Buchrezension: Stefan Zweig – Die Welt von Gestern: Eine brillante Autobiographie mit vielen aktuellen Parallelen

Geschichte sei das gleiche Stück mit unterschiedlicher Rollenbesetzung, schrieb Henry de Montherlant (1895-1972) irgendwann zwischen 1930 und 1944 in sein Tagebuch. Wie Stefan Zweig (1881-1942) trat er schließlich durch Suizid aus dem Dasein. Und in der Tat: Beim Lesen des autobiographischen Werks „Die Welt von Gestern“, welches Stefan Zweig zwischen 1939 und 1941, also kurz vor seinem Freitod verfasste, lief mir nicht nur einmal ein kalter Schauer über den Rücken. Einige der Geschehnisse und psychologisch interessanten Massenphänomene von „Gestern“ können dabei nach wie vor aufs „Heute“ übertragen werden – freilich mit anderslautenden Etiketten.

Stefan Zweig wäre dabei nicht Stefan Zweig, würde er seinen fesselnden Erzählstil nicht auf höchstem Sprachniveau geradezu mühelos knapp 600 Seiten hinweg durchhalten. Seine rhetorische Ästhetik, seine makellose Stilistik ist von einer Brillanz, die ihresgleichen sucht. Manch einer mag sich fragen, worin das Geheimnis von Zweigs bis heute andauerndem, literarischen Erfolg liegen mag. In den hier vorliegenden Memoiren versucht er sich an einer möglichen Erklärung, wenn er schreibt:

„Da ich es immer als meine Pflicht empfand, bei fremden Werken oder Gestalten biographisch oder essayistisch den Ursachen ihrer Wirkung oder Unwirkung innerhalb ihrer Zeit nachzugehen, konnte ich in manchen nachdenklichen Stunden nicht umhin, mich zu fragen, in welcher besonderen Eigenschaft meiner Bücher ihr für mich so unvermuteter Erfolg eigentlich begründet war. Letzten Endes glaube ich, stammt er von einer persönlichen Untugend her, nämlich dass ich ein ungeduldiger und temperamentvoller Leser bin. Jede Weitschweifigkeit, alles Schwelgerische und Vage-Schwärmerische, alles Undeutliche und Unklare, alles Überflüssig-Retardierende in einem Roman, einer Biographie, einer geistigen Auseinandersetzung irritiert mich. Nur ein Buch, das ständig, Blatt für Blatt, die Höhe hält und bis zur letzten Seite in einem Zuge atemlos mitreißt, gibt mir einen vollkommenen Genuss.“

Der junge Zweig wächst in einer Zeit auf, die durchaus einen kulturellen Höhepunkt innerhalb Europas, doch insbesondere Österreichs markiert. In der Habsburgermonarchie des ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts durchlebt er eine behütete Kindheit, die er die „Welt der Sicherheit“ nennt. Vor allem die Einblicke in das Alltagsleben jüdischer Familien beziehungsweise deren intellektuelle Strebsamkeit waren hier, jedenfalls für mich, gleichsam spannend wie bestätigend, wenngleich Zweigs Familie nicht wirklich religiös gewesen ist und sich Zweig entsprechend einmal als „Jude aus Zufall“ bezeichnet hatte.

Er erzählt davon, wie sehr jüdische Familien untereinander im kreativen sowie bildungstechnischen Wettstreit liegen (so sehr, dass es ihn als jungem Burschen manchmal gar zu viel des Guten war) und dass darin (!) der Kern des Judentums zu verstehen ist (selbst er hatte das erst nach einiger Zeit begriffen), und nicht (!) darin, wie bisweilen selbst heute noch gerne unterstellt wird, hauptsächlich Geld verdienen zu wollen (als sei das etwas Schlechtes). Zweig erklärt, dass letzteres nur eine natürliche Folge und quasi Nebeneffekt für Juden im Allgemeinen sei, aber ebenso nur als Zwischenstufe zur allerhöchsten Bildung verstanden werde. Bis heute hat sich daran – erfreulicherweise und im Gegensatz zur allgemeinen Entwicklung in Deutschland – im Grunde nichts verändert. Wer zählt weltweit zu den Gebildetsten? Den Wohlhabendsten? Den Fleißigsten? Aus welchen Reihen stammen die meisten Nobelpreisträger? Eben. (Anders ausgedrückt: Das (!) ist Kultur, die für jeden abendländisch geprägten, das heißt im besten Falle rationalen respektive geistig gesunden Menschen kompatibel ist. Umso beschämender und widerlicher dementsprechend die aktuelle Entwicklung des sich in Deutschland erneut etablierenden Antisemitismus – dieses Mal unter dem Banner einer staatlich erzwungenen und demzufolge künstlichen „Buntheit“, bei der das aberwitzige Abenteuer gelingen soll, eine seit ihrer Etablierung beinharte Monokultur in eine „Multikultur“ zu integrieren, wobei jene Monokultur mehr Parallelen zum Nationalsozialismus aufweist, als den meisten lieb ist.)

Der mehrere Sprachen fließend sprechende Zweig klärt auf:

„Neun Zehntel von dem, was die Welt als Wiener Kultur des neunzehnten Jahrhunderts feierte, war eine vom Wiener Judentum geförderte, genährte, oder sogar schon selbstgeschaffene Kultur.“

Zweig schildert – nicht ohne eine gehörige Portion Kritik – im weiteren Verlauf seine Schulzeit („Die Schule im vorherigen Jahrhundert“), die er mehr oder weniger als lästige Unterbrechung für seine und zu diesem Zeitpunkt auch unter einigen seiner Freunde größte Leidenschaft empfindet: Literatur. Lesen, Schreiben, Diskutieren, Recherchieren, Aufstöbern, Diskutieren, Lesen, Schreiben und so weiter. Vor allem der junge, österreichische Hugo von Hofmannsthal (1874-1929) erfährt hierbei vonseiten Zweigs schier heilige Überhöhung. Die junge Clique ist so ekstatisch in ihrer Liebe zur Literatur, dass sie die sich anbahnenden „gefährlichen Veränderungen in unserer Heimat“ nicht bemerkt:

„Wir blickten nur auf Bücher und Bilder. Wir hatten nicht das geringste Interesse für politische und soziale Probleme: was bedeuteten diese grellen Zänkereien in unserem Leben? Die Stadt erregte sich bei den Wahlen, und wir gingen in die Bibliotheken. Die Massen standen auf, und wir schrieben und diskutierten Gedichte.“

(Wieder eine Parallele zu heute, nur dass sich der aktuelle Ich-will-mit-meiner-Wahl-ins-Leben-mir-völlig-unbekannter-Menschen-hineinpfuschen-Politjunkie auf nunmehr postmodernistische Weise betäubt, während sich die nächsten gesamtgesellschaftlichen Katastrophen anbahnen, die hauptstrommedial kurzerhand und dreisterweise – zumindest noch – als glattes Gegenteil präsentiert und verkauft werden.)

