umsiedlungen“ dauerhaft rechnen müssen. Wie gesagt: No-Go-Zonen, vor denen sich die Polizei fürchtet, und wo die lokalen Gesetze kaum gelten. Man müsste dies nur öffentlich und flächendeckend sagen, beispielsweise anhand einer Karte, basierend auf Einwanderern, basierend auf dem, was bisher passiert ist, wie viel von der ursprünglichen Bevölkerung wahrscheinlich dauerhaft verloren gehen wird. Diese Migrantensiedlungen zeigen den Menschen wieder die Fakten.

4. Die ungeschönten Fakten über die Kriminalität von Zuwanderern (siehe auch hier und hier und hier und hier) und insbesondere die Statistiken über die exorbitant ansteigende Zahl von Vergewaltigungen, die sich bereits ab September 2015 abzeichneten, müssten in den Medien umfassend verbreitet werden. Bürger müssen die ungeschönten, ungefilterten Fakten haben, bevor sie entscheiden, ob und welche Menschen in ihr Land kommen. Wenn Sie in Ihrem Betrieb jemanden einstellen, ist ein Hintergrund-Check etwas völlig Normales. Die Regierung verlangt es sicherlich, wenn Sie mit delikaten Angelegenheiten arbeitstechnisch vertraut gemacht werden sollen, also verkünde man einfach die Fakten. Fakten, die im Moment aktiv verbogen und/oder unterdrückt werden, was jedem im Grunde bereits alles sagen sollte, was man wissen muss.

5. Hexenjagden gegen jeden, der Zweifel an dem Wert von afrikanischer und nahöstlicher Massenmigration nach Europa äußert, müssen aufhören. Wahre Meinungsfreiheit, offene und sachliche Debatten müssen wiederhergestellt werden. Wenn „Multi-“Kulturalismus solch ein großer Wert ist, dann müssen alle, sogar die Skeptiker eine Stimme haben. Man kann nicht „Multikulturalismus ist ein Wert!“ skandieren und anschließend „Haltet die Klappe!“ in Richtung aller skeptischen Stimmen schreien, die Bedenken äußern. Das ist kein Multikulturalismus, sondern eine Form des Totalitarismus – also habe man endlich eine offene, respektvolle und ehrliche Debatte darüber, was in einem Europa, das bereits seit jeher ungekünstelt multikulturell war, vor sich geht.

6. Um diejenigen, die vor der Unterdrückung fliehen, von denjenigen zu unterscheiden, die lediglich auf „Sozial”-Hilfe aus sind, müsste ein Moratorium für „Sozial”-Leistungen für Migranten erlassen werden, da einige Menschen vor Konflikten fliehen. Viele „Flüchtende“, die beschließen, Camps, zum Beispiel in der Türkei, zu verlassen, sind oftmals sowohl sicher als auch gepflegt, wollen aber dennoch nach Europa kommen. Nicht wenige „fliehen“ sodann durch europäische Länder mit niedrigeren „Sozial”-Leistungen, um in Staaten mit höheren zu gelangen. Streiche man also sämtliche „Sozial“-Leistungen, um herauszufinden, wer reinkommt und wer es mit Selbstbestimmung, Fleiß und Anpassung wirklich ernst meint.

7. Diejenigen, die den Migranten helfen wollen, müssen sie finanziell und rechtlich unterstützen und sich in ihren eigenen Häusern, Wohnungen und Appartements mit ihnen arrangieren. Wer die Migranten will, glaubt an die Werte der „Viel“falt und des „Multi-“Kulturalismus. Wohltätigkeit und Integrität beginnen zu Hause, deshalb richten diejenigen eine Gruppe junger syrischer Männer in ihren eigenen Räumlichkeiten auf und sind finanziell und rechtlich für ihre aktuellen und zukünftigen Entscheidungen verantwortlich. Das ist die ehrlichste und moralisch einzig widerspruchsfreie Möglichkeit, zu helfen.

8. Für diejenigen, die dazu beitragen, die Ängste und Sorgen derer zu zerstreuen, die sich Sorgen über das Wachstum und die Ausbreitung der No-Go-Zonen in „bestimmten“ Teilen Europas machen, gibt es einiges zu tun. Ich wende mich hierbei vor allem an „bestimmte“ europäische Staats- und Regierungschefs (richtig gehört, Angela Merkel!): Sie müssen allesamt Ihre persönliche Security, sprich bewaffnete Bodyguards, Scharfschützen etc. aussetzen und anonym für mindestens ein paar Wochen in den o.g. No-Go-Zonen leben. Bürger haben Angst vor diesen Zonen, sie haben Angst vor der Insellage diverser Migranten, also gehen und beweisen Sie, dass alle „Angstbürger”, „Dunkelbürger”, „Wutbüger” (und welche weiteren Strohmann-Schmähungen Systemmedien auch immer für normale Leute in petto haben mögen) falsch liegen.