Nach seinen Erläuterungen hinsichtlich erster Erfahrungen mit sexuellen Trieben und der Liebe („Eros Matutinus“), wonach seine Generation ihre Jugend diesbezüglich eher gehemmt ausleben muss – „lässt die Sitte dem Menschen Freiheit, so zwängt ihn der Staat ein. Lässt ihm der Staat seine Freiheit, so versucht die Sitte ihn zu kneten. Wir haben besser und mehr die Welt erlebt, die Jugend von heute aber lebt mehr und erlebt bewusster ihre eigene Jugend“ – widmet sich Zweig der „Universitas vitae“, seinem Universitätsleben, welches er glücklicherweise sehr entspannt angehen kann, nachdem sein älterer Bruder Alfred „bereits in das väterliche Industrieunternehmen eingetreten“ war, „demgemäß lag für den zweiten Sohn keinerlei Eile vor. Es handelte sich schließlich doch nur darum, der Familienehre einen Doktortitel zu sichern, gleichgültig welchen. Und sonderbarerweise war die Wahl mir ebenso gleichgültig. An sich interessierte mich, der ich meine Seele längst der Literatur verschrieben, keine einzige der fachmäßig dozierten Wissenschaften, ich hatte sogar ein geheimes, noch heute nicht verschwundenes Misstrauen gegen jeden akademischen Betrieb. Für mich ist Emersons Axiom, dass gute Bücher die beste Universität ersetzen, unentwegt gültig geblieben, und ich bin noch heute überzeugt, dass man ein ausgezeichneter Philosoph, Historiker, Philologe, Jurist und was immer werden kann, ohne je eine Universität oder sogar ein Gymnasium besucht zu haben.“

(In der heutigen Zeit, da Schulen und Universitäten – erneut – sukzessive in ideologische sowie parteiische Systemkaderschmieden jenseits von weltanschaulicher Neutralität umgewandelt wurden und werden, bleibt auch jene zweigsche Erkenntnis aktuell, besser noch: ratsam.)

Zweig räumt ein: „Gedanken entwickeln sich bei mir ausnahmslos an Gegenständen, Geschehnissen und Gestalten, alles rein Theoretische und Metaphysische bleibt mir unerlernbar.“ Umso ironischer, dass er sich letztlich für das Studium der Philosophie einschreibt, doch ist die Entscheidung wohl durchdacht, denn „[a]lles, was not tat, war, am Ende des achten Semesters eine Dissertation einzureichen und einige Prüfungen zu machen. So legte ich mir von vornherein eine Zeiteinteilung zurecht: drei Jahre um das Universitätsstudium mich überhaupt nicht bekümmern! Dann in dem einen letzten Jahr in scharfer Anstrengung den scholastischen Stoff bewältigen und irgendeine Dissertation rasch fertigmachen!“ (Freilich, heute läuft es ähnlich, nur dass das Studium mittlerweile auch „Gender Studies“ heißen kann und eine Dissertation – über welchen Unsinn auch immer – nicht nach acht, sondern 15 bis 20 Semestern eingereicht werden mag.)

Zweigs besonderes Verhältnis zum „selig beschwingte[n] und beschwingende[n] Paris“ beschreibt er sodann in dem Kapitel „Paris, die Stadt der ewigen Jugend“. Sehr deutlich wird hier, wie sehr ihm die spätere Zerstörung und vor allem Erniedrigung jenes einstmals kulturellen Zentrums Europas durch die nationalsozialistische Besetzung, „die härteste Hand der Erde“, das Herz bricht. (Die heutige, sukzessive und völlig grundlose Austreibung des französischen Kulturgeistes und –raumes ist, einmal mehr, eine bedauerliche Parallele mit ungewissem Ausgang.) Zweig schwärmt von seiner Pariser Zeit, als er in seinen jungen Zwanzigern nicht nur auf den Spuren ehemaliger Zwangsherrschaftsapparate, sondern, viel wichtiger, auch auf den Spuren literarischen Schaffens wandelt:

„Was streifte ich damals durch die Straßen, wie viel sah, wie viel suchte ich in meiner Ungeduld! Denn ich wollte doch nicht nur das eine Paris von 1904 erleben; ich suchte mit den Sinnen, mit dem Herzen auch das Paris von Henri IV. und Louis XIV. und das Napoleons und der Revolution, das Paris Rétif de la Bretonnes und Balzacs, Zolas und Charles Louis Philippe’s mit all seinen Straßen, Gestalten und Geschehnissen. Überzeugend empfand ich hier wie immer in Frankreich, wie viel eine große und dem Wahrhaften zugewandte Literatur ihrem Volke an verewigender Kraft zurückgibt, denn alles in Paris war mir eigentlich durch die darstellende Kunst der Dichter, der Romanciers, der Historiker, der Sittenschilderer geistig im Voraus vertraut gewesen, ehe ich es mit eigenen Augen gesehen.“

Zweig schildert seine besonderen Freundschaften, die sich in seiner Pariser Phase verdichteten, so, um zwei hervorzuheben, jene mit dem, wenngleich sehr zurückhaltenden und scheuen, doch hochgeachteten Rainer Maria Rilke (1875-1926) – „[v]on allen diesen hat vielleicht keiner leiser, geheimnisvoller, unsichtbarer gelebt als Rilke“ –, den Zweig, obwohl er Deutscher war, stets mit Paris assoziierte, „dessen traurigste Stunde zu erleben ihm erspart geblieben ist.“ Doch auch die Beziehung zu einem anderen hochgeschätzten Schriftsteller, dem belgischen Symbolisten Émile Verhaeren (1855-1916), ist für Zweig von äußerster Nachhaltigkeit, zieht er aus dessen Freundschaft unter anderem zwei entscheidende Lehren, wonach „die großen Männer“ erstens „immer die gütigsten sind“ und dass sie zweitens „fast immer in ihrem Leben die einfachsten sind.“ Nachdem er die konzentrierte Arbeit Verharens beobachten darf, zieht Zweig das Fazit:

„In dieser Stunde hatte ich das ewige Geheimnis aller großen Kunst, ja eigentlich jeder irdischen Leistung aufgetan gesehen: Konzentration, die Zusammenfassung aller Kräfte, aller Sinne, das Außer-sich-Sein, das Außer-der-Welt-Sein jedes Künstlers. Ich hatte etwa gelernt für mein ganzes Leben.“

Im Kapitel „Umwege auf dem Weg zu mir selbst“ bahnt sich erstmals Zweigs innere Zerrissenheit aufgrund der Tatsache, keinen festen Heimatort zu haben, an. Sehr viel ist er unterwegs, stetig neugierig und bescheiden während seiner Reisen. Und dennoch:

„Paris, England, Italien, Spanien, Belgien, Holland, dies neugierige Wandern und Zigeunern war an sich erfreulich und in vieler Hinsicht ergiebig gewesen. Aber schließlich benötigt man doch – wann wusste ich es besser als heute, da mein Wandern durch die Welt kein freiwilliges mehr ist, sondern ein Gejagtsein? – einen stabilen Punkt, von dem man aus wandert, und zu dem man immer wieder zurückkehrt.“

Zweig berichtet von seiner Sammelleidenschaft bezüglich handschriftlicher Erstnotizen, Manuskripte, Kompositionen etc. berühmter Künstler, die im Laufe der Zeit eine ganze Bibliothek füllen sollten (und die er im Zuge des späteren Untergangs Europas schließlich aufgeben sollte). Er schwärmt vom bis heute bestehenden Insel Verlag, dem er zeitlebens treu bleiben wird. Mit dessen Leiter, „Professor Kippenberg, verband mich bald herzliche Freundschaft, die noch verstärkt wurde durch beiderseitiges Verständnis für unsere privaten Sammelleidenschaften, denn Kippenbergs Goethesammlung entfaltete sich parallel mit dem Aufstieg meiner Autografensammlung in diesen dreißig gemeinsamen Jahren zur monumentalsten, die je einem Privaten gelungen (…) Und wirklich, eine Weltkatastrophe und brutalste Gesetzesgewalt war nötig, diese für uns beide gleich glückliche und selbstverständliche Verbindung zu lösen.“

Besonders beeindruckend empfinde ich Stefan Zweigs ganzheitliche Passion für Literatur, die sich nicht nur in seinem hochproduktiven Prozess niederschlug, sondern auch in seiner Leidenschaft für seine lebenslange Auseinandersetzung, Kritik und nicht zuletzt sowohl offen als auch öffentlich dargelegte Begeisterung bezüglich Literatur, oder anders formuliert: Obwohl selbst irgendwann einer der meistgelesenen Romanciers Europas, zögerte er nie, sich öffentlich als Fan von Literatur an sich zu präsentieren. Dazu gehörte zeitlebens ehrliches Interesse sowie Begeisterungsfähigkeit an den Arbeiten anderer Schriftsteller, die er mitunter selbstlos empfahl. Kennt man heutzutage große Schreiber (sich auf wenigstens annäherndem Niveau wie Zweig befindend), die sich für die Belange von anderen, weniger bekannten Schreibern interessieren und dies öffentlich kundtun?

Zweigs Leidenschaft für Literatur und Literaten, seine authentische und beinahe schon kindlich-unschuldige Begeisterungsfähigkeit sowie Ehrfurcht vor talentierten, zeitgenössischen, aber auch den größten deutschsprachigen Schreibern – obwohl mittlerweile längst selbst darunter fallend! – wird auch deutlich, wenn er von der Begegnung mit (alten) Menschen erzählt, welche die Schwergewichte aus Belletristik, Musik oder Philosophie noch persönlich kennenlernen durften:

„Ich bin später noch mehrmals Frauen begegnet, die mit ihrem weißen Scheitel emporreichten in heroische und olympische Welt, Cosima Wagner, der Tochter Liszts, hart, streng und doch großartig in ihren pathetischen Gesten, Elisabeth Förster, Nietzsches Schwester, zierlich, klein, kokett, Olga Monod, Alexander Herzens Tochter, die als Kind oft auf Tolstois Knien gesessen; ich habe Georg Brandes als alten Mann erzählen hören von seinen Begegnungen mit Walt Whitman, Flaubert und Dickens, oder Richard Strauss schildern, wie er Richard Wagner zum ersten Mal gesehen. Aber nichts hat mich so berührt wie das Antlitz jener Greisin [‚diese achtzigjährige Frau‘ war ‚niemand geringerer (…) als die Tochter von Goethes Leibarzt Dr. Vogel und 1830 von Ottilie von Goethe in persönlicher Gegenwart Goethes aus der Taufe gehoben.‘], der letzten unter den Lebenden, die von Goethes Auge noch angeblickt worden ist. Und vielleicht bin ich selbst wiederum schon der letzte, der heute sagen darf: Ich habe einen Menschen gekannt, auf dessen Haupt noch Goethes Hand einen Augenblick zärtlich geruht.“

Nachdem Zweigs dramatische Arbeiten wiederholte Male durch Todesfälle der zu jener Zeit bedeutendsten Theaterschauspieler (z.B. Adalbert Matkowsky) zum Erliegen kommen, steigen mulmige Gefühle in ihm auf, er konkludiert am Ende jedoch:

„Aber nur in ersten Jugendjahren scheint Zufall noch mit Schicksal identisch. Später weiß man, dass die eigentliche Bahn des Lebens von innen bestimmt war; wie kraus und sinnlos unser Weg von unseren Wünschen abzuweichen scheint, immer führt er uns doch schließlich zu unserem unsichtbaren Ziel.“

Im Folgekapitel „Über Europa hinaus“ geht es unter anderem um Zweigs vielseitige Erkundungen außerhalb Europas. Während einer Flussbootfahrt von Kalkutta nach Hinterindien begegnet er dem auch „jenseits des Militärischen“ universal gebildeten und vielseitig interessierten Karl Haushofer (1869-1946), einem Geopolitiker und späteren Lehrer von Rudolf Heß (1894-1987):

„Bald erwies es sich, dass er einer der Ersten war, die systematisch und großzügig an einen Neuaufbau der deutschen Machtposition dachten. Er gab eine Zeitschrift für Geopolitik heraus, und, wie es so oft geht, verstand ich nicht den tieferen Sinn dieser neuen Bewegung in ihrem Beginn. Ich meinte redlich, dass es sich nur darum handle, das Spiel der Kräfte im Zusammenwirken der Nationen zu belauschen, und selbst das Wort vom ‚Lebensraum‘ der Völker, das er, glaube ich, als erster prägte, verstand ich im Sinne Spenglers nur als die relative, mit den Epochen wandelhafte Energie, die im zeitlichen Zyklus jede Nation einmal auslöst.“

Die zweite Überseereise führt Zweig nach Amerika, das er „mit offenem, brüderlich bereitem Gefühl statt mit dem üblichen Hochmut des Europäers“ betritt. „Diese meine Vorstellung war – ich schäme mich nicht, es zu sagen – eine recht romantische. Amerika war für mich Walt Whitman, das Land des neuen Rhythmus, der kommenden Weltbrüderschaft.“ Die ersten Eindrücke New Yorks seien „mächtig, obwohl New York noch nicht jene berauschende Nachtschönheit hatte wie heute. Es fehlten noch die brausenden Kaskaden von Licht am Times-Square und der traumhafte Sternenhimmel der Stadt, der nachts mit Milliarden künstlicher Sterne die echten und wirklichen des Himmels anglüht.“

Zurück in Europa, verdüstert sich das Bild für den Österreicher umso mehr, je weiter die Jahre voranschreiten. In „Glanz und Schatten über Europa“ konstatiert er:

„Wenn man heute ruhig überlegend sich fragt, warum Europa 1914 in den Krieg ging, findet man keinen einzigen Grund vernünftiger Art und nicht einmal einen Anlass. Es ging um keine Ideen, es ging kaum um die kleinen Grenzbezirke; ich weiß es nicht anders zu erklären als mit diesem Überschuss an Kraft, als tragische Folge jenes inneren Dynamismus, der sich in diesen vierzig Jahren Frieden aufgehäuft hatte und sich gewaltsam entladen wollte.“