Setzen Sie Ihre persönliche Security bis auf Weiteres aus und leben Sie für ein paar Wochen in diesen No-Go-Zonen. Sie sollen dabei „Bodycams” tragen, die automatisch Live-Filmmaterial ins Internet hochladen, so dass jeder sehen kann, wie gut oder schlecht es Ihnen als westlicher Frau, als westlichem Mann ergeht. Und natürlich tragen Sie Ihre gewöhnliche Kleidung, sprich kleiden Sie sich so, wie Sie sich (vor allem im Sommer) normalerweise kleiden: Luftig, leger, T-Shirts, Shorts, Kleid, Rock, was auch immer. Wenn die europäischen Staats- und Regierungschefs an die Tugend ihres Handelns glauben und daran, wie gut sich alle ungeachtet von Durchschnitts-IQ und Kultur integrieren, sollten sie kein Problem damit haben, in diesen Vielfalts-Zonen zu leben und der ganzen Welt, insbesondere den „gefährlichen“ europäischen Skeptikern zu zeigen, wie kulturelle Bereicherung wirklich aussieht. – Nah und persönlich.

Wenn Sie, werte Politiker und Prominente, diese Migranten wollen, die in Ihr Land kommen und darin leben, dann sollten Sie sich wenigstens direkt unter Sie gesellen, um allen Skeptikern zu zeigen, wie falsch sie liegen und wie gut sich alles entwickeln wird. Ich wiederhole also die Einladung entsprechend für alle europäischen Führer und Promis: Verzichten Sie auf Ihre Security, verlassen sie Ihre abgeriegelte Komfortzone, gehen Sie meinetwegen verkleidet, besorgen Sie sich „Bodycams“, sorgen Sie für „live uploads“, gehen und leben Sie in den No-Go-Zonen. Gehen Sie dort spazieren, beschäftigen Sie sich mit anderen westlich gekleideten Menschen, enthüllen Sie Ihre westlichen Werte und beobachten Sie, was passiert. Vielleicht können alle „unbegründeten” Ängste auf diese Weise abgemildert oder gar beseitigt werden, vielleicht werden Sie ja sogar eine wundervolle Zeit haben, doch wenn Sie all das nicht machen (wollen), sind Sie nichts weiter als heuchlerische Doppelmoralisten. Um genau zu sein: Jeder, der das nicht tun will, ist ein heuchlerischer Doppelmoralist.

Natürlich geschah bisher nichts davon und es wird auch in Zukunft nichts dergleichen geschehen. Nicht nur zufällig leben die pseudo-tugendhaftesten, jedoch lautesten Polit- und Promi-Schreihälse in abgeschotteten, sicheren, vor allem aber in den „weißesten“ Bezirken ihrer westlichen Städte, von wo aus sie sich erdreisten, Normalsterblichen allerlei „Wir-müssen“-Pflichten gegenüber Migranten zu diktieren.

Europäer und insbesondere europäische Kinder sind in keiner Weise für die kriminellen Machenschaften irgendwelcher Polit-Führer verantwortlich. Anderes zu behaupten, bedeutete, einen unendlich höheren Standard für Europäer zu hegen als für jede andere ethnische Gruppe. Das ist sowohl (tatsächlich) rassistisch als auch unmoralisch. Wenn nur Europäer für die Aktionen „ihrer“ Führer verantwortlich sind und niemand sonst auf der Welt, dann wurden die moralischen Standards für Europäer erhöht beziehungsweise für alle anderen herabgestuft. Nochmal: Das ist rassistisch gegenüber Europäern, aber auch gegenüber allen anderen, wenn man eine Minute in Ruhe darüber nachdenkt.

Überhaupt muss mit einigen Argumenten aufgeräumt werden. Insbesondere mit dem „Rückstoß-“ oder (vermeintlich logisch-gerechten) „Vergeltungsargument“, oder wie auch immer man das Argument nennen möchte, wonach die Europäer afrikanische und nahöstliche „Flüchtlinge“ aufnehmen müssen, weil „der Westen“ deren Länder bombardiert und destabilisiert habe. Es scheitert neben dem obigen Punkt noch auf anderen Ebenen.