Gerne wird Zweig – wie könnte es auch anders sein – heute von nicht wenigen zu Propagandazwecken missbraucht, wenn es um die angebliche Alternativlosigkeit einer „Europäischen Union“ geht, die fälschlicherweise – absichtlich? – mit Europa gleichgesetzt wird, wonach sich Zweig angeblich für ein derartiges Zwangskonglomerat ausgesprochen habe. Fakt ist jedoch, dass er sich politisch weitestgehend zurückhielt und seine Ruhe haben wollte, und dafür – genau wie heute, sofern dies jemand wagen sollte – den Unmut vieler Zeitgenossen auf sich zog, sollte er schließlich in die allgegenwärtige Politsucht mit einstimmen, sich permanent „bekennen“ usw. Unmöglich scheint nach wie vor die Erkenntnis, dass Politik, damals wie heute, Probleme nicht löst(e), sondern erzeugt(e), um sich nach dem Erzeugen des Problems alsdann als „Lösung“ zu präsentieren. Frieden in Europa ist Zweig zweifelsohne stets ein enormes Anliegen gewesen, und selbst wenn man einige seiner Aussagen in Richtung eines europäisch-bürokratischen Supermolochs interpretieren wollte, so standen die nationale Autonomie und Selbstbestimmung jedes europäischen Volkes für ihn stets außer Frage – jene Dinge, die gegenwärtig unter kreischendem Das-Wir-entscheidet-Getöse vollends abgeschafft werden sollen, nachdem das historische Beispiel in Form der Sowest… Verzeihung, Sowjetunion offenbar ein solch glänzendes Beispiel einer erzwungenen Völkervereinigung mit Kollektivideologie bot. Als Individualist schüttelt man angesichts solcher Geschichtsvergessenheit und Ignoranz verständnislos den Kopf.

Zweig beschreibt eindringlich Naivität, Gutgläubigkeit, aber auch rasende Wut, Ohnmacht und nicht zuletzt die Totalisierung von Politik in „Die ersten Stunden des Krieges von 1914“, jener Weltkatastrophe, die während eines – wettertechnisch – wunderschönen Sommers über Europa hereinbrechen sollte. Die Politik sorgt, wie es seit jeher entgegen aller anderslautender Lippenbekenntnisse der Fall ist, für gesellschaftliche Spaltung und permanente Unruhe. Zweig sieht sich mehr und mehr von ehemaligen Weggefährten distanziert, die ihn dazu drängen, sich gefälligst politisch vereinnahmen zu lassen.

„Da blieb nur eines: sich in sich selbst zurückziehen und schweigen, solange die anderen fieberten und tobten. Es war nicht leicht. Denn selbst im Exil – ich habe es zur Genüge kennengelernt – ist es nicht so schlimm zu leben wie allein im Vaterlande. In Wien hatte ich meine alten Freunde mir entfremdet, neue zu suchen war jetzt nicht die Zeit (…) Nach einigen Wochen übersiedelte ich, entschlossen, dieser gefährlichen Massenpsychose auszuweichen, in einen ländlichen Vorort, um mitten im Kriege meinen persönlichen Krieg zu beginnen: den Kampf gegen den Verrat der Vernunft an die aktuelle Massenleidenschaft.“

(Auch gegenwärtig hat sich eine neue Massenleidenschaft etabliert, die gewillt ist, anhand eines bis ins Krankhaft-Hysterische übersteigerten Altruismus, wenn nötig, ganze westeuropäische Landstriche der Verwüstung preiszugeben. Man kann Länder sowohl durch überbordenden Egoismus als auch überbordenden Altruismus zersetzen. Eine aristotelische Mitte interessiert nicht (mehr), wer auf objektiv nachweisbare, ökonomische, kulturzersetzende sowie nicht zuletzt kriminalistische Fakten verweist, sieht sich der Ausgrenzung und Ächtung ausgesetzt und bisweilen sogar – wieder – seiner Existenz beraubt. Die einstige Anklage in Form von „mangelndem Patriotismus“ wurde in ihr scheinbares Gegenteil in Form der „Nazikeule“ transformiert – mit demselben Ziel: Vernunft, Logik und Objektivität im Keim zu ersticken. Der Witz: Es waren die Nationalsozialisten, welche die Notwendigkeit der Schaffung einer „Zentraleuropäischen Union“ sowie eines „Europäischen Wirtschaftsraumes“ mit festgelegten Wechselkursen forderten, so beispielsweise der Kriegsverbrecher Walther Funk (1890-1960) in seinem Buch „Die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft“.)

Entsprechend schreibt Zweig im Abschnitt „Der Kampf um die geistige Brüderschaft“:

„Wer ein Bedenken äußerte, der störte sie bei ihrem patriotischen Geschäft, wer warnte, den verhöhnten sie als Schwarzseher, wer den Krieg, in dem sie selber nicht mitlitten, bekämpfte, den brandmarkten sie als Verräter. Immer war es dieselbe, die ewige Rotte durch die Zeiten, die die Vorsichtigen feige nannte, die Menschlichen schwächlich, um dann selbst ratlos zu sein in der Stunde der Katastrophe, die sie leichtfertig beschworen. Immer war es dieselbe Rotte, dieselbe, die Kassandra verhöhnt in Troja, Jeremias in Jerusalem, und nie hatte ich Tragik und Größe dieser Gestalten so verstanden wie in diesen allzu ähnlichen Stunden. Von Anfang an glaubte ich nicht an den ‚Sieg‘ und wusste nur eines gewiss: dass selbst wenn er unter maßlosen Opfern errungen werden könnte, er diese Opfer nicht rechtfertigte.“

So wie gegenwärtig die Ideologie einer politisch gewaltsam erzwungenen „Vielfalt“ nicht ein einziges Mord- und Vergewaltigungsopfer rechtfertigt. Zweig:

„Aber immer blieb ich allein unter all meinen Freunden mit solcher Mahnung, und das wirre Siegesgeheul vor dem ersten Schuss, die Beuteverteilung vor der ersten Schlacht ließ mich oft zweifeln, ob ich selbst wahnsinnig sei unter all diesen Klugen oder vielmehr allein grauenhaft wach inmitten ihrer Trunkenheit.“

Die hochdramatische und exzellent erzählte Entwicklung setzt sich im Kapitel „Im Herzen Europas“ fort. Zweig, der mittlerweile nach Zürich übergesiedelt ist, tut, was er kann, und schreibt gegen den Irrsinn an. Seine Anklage in Form der Tragödie „Jeremias“ wird 1917, entgegen seiner Erwartung, zu einem großen Erfolg, nachdem nach zweieinhalb Jahren Krieg „die Zeit (…) ihr Werk grausamer Ernüchterung getan [hatte].“ Aber:

„Es dauerte nicht sehr lange, bis ich merkte, wie gering die Zahl derjenigen war, die man als absolut verlässlich ansehen konnte, und da ich mich nicht in Politik hineinzerren lassen wollte, schränkte ich meinen Verkehr immer mehr ein.“

Schließlich ist der Spuk (vorerst) vorbei:

„Die Hölle lag hinter uns, was konnte nach ihr uns noch erschrecken? Eine andere Welt war im Anbeginn. Und da wir jung waren, sagten wir uns: es wird die unsere sein, die Welt, die wir erträumt, eine bessere, humanere Welt.“

Sodann folgt Zweigs „Heimkehr nach Österreich“, das „[v]om Standpunkt der Logik aus (…) das Törichteste [war], was ich nach dem Niederbruch der deutschen und österreichischen Waffen tun konnte.“ Die Lebensbedingungen sind hart und karg. Ernüchtert zieht er Bilanz: „So weit sie wache Augen hatte, sah die Welt, dass sie betrogen worden war. Betrogen die Mütter, die ihre Kinder geopfert, betrogen die Soldaten, die als Bettler heimkehrten, betrogen all jene, die patriotisch Kriegsanleihe gezeichnet, betrogen jeder, der einer Versprechung des Staates Glauben geschenkt“ – [Wir schaffen das!] – „betrogen wir alle, die geträumt von einer neuen und besser geordneten Welt und nun sahen, dass das alte Spiel, in dem unsere Existenz, unser Glück, unsere Zeit, unsere Habe den Einsatz stellten, von ebendenselben oder von neuen Hasardeuren wieder begonnen wurde.“

Eine neue Generation, die Nachkriegsgeneration, wendet sich (wenn auch nur vorübergehend) von Eltern, Politikern und Lehrern ab und „jede Proklamation des Staates wurde mit misstrauischem Blick gelesen. Mit einem Ruck emanzipierte sich die Nachkriegsgeneration brutal von allem bisher Gültigen und wandte jedweder Tradition den Rücken zu, entschlossen, ihr Schicksal selbst in die Hand zu nehmen, weg von alten Vergangenheiten und mit einem Schwung in die Zukunft.“

Unnötig zu erwähnen, dass selbstverständlich sofort neue politische Rattenfänger auf den Plan treten und die ewige Wiederkehr desselben in Form des politischen Buhlens um Herrschaft von Menschen über Menschen von Neuem starten. Nach einigen angenehmen und produktiven Jahren beschreibt Zweig in „Wieder in der Welt“ die nächste staatsbedingte Katastrophe, welche schließlich in der – da bis heute auf völlig falschen ökonomischen Prämissen beruhend – Hyperinflation der 1920er Jahre gipfelt:

„Mit einem Ruck stürzte die Mark, und es gab kein Halten mehr, ehe nicht die phantastischen Irrsinnszahlen von Billionen erreicht waren. Nun erst begann der wahre Hexensabbat von Inflation, gegen den unsere österreichische mit ihrer doch schon absurden Relation von 1 zu 15.000 nur ein armseliges Kinderspiel gewesen. Sie zu erzählen mit ihren Einzelheiten, ihren Unglaublichkeiten würde ein Buch fordern, und dieses Buch würde auf die Menschen von heute wie ein Märchen wirken. Ich habe Tage erlebt, wo ich morgens fünfzigtausend Mark für eine Zeitung zahlen musste und abends hunderttausend; wer ausländisches Geld wechseln musste, verteilte die Einwechslung auf Stunden, denn um vier Uhr bekam er das Mehrfache von dem, was er um drei, und um fünf Uhr wieder das Mehrfache von dem, was er sechzig Minuten vorher bekommen hätte.“

Und doch wird das staatlich initiierte Märchen einer angeblich notwendigen, natürlichen und die Wirtschaft ankurbelnden Inflation bis zum heutigen Tage an Universitäten in Indoktrinationsopfer gepresst, die ihrerseits die „akademische Kunde“ verbreiten. Die ökonomisch widerlegte Irrlehre, die nach wie vor den Wirtschaftssektor vergiftet, nennt sich Keynesianismus.

Und es dauert nicht lang, bis Politik erneut versprechen sollte, auch hier ein selbst verursachtes, staatsinterventionistisches Problem zu „beheben“. Zweig notiert:

„Nichts war so verhängnisvoll für die deutsche Republik wie ihr idealistischer Versuch, dem Volke und selbst ihren Feinden Freiheit zu lassen. Denn das deutsche Volk, ein Volk der Ordnung, wusste nichts mit seiner Freiheit anzufangen und blickte schon voll Ungeduld aus nach jenen, die sie ihm nehmen sollten.“ Selbst dann, als „die deutsche Inflation beendet war“. Doch nichts habe „das deutsche Volk (…) so erbittert, so hasswütig, so hitlerreif gemacht wie die Inflation.“

Zuvor schildert Zweig in „Sonnenuntergang“ jedoch noch „eine verhältnismäßig ruhige Zeit, dieses Jahrzehnt von 1924 bis 1933, ehe jener eine Mensch unsere Welt verstörte.“ Hierbei sollte jedoch nicht vergessen werden, dass (auch) ein Hitler demokratisch gewählt wurde und einzig und allein aufgrund des im Volk nach wie vor vorherrschenden Aberglaubens respektive Mythos der politischen Alternativlosigkeit Fuß fassen konnte.

Mit großer Leidenschaft geht Zweig in jenen Jahren neben seiner schriftstellerischen Tätigkeit seiner Sammelleidenschaft nach: „Da war Nietzsches ‚Geburt der Tragödie‘ in einer ersten, unbekannten Fassung, die er lange vor der Veröffentlichung für die geliebte Cosima Wagner geschrieben, eine Kantate von Bach und die Arie der Alceste von Gluck und eine von Händel, dessen Manuskripte die seltensten von allen sind (…) Ebensoweit war der Lebensbogen bei Goethe umrandet, das erste Blatt eine Übersetzung des neunjährigen Knaben aus dem Lateinischen, das letzte ein Gedicht, im zweiundachtzigsten Jahre knapp vor dem Tode geschrieben, und dazwischen ein mächtiges Blatt aus dem Kronstück seines Schaffens, ein zweiseitiges Folioblatt aus dem ‚Faust‘, ein Manuskript zu den Naturwissenschaften, zahlreiche Gedichte und dazu noch Zeichnungen aus den verschiedensten Stadien seines Lebens; man überschaute Goethes ganzes Leben in diesen fünfzehn Blättern“ usw.