Nehmen wir an, es stimme, dass „Europa“ (und hierbei vor allem Deutschland, ungeachtet der Falschheit einer solchen Behauptung) den Nahen Osten bis zu dem Punkt bombardiert habe, an dem ganze Gesellschaften zerstört wurden. Das würde bedeuten, dass sich dieses Europa im Kriegszustand mit dem Nahen Osten befindet. Wenn genug Bomben auf ein anderes Land abgeworfen werden, sodass die dortige Gesellschaft zerstört wird und man zum größten Teil völlig allein dafür verantwortlich ist, befindet man sich faktisch in einem Kriegszustand mit diesem Land. Freilich, wenn das der Fall ist, könnten wir uns theoretisch vernünftig über die Ursprünge einer derartigen Situation unterhalten, aber darum geht es jetzt nicht. Der Punkt ist der: Kein Land in der Geschichte hat jemals rational Hunderttausende und Millionen von jungen, arbeitsfähigen Männern aus einer Region akzeptiert, mit der es zum selben Zeitpunkt Krieg führte. England stand einst im Krieg mit Deutschland. Hätten Hunderttausende von jungen deutschen Männern versucht, England illegal zu infiltrieren, wäre dies als Invasion bezeichnet worden (und würde es noch heute) und wäre folglich auf starken Widerstand gestoßen. Wenn Israel während eines Krieges mit seinen benachbarten arabischen Staaten Hunderttausende militärisch gealterter arabischer Männer aufgenommen hätte, letztere folglich die Grenze nach Israel überquert hätten, wäre dies ebenso als eine Invasion angesehen und dementsprechend darauf reagiert worden.

Wenn das Argument lautet, dass Europa diese Länder zerstört habe, dann gibt es einen Kriegszustand zwischen Europa und diesen Ländern, was bedeutet, dass das Argument, Europa müsse Flüchtlinge aus Regionen aufnehmen, wo sich der Krieg befindet, völlig irrational ist. Selbstverständlich versucht dieses Gegenargument nicht, Bombardierungen auf Syrien, den Irak oder irgendein anderes Land zu rechtfertigen. Es betont schlichtweg die natürlichen Folgen eines Krieges. Und ja, eine Folge davon lautet tatsächlich, nicht hunderttausende junge Männer aus der Region zu importieren, mit der man sich im Kriegszustand befindet. Wenn versucht wird, diesen Widerspruch zu lösen, indem man sagt, Europa befinde sich derzeit nicht im Krieg mit dem Nahen Osten, dann gibt es immer noch keinen vernünftigen Grund, „Flüchtlinge“ aufzunehmen. Es spielt hierbei eine große Rolle, wer sich zu welchem Grad im Krieg engagiert bzw. involviert ist, denn es gibt sehr viele Länder, die derzeit keinen Krieg mit dem Nahen Osten führen. Warum sollte also ausgerechnet Europa alle „Flüchtlinge“ aufnehmen? Es macht keinen Sinn.

Wie aber sieht es mit „ausländischen Interventionen“ aus? Nun, während des Zweiten Weltkriegs lieferten Saudi-Arabien und andere Länder des Nahen Ostens Öl an die Deutschen. Bedeutet dies, dass Saudi-Arabien dafür verantwortlich zu machen war (und ist), dass Millionen von Europäern während des Zweiten Weltkriegs flohen? Amerika tätigte enorme Ausgaben, um wiederum England mit gewaltigem Kriegsmaterial versorgen zu können (siehe „Leih- und Pachtgesetz“ 1941). Bedeutet das, dass Amerika Millionen von jungen japanischen Männern im besten Militäralter nach den Vorkommnissen von Pearl Harbor importiert haben hätte sollen, um die Interventionen wieder gut zu machen? Wiederum bleibt nur zu sagen: Es macht keinen Sinn.

Wenn also Europa für den Zusammenbruch der Gesellschaften des Nahen Ostens verantwortlich ist, dann führen Europa und der Nahe Osten Krieg, und Flüchtlinge aus diesem Krieg können nicht empfangen werden. Wenn Europa jedoch nicht für den Zusammenbruch der Gesellschaften des Nahen Ostens verantwortlich ist, ist Europa nicht verpflichtet, Flüchtlinge aus einem Bürgerkrieg aufzunehmen. Es wäre quasi die gleiche Situation wie während des Bürgerkrieges in den Vereinigten Staaten im 19. Jahrhundert. Hätte Mexiko gezwungen werden sollen, diejenigen jungen Männer zu akzeptieren, die vor dem Konflikt flohen?