Auf dem Höhepunkt seines Schaffens zählt Zweig zu den weltweit meistgelesenen Schriftstellern seiner Zeit. Seine Bücher erscheinen selbst in den extravagantesten Sprachen, von Bulgarisch über Finnisch, bis hin zu Portugiesisch, Armenisch, Chinesisch und Maratti. Ja, selbst in Blindenschrift, in Stenographie, „in allen exotischen Lettern und Idiomen waren Worte und Gedanken von mir zu Menschen gegangen (…)“

Niemals habe er es für möglich gehalten, dass seine Bücher per staatlichem Dekret und unter Strafandrohung aus sämtlichen deutschen Bücherschränken verschwinden würden. Er erinnert sich zurück und resümiert:

„Was konnte da Schlimmes noch geschehen? Da waren meine Bücher: konnte sie jemand zunichtemachen? (So dachte ich ahnungslos in dieser Stunde.) Da mein Haus – konnte mich jemand aus ihm vertreiben? Da meine Freunde – konnte ich sie jemals verlieren? Ich dachte ohne Angst an Tod, an Krankheit, aber auch nicht das entfernteste Bild dessen kam mir in den Sinn, was zu erleben mir noch bevorstand, dass ich heimatlos, gehetzt, gejagt als Ausgetriebener noch einmal von Land zu Land, über Meere und Meere würde wandern müssen, dass meine Bücher verbrannt, verboten, geächtet werden sollten, mein Name in Deutschland wie der eines Verbrechers angeprangert und dieselben Freunde, deren Briefe und Telegramme vor mir auf dem Tisch lagen, erblassen würden, wenn sie mir zufällig begegneten. Dass ausgelöscht werden könnte ohne Spur alles, was dreißig und vierzig Jahre beharrlich geleistet, dass all dies Leben, aufgebaut, fest und scheinbar unerschütterlich wie vor mir stand, in sich zerfallen könnte und dass ich nahe dem Gipfel gezwungen sein würde, mit schon leicht ermüdenden Kräften und verstörter Seele noch einmal von Anfang zu beginnen.“

Und dennoch sollte der größte Alptraum noch folgen: „Incipit Hitler“. Hitler beginnt. Wie oben bereits angedeutet, ist Deutschland nicht gerade berühmt für seine gesunden Mittelwege, um es vorsichtig auszudrücken. Dies betrifft auch die Ordnung. Bricht sie im nunmehr dreiviertelsozialistischen Merkel-Deutschland auf Basis zunehmender Willkür in Sachen Gesetzesumsetzung beziehungsweise -anwendung gegenwärtig immer weiter ein, während der Staat eine alternative, natürliche Ordnung, geschweige denn Sezession mit eiserner Knute zu verhindern wüsste, so gibt zu jener Zeit Zweigs das andere Extrem die gesellschaftliche Marschrichtung vor:

„[E]in ungeheures Verlangen nach Ordnung war in allen Kreisen des deutschen Volkes, dem Ordnung von je mehr galt als Freiheit und Recht. Und wer Ordnung versprach (…), der hatte von Anbeginn Hunderttausende hinter sich (…) Aber vielleicht ist im Ausland nie der eigentliche Grund verständlich gewesen, warum Deutschland die Person und die steigende Macht Hitlers in all diesen Jahren dermaßen unterschätzte und bagatellisierte: Deutschland ist nicht nur immer ein Klassenstaat gewesen, sondern innerhalb dieses Klassenideals außerdem noch mit einer unerschütterlichen Überschätzung und Vergötterung der ‚Bildung‘ belastet. Abgesehen von einigen Generälen blieben dort die hohen Stellen im Staat ausschließlich den sogenannten ‚akademisch Gebildeten‘ vorbehalten; während in England ein Lloyd George, in Italien ein Garibaldi und Mussolini, in Frankreich ein Briand wirklich aus dem Volke zu den höchsten Staatsmännern aufgestiegen waren, galt es für den Deutschen als undenkbar, dass ein Mann, der nicht einmal die Bürgerschule zu Ende besucht, geschweige denn eine Hochschule absolviert, dass jemand, der in Männerheimen übernachtet und auf heute noch nicht aufgeklärte Weise jahrelang ein dunkles Leben gefristet, je einer Stellung sich auch nur nähern könnte, die ein Freiherr vom Stein, ein Bismarck, ein Fürst Bülow innegehabt.“

Von daher heißt es einige Seiten später: „Da ich versuche, hier so ehrlich als möglich zu bleiben, muss ich bekennen, dass wir alle 1933 und noch 1934 in Deutschland und Österreich jedes Mal nicht ein Hundertstel, nicht ein Tausendstel dessen für möglich gehalten, was dann immer wenige Wochen später hereinbrechen sollte.“

Heute ist es umgekehrt: Diejenigen, die unter anderem auf der Grundlage ökonomischen Basiswissens, Wissen um grundlegende Kulturgepflogenheiten, aber auch auf Basis eines Mindestwissens an politischer Psychologie sich später als richtig herausstellende Prophezeiungen abgeben, werden im (politischen) Diskurs entweder zensiert, vor Gericht gezerrt, blockiert, ignoriert, geächtet, dämonisiert oder mit plumpen „Keulen“ verschiedenster Art bearbeitet. Der totalitäre Kern dieser brandgefährlichen Entwicklung, in der Redefreiheit erneut schrittweise unterminiert wird, wird erneut entweder ignoriert, bagatellisiert oder schlichtweg abgestritten. Die politischen Werkzeuge bleiben dieselben und divergieren lediglich (noch) in ihrer Extensivität. Sie kommen schleichend und häppchenweise zum Zuge, so dass sie für die meisten Bürger nicht fassbar sind.

Zweig:

„Denn der Nationalsozialismus [heute: Buntsozialismus] in seiner skrupellosen Täuschertechnik hütete sich, die ganze Radikalität seiner Ziele zu zeigen, ehe man die Welt abgehärtet hatte. So übten sie vorsichtig ihre Methode: immer nur eine Dosis und nach der Dosis eine kleine Pause. Immer nur eine einzelne Pille und dann einen Augenblick Abwartens, ob sie nicht zu stark gewesen, ob das Weltgewissen diese Dosis noch vertrage. Und da das europäische Gewissen – zum Schaden und zur Schmach unserer Zivilisation – eifrigst seine Unbeteiligtheit betonte, weil diese Gewalttaten doch ‚jenseits der Grenze‘ vor sich gingen, wurden die Dosen immer kräftiger, bis schließlich ganz Europa an ihnen zugrunde ging. Nichts Genialeres hat Hitler geleistet als diese Taktik des langsamen Vorfühlens und immer stärkeren Steigerns gegen ein moralisch und bald auch militärisch immer schwächer werdendes Europa. Auch die innerlich längst beschlossene Aktion zur Vernichtung jedes freien Wortes und jedes unabhängigen Buches in Deutschland erfolgte nach jener vortastenden Methode. Es wurde nicht etwa gleich ein Gesetz erlassen – das kam erst zwei Jahre später –, das unsere Bücher glatt verbot; man veranstaltete stattdessen zunächst nur eine leise Tastprobe, wie weit man gehen könne, in dem man die erste Attacke auf unsere Bücher einer offiziell unverantwortlichen Gruppe zuschob, den nationalsozialistischen Studenten.“

Stefan Zweig flieht schließlich zunächst nach London, wo er sich sehr rasch „unbeschreiblich wohl“ fühlt und eine stille Auszeit vom Politischen erfährt. „Jedoch die eigentliche Wohltat war, dass ich endlich wieder eine zivile, höfliche, unerregte, hasslose Atmosphäre um mich fühlte. Nichts hatte mir das Leben in den letzten Jahren dermaßen vergiftet, als immer Hass und Spannung im Lande, in der Stadt um mich zu fühlen, immer mich wehren zu müssen, in diese Diskussionen hineingezerrt zu werden. Hier war die Bevölkerung nicht in gleicher Weise verstört, ein höheres Maß von Rechtlichkeit und Anständigkeit herrschte hier im öffentlichen Leben [Zweig beschreibt die weltberühmte, „typisch britische“ Höflichkeit, die angesichts der aktuellen Entwicklung ebenfalls droht, bald ein Relikt der Vergangenheit zu werden] als in unserem durch den großen Betrug der Inflation selbst unmoralisch gewordenen Ländern. Die Menschen lebten ruhiger, zufriedener und blickten mehr auf ihren Garten und ihre kleinen Liebhabereien als auf ihren Nachbarn. Hier konnte man atmen, denken und überlegen.“