Nun könnte man das Argument natürlich verfeinern und beispielsweise sagen, dass sich „Europa“ derzeit zwar nicht im Krieg mit „dem” Nahen Osten befinde, „der” Westen jedoch eine Politik eingeleitet hatte, die unabsichtlich zum Zusammenbruch der Gesellschaften „des” Nahen Ostens führte und somit verpflichtet sei, Flüchtlinge aufzunehmen. Nach westlichen Maßstäben – mit Ausnahme von Israel – sind die Regierungen des Nahen Ostens im Allgemeinen despotisch und totalitär. Das Ziel des Arabischen Frühlings in vielen Ländern des Nahen Ostens und Nordafrikas bestand darin, evolutionäre oder revolutionäre Veränderungen in ihren Regierungen herbeizuführen. Wenn „der” Westen dazu beitragen würde, despotische Regimes zu stürzen, könnte man argumentieren, dass dies eine potentiell befreiende Gelegenheit für die leidgeprüften Völker des Nahen Ostens und Nordafrika schuf.

Hier eine historische Analogie: Frankreich hatte den amerikanischen Revolutionären im 18. Jahrhundert, als die britische Herrschaft überwunden werden sollte, im Kampf gegen eben diese britische Herrschaft eine bedeutende Unterstützung erwiesen. Amerika war daraufhin jedoch nicht in vormittelalterliche Barbarei verfallen. Das Ende eines despotischen Regimes bedeutet nicht automatisch einen wilden und mörderischen Bürgerkrieg. Viele der Revolutionäre während des Arabischen Frühlings wünschten sich Veränderungen in der Regierung. Die Möglichkeiten hierfür wurden zu einem gewissen Grad auch „vom Westen” zur Verfügung gestellt. Was danach geschehen war, war und ist nicht mehr die Schuld „der” Westmächte – schon gar nicht direkt. Wenn Ihr Haus brennt, Sie mich um Hilfe anbetteln, um das Feuer zu löschen, und ich Ihnen dabei helfe, endet meine „Verpflichtung“ dort. Wenn Sie Ihr Haus anschließend wieder anzünden, gibt Ihnen das nicht das Recht, mietfrei in meinem Haus zu wohnen.

Ach, könnte man sagen, aber was ist, wenn „die europäische Einmischung“ den Zusammenbruch jener Regierungen versehentlich verursacht habe? Macht das Europa verantwortlich für die Aufnahme aller Flüchtlinge? Hierbei muss man sich im Klaren darüber sein, dass es eine grundlegende Tatsache ist, dass die meisten Kriege im Laufe der Geschichte „versehentlich“, durch „Unfälle“, durch Inkompetenz oder durch Fehler ins Rollen gerieten.

Einer Legende nach begann einer der Kriege in der antiken Welt, weil ein Soldat eine Schlange angriff, die kurz davor war, in sein Bein zu beißen. Die feindliche Armee registrierte die Lichtreflexion auf seinem Schwert und „los” ging es. In der Regel ist ein Krieg vorab nicht bis ins letzte Detail geplant, sondern entsteht oft aus Verwirrung und Missverständnissen hitziger, etatistischer Gemüter mit moralisch nicht zu rechtfertigender Macht, um es vorsichtig auszudrücken. Den Ausdruck „Nebel des Krieges“ gibt es aus einem guten Grund. Interessant wird es auch dann, wenn Leute einerseits sagen, europäische und westliche Regierungen seien so dermaßen inkompetent bei dem Versuch, Frieden und Freiheit in den Nahen Osten zu bringen, dass sie letzteren in ein rauchendes Höllenloch des Bürgerkriegs transformiert hätten. Andererseits werden dann aber dieselben Regierungen, die für so destruktiv und inkompetent gehalten werden, weiterhin mit der Beilegung unsäglicher Konflikte sowie mit der Integration dieser neuen Migranten beauftragt. Werden sie also plötzlich viel kompetenter sein?

Das Argument, dass soziale oder politische Destabilisierung automatisch zu einem brutalen Bürgerkrieg führt, hebt den freien Willen und die moralische Verantwortung der Menschen in der jeweiligen Region auf. Araber sind keine Dominosteine, die gedankenlos von der westlichen Außenpolitik umgestoßen werden. Sicher und guten Gewissens kann argumentiert werden, dass erwachsene arabische Männer in moralischer Hinsicht zumindest „etwas“ mehr für das, was in ihren Gesellschaften passiert, verantwortlich sind als – sagen wir – europäische Kinder!