Der Österreicher beginnt infolge, nachdem kürzlich seine „Marie Antoinette“ erschienen war, eher zufällig seine Arbeit an „Maria Stuart“. Er reist 1934 nochmal nach Österreich, wo sich die Lage währenddessen von Tag zu Tag verschlimmert, die persönliche Freiheit immer weiter eingeschränkt wird, die wirtschaftlichen Daumenschrauben aus Deutschland immer weiter angezogen werden und eines Tages sein Haus willkürlich von der Polizei durchsucht wird. Zweig schaltet blitzschnell, fackelt nicht lange und reist, ohne Freunde oder Bekannte in Kenntnis zu setzen, rasch nach London zurück:

„[M]ein erstes dort war, der Behörde in Salzburg die Mitteilung zu machen, dass ich meinen Wohnsitz definitiv aufgegeben hätte. Es war der erste Schritt, der mich von meiner Heimat loslöste. Aber ich wusste, seit jenen Tagen in Wien, dass Österreich verloren war – freilich ahnte ich noch nicht, wieviel ich damit verlor.“

Der heutige, zunehmende Exodus aus Deutschland vonseiten fleißiger und gut ausgebildeter Deutscher, die neben der sich nachweislich exzessiv verschlechternden Sicherheitslage bei einer realen Steuer- und Abgabenquote von nunmehr über 70 Prozent keine Zukunft mehr in ihrer Heimat sehen, ist ein (noch) wichtiges Indiz für die de facto Veränderung einer einstigen Lebensrealität und -qualität, die (erneut) weitestgehend verharmlost und ignoriert wird.

Im letzten Kapitel, welches den Titel „Die Agonie des Friedens“ trägt, fliegen dem geneigten Leser, so er zu sehen willens ist, die Parallelen nur so um die Ohren. Zweig reist einige Male über den Großen Teich in die USA, aber auch nach Südamerika. Im Juli des Jahres 1936 bricht der Spanische Bürgerkrieg aus. Immer stärker kristallisieren sich in Zweig die Gedanken an einen endgültigen Abschied von Europa heraus. In Spanien beobachtet er, wie junge Burschen auch hier sinnlos militärisch vereinnahmt werden, was ihn an Situationen in Italien und Deutschland erinnert: „Es war mir zu schmerzlich, noch einen Blick auf dieses schöne Land zu tun, das durch fremde Schuld grauenhafter Verwüstung anheimgefallen war; todgeweiht schien mir Europa durch seinen eigenen Wahn, Europa, unsere heilige Heimat, die Wiege und das Parthenon unserer abendländischen Zivilisation.“ Die alte Kultur Spaniens erblickt Zweig erfreulicherweise in Argentinien, nachdem er zuvor nochmals in New York zugegen war, und ist hocherfreut. Auch Paraguay wird eine Durchgangsstation. Nicht weniger als Argentinien beeindruckt ihn Brasilien, wo er sich später, 1940, schließlich niederlässt. Er denkt:

„Waren nicht seit Tausenden Jahren die Kulturen gewandert von einem Land zum andern, waren nicht immer, wenn der Baum auch der Axt verfallen, die Samen gerettet worden und damit neue Blüten, neue Frucht? Was Generationen vor uns und um uns geschaffen, es ging doch niemals ganz verloren. Man musste nur lernen, in größeren Dimensionen zu denken, mit weiteren Zeiträumen zu rechnen. Man sollte beginnen, sagte ich mir, nicht mehr bloß europäisch zu denken, sondern über Europa hinaus, nicht sich selbst in einer absterbenden Vergangenheit begraben, sondern teilhaben an ihrer Wiedergeburt.“

Doch wie weit er sich von Europa auch entfernt, dessen Schicksal geht mit ihm. Die Nachrichten versorgen ihn immerfort mit Katastrophenmeldungen aus der alten Heimat. Österreich wird schließlich von Deutschland annektiert, womit gleichzeitig die Tschechoslowakei fallen und Hitler damit der Balkan offenstehen wird. Zweig sah und sieht die Katastrophe „unvermeidlich“ kommen:

„Hunderte Male am Morgen in all jenen Jahren, während die andern zuversichtlich nach der Zeitung griffen, habe ich mich innerlich vor der Schlagzeile gefürchtet: Finis Austriae. Ach, wie hatte ich mich selbst betrogen, als ich mir vortäuschte, ich hätte mich längst losgelöst von seinem Schicksal! Ich litt von ferne seine langsame und fiebrige Agonie täglich mit – unendlich mehr als meine Freunde im Lande, die sich selber betrogen mit patriotischen Demonstrationen, und deren einer dem andern täglich versicherte: ‚Frankreich und England können uns nicht fallen lassen. Und vor allem Mussolini wird es nie erlauben.‘ Sie glaubten an den Völkerbund, an die Friedensverträge wie Kranke an Medizin mit schönen Etiketten. Sie lebten sorglos und glücklich dahin, indes ich, der deutlicher sah, mir das Herz zersorgte (…) [I]ch hatte zuviel Geschichte gelernt und geschrieben, um nicht zu wissen, dass die große Masse immer sofort zu der Seite hinüberrollt, wo die Schwerkraft der momentanen Macht liegt.“

Wäre es da nicht schön, aus dem ewigen Hamsterrad der politischen Zwangs- und Gewaltherrschaften mitsamt permanenter Bevormundung, Gängelung und willkürlicher Gesetzesauslegung und -anwendung irgendwann einmal auszubrechen? Ob sich je eine kritische Masse ergeben wird, in die an und für sich nicht wirklich komplizierte, ethisch-moralische Erkenntnisse einsickern, wonach kein Zweck Zwang und Gewalt rechtfertigt? Ich glaube nicht mehr daran. Ich glaube auch nicht (mehr) an den Erfolg von Aufklärung. Die Massen scheinen glücklicher ohne. Zweig nach seinem endgültig letzten Besuch der alten Heimat vor Ausbruch des Weltkrieges:

„Aber vielleicht waren sie im letzten Sinne weiser als ich, all diese Freunde in Wien, weil sie alles erst erlitten, als es wirklich geschah, indes ich das Unheil im Voraus schon phantasiehaft erlitt und im Geschehen dann noch ein zweites Mal. Immerhin – ich verstand sie nicht mehr und konnte mich ihnen nicht verständlich machen. Nach dem zweiten Tag warnte ich niemanden mehr. Wozu Menschen verstören, die sich nicht stören lassen wollten? (…) 1938, nach Österreich, war unsere Welt schon so sehr an Inhumanität, an Rechtlosigkeit und Brutalität gewöhnt wie nie zuvor in Hunderten Jahren.“