Natürlich ziehen es auch viele junge Araber vor, in Europa zu leben, wobei „Europa“ sie heute nur wegen der einstmals hart erkämpften Trennung von Kirche und Staat, einer halbwegs freien Wirtschaft sowie einer (ursprünglich) begrenzten Demokratie aufnimmt bzw. aufnehmen kann. Natürlich sind sich viele Araber dieser Werte bewusst. Selbst haben sie intellektuell jedoch nicht dafür gekämpft, diese befreienden Werte in ihren eigenen Ländern zu verbreiten, trotz des mehrere Jahrhunderte andauernden Beispiels „nebenan“ in Europa und trotz eines Internets, das die Kommunikation und Verbreitung dieser Werte wesentlich einfacher ermöglicht als es für die mutigen, europäischen Intellektuellen des 18. Jahrhunderts der Fall gewesen war.

Fazit: Die Argumentation, dass die Ursprünge der Konflikte zwischen Europa und dem Nahen Osten (und Afrika) für die aktuelle Flüchtlingskrise relevant seien, ist nicht stichhaltig. Entweder befinden sich Europa und der Nahe Osten im Krieg, was bedeutet, dass keine Flüchtlinge aufgenommen werden können. Oder Europa und der Nahe Osten führen keinen Krieg. In diesem Fall ist Europa nicht verpflichtet oder gar verantwortlich für die Aufnahme von Flüchtlingen. Europa schuldet Migranten demnach überhaupt nichts. Quod erat demonstrandum.

(Inspiration für diesen Artikel war dieser Vortrag von Stefan Molyneux.)

3 Kommentare zu „Europa schuldet Migranten überhaupt nichts

  1. Bravo für die extrem engstirnige und absolut zusammenhangslose Sicht auf die Ereignisse. Kein Führer und kein Volk haben letztlich Kontrolle über eine Dynamik, die im Verlauf mehrerer Jahrhunderte aufgrund von Leid, Unterdrückung, Ausbeutung, Machtverschiebung, Ungerechtigkeit, Manipulation und Trennung entstanden ist und sich immer abscheulicher und brutaler, eben in ihrer ganzen Pracht zeigt – so lange bis wir es kapieren oder wir uns selbst vernichten. Ist das Pech und haben wir es verdient dafür büßen? Nein. Aber es ist unumgänglich, weil die Geschichte der Menschheit eben dieses hergibt und wir scheinbar noch nicht anders können, als zu wiederholen was uns widerfahren ist.

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    1. Hallo Khorshid,

      leider tun Sie in Ihrem Kommentar das, was Sie dem Artikel unterstellen. Sie reihen zusammenhangslos diverse Faktoren aneinander und erschweren einen sachlichen Diskurs sogleich durch anfängliches Ad Hominem und spätere Strohmänner. (Dass Sie hierdurch eine der im Artikel dargelegten Unsitten im Zeitalter der Entklärung bestätigen, wird Ihnen sicherlich auffallen.) Im weiteren Verlauf schneiden Sie Dinge an, die ich an und für sich überhaupt nicht bestreiten möchte (das Festhalten am Konzept von Zwangsstaaten wird zwangsläufig zur stetigen Wiederkehr desselben führen), nur haben diese Dinge nichts mit den Hauptaussagen (einseitige Schuldzuschreibung etc.) dieses Artikels zu tun. Mein Vorschlag: Lesen Sie nochmal alles sorgfältig. Wenn Sie sich beruhigt haben und Interesse daran haben sollten, wo die tatsächlichen Wurzeln flächendeckenden Leids sowie weiträumiger Unterdrückung, Ausbeutung etc. gründen, empfehle ich Ihnen unverbindlich den Bereich „Downloads & Clips”.

      Mit freundlichen Grüßen
      Philipp A. Mende

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  2. Danke! Mein Vorschlag: Mehr Humanität und Bewusstsein und weniger Kopfberechnung. Die Welt und ihre „menschliche“ Geschichte gilt es über die Grenzen der sachlichen und dadurch unvollständigen Betrachtungsweise hinaus und in Gänze zu erkennen. Nur so kann der echter Wandel als Auflösung unseres rätselhaften Kreislauf-Daseins folgen. Das möchten Sie doch auch, oder? Ich lade zum Fühlen und zum Sein ein. Dann sind Sie ganz bestimmt auch wieder ruhiger und werden mehr sehen können als die nur die „Sache“. Ihre Kräfte, ihr Scharfsinn und Ihre Intelligenz werden dringend woanders gebraucht… Und bitte werfen Sie mich nicht in einen Topf mit Gruppen, die Sie in Ihrem Text anprangern. Mir geht es um die ganzheitliche, allumfassende und tiefste Betrachtungsebene der menschlichen Existenz.

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