Aus der Seele spricht mir Zweig auch dann, wenn er den sich offenbar niemals ändernden Irrsinn von Bürokratie auseinandernimmt, welche unbarmherzig und bar jeder Vernunft oder Verhältnismäßigkeit auf die harmlosen Bürger angewandt wird, während tatsächliche Gauner, deren Erfassung sicherheitstechnisch tatsächliche Dringlichkeit erforderte, Schlupflöcher nutzen, bisweilen sogar gar nichts dergleichen über sich ergehen lassen brauchen. Die Anständigen hingegen arbeiten sich durch Papierberge, Behörden und Ämter, die allesamt nur „Kleinigkeiten“ benötigen. Zweig:

„Aber mit diesen sinnlosen ‚Kleinigkeiten‘ hat unsere Generation unwiederbringlich kostbare Zeit sinnlos vertan. Wenn ich [oder ich] zusammenrechne, wie viele Formulare ich ausgefüllt habe in diesen Jahren, Erklärungen bei jeder Reise, Steuererklärungen, Devisenbescheinigungen, Grenzüberschreitungen, Aufenthaltsbewilligungen, Ausreisebewilligungen, Anmeldungen und Abmeldungen, wie viele Stunden ich gestanden in Vorzimmern von Konsulaten und Behörden, vor wie vielen Beamten ich gesessen habe, freundlichen und unfreundlichen, gelangweilten und überhetzten, wie viele Durchsuchungen an Grenzen und Befragungen ich mitgemacht [heutzutage nur noch für Anständige, wie es scheint], dann empfinde ich erst, wieviel von der Menschenwürde verlorengegangen ist in diesem Jahrhundert, das wir als junge Menschen gläubig geträumt als eines der Freiheit (…) Wieviel ist unserer Produktion, unserem Schaffen, unserem Denken durch diese unproduktive und gleichzeitig die Seele erniedrigende Quengelei genommen worden! Denn jeder von uns hat in diesen Jahren mehr amtliche Verordnungen studiert als geistige Bücher, der erste Weg in einer fremden Stadt, in einem fremden Land ging nicht mehr wie einstens zu den Museen, zu den Landschaften, sondern auf ein Konsulat, eine Polizeistube, sich eine ‚Erlaubnis‘ zu holen. Wenn wir beisammensaßen, dieselben, die früher Gedichte Baudelaires gesprochen und mit geistiger Leidenschaft Probleme erörtert, ertappten wir uns, dass wir über Affidavits und Permits redeten, und ob man ein Dauervisum beantragen solle oder ein Touristenvisum; eine kleine Beamtin bei einem Konsulat zu kennen, die einem das Warten abkürzte, war im letzten Jahrzehnt lebenswichtiger als die Freundschaft eines Toscanini oder eines Rolland. Ständig sollte man fühlen, mit freigeborener Seele, dass man Objekt und nicht Subjekt, nichts unser Recht und alles nur behördliche Gnade war.“

Etwas später, nachdem er London vorerst in Richtung Bath verlassen sollte, schlägt er in eine ähnliche Kerbe, indem er das Wesen des bürokratie-fetischistischen Staates, bewusst oder unbewusst, offenlegt:

„Da war man, ein wacher, denkender, abseits von allem Politischen wirkender Mensch, seiner Arbeit verschworen, und baute still und beharrlich daran, seine Jahre in Werk zu verwandeln. Und da waren irgendwo im Unsichtbaren ein Dutzend anderer Menschen, die man nicht kannte, die man nie gesehen, ein paar Leute in der Wilhelmstraße in Berlin, am Quai d’Orsay in Paris, im Palazzo Venezia in Rom und in der Downing Street in London, und diese zehn oder zwanzig Menschen, von denen die wenigsten bisher besondere Klugheit oder Geschicklichkeit bewiesen, sprachen und schrieben und telefonierten und paktierten über Dinge, die man nicht wusste. Sie fassten Entschlüsse, an denen man nicht teilhatte, und die man im Einzelnen nicht erfuhr, und bestimmten damit doch endgültig über mein eigenes Leben und das jedes anderen in Europa.“

Trost findet Zweig in Gesprächen mit Sigmund Freud (1856-1939), der noch ein Jahr im englischen Exil verbringt, bevor er Sterbehilfe in Anspruch nimmt. Zweig:

„Ich hatte in jenen Stunden mit Freud oftmals über das Grauen der hitlerischen Welt und des Krieges gesprochen. Er war als menschlicher Mensch tief erschüttert, aber als Denker keineswegs verwundert über diesen fürchterlichen Ausbruch der Bestialität. Immer habe man ihn, sagte er, einen Pessimisten gescholten, weil er die Übermacht der Kultur über die Triebe geleugnet habe; nun sehe man – freilich mache es ihn nicht stolz – seine Meinung, dass das Barbarische, dass der elementare Vernichtungstrieb in der menschlichen Seele unausrottbar sei, auf das Entsetzlichste bestätigt.“

Am Ende ist Zweig ernüchtert und macht sich keine Illusionen mehr bezüglich irgendwelcher diplomatischen Geschicke irgendwelcher Etatisten.

„Vergiss! sagte ich mir. Flüchte dich, flüchte dich in dein innerstes Dickicht, in deine Arbeit, in das, wo du nur dein atmendes Ich bist, nicht Staatsbürger, nicht Objekt dieses infernalischen Spiels, wo einzig dein bisschen Verstand noch vernünftig wirken kann in einer wahnsinnig gewordenen Welt.“

Etwa ein Jahr später sollte sich einer der begnadetsten Erzähler aller Zeiten, endgültig durch den Wahnsinn der Welt niedergestreckt – genauer Europas –, zusammen mit seiner Frau das Leben nehmen.

Die letzte Gänsehaut und Parallele ergibt sich für den einen oder anderen Leser bei der Lektüre seines Abschiedsbriefes, in dem es heißt:

„Ehe ich aus freiem Willen und mit klaren Sinnen aus dem Leben scheide, drängt es mich eine letzte Pflicht zu erfüllen: diesem wundervollen Lande Brasilien innig zu danken, das mir und meiner Arbeit so gute und gastliche Rast gegeben. Mit jedem Tage habe ich dies Land mehr lieben gelernt und nirgends hätte ich mir mein Leben lieber vom Grunde aus neu aufgebaut, nachdem die Welt meiner eigenen Sprache für mich untergegangen ist und meine geistige Heimat Europa sich selber vernichtet.

Aber nach dem sechzigsten Jahre bedürfte es besonderer Kräfte um noch einmal völlig neu zu beginnen. Und die meinen sind durch die langen Jahre heimatlosen Wanderns erschöpft. So halte ich es für besser, rechtzeitig und in aufrechter Haltung ein Leben abzuschliessen, dem geistige Arbeit immer die lauterste Freude und persönliche Freiheit das höchste Gut dieser Erde gewesen.

Ich grüsse alle meine Freunde! Mögen sie die Morgenröte noch sehen nach der langen Nacht! Ich, allzu Ungeduldiger, gehe ihnen voraus.

Stefan Zweig

Petropolis 22. II 1942“

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