Fragen der Verdammnis

Habt ihr euch je gefragt, weshalb ein Mensch am Sein zerbricht?
Glaubt ihr, der jüngste Tag, besteht aus Glut und brodelnd’ Licht?
Hofft ihr auf den Funken, der beim Verglühen den Leib verlässt?
Um doch nur zu bekunden, was uns danach den Blick benässt?

Habt ihr denn je gewollt, dass Denken uns der Nacht beraubt?
Spürt ihr den Geisteszoll, der alles, nur den Wahn nicht klaut?
Wollt ihr lieber schweigen, um heimlich nur im Kopf zu schreien?
Oder euch verneigen, vor Gott, dem Nichts, in seinen Reihen?

Seht ihr den Sinn im Leben – wenn ja, weshalb erfolgt er nicht?
Das Nehmen und das Geben – nur Taktik, die ein Heil verspricht?
Seht ihr den Sinn im Leben – falls nein, weshalb verheilt er nicht?
So unnütz, alles Streben – nur Taktik, die die Zeit besticht?

Vergesst ihr manchmal auch, den Alltag zu ertragen?
Und diesen Schmerz im Bauch, entstanden durch Wehklagen?
Erscheint es euch gerecht, unendlich ewig fort zu sein?
Was ist Traum, was echt? Wer macht aus Tränen uns’ren Wein?

Hört ihr dieses Ticken, das voll Hast durch Venen stürmt?
Lässt jenes uns ersticken, bevor es vor der Fairness türmt?
Liegen Seelen brach, um solch Ticken still zu lauschen?
Wer entgeht der Schmach, das Leben gegen nichts zu tauschen?

Seht ihr den Sinn im Sterben – wenn ja, weshalb verzögert man?
Den Griff nach scharfen Scherben – als Chance für den Untergang?
Seht ihr den Sinn im Sterben – falls nein, weshalb begehrt ihr nicht?
Den Hass auf das Verderben – als Schutz vor dem, was nie erlischt?

Wann leuchten alle Sonnen, die zum Dessert Planeten speisen?
Sind Welten uns gesponnen, zu denen wir trotz allem reisen?
Denkt ihr, der Mensch verweht, um alles dann erneut zu starten?
Was ist es, das entsteht, nach dem Ausmaß uns’rer Taten?

Sei uns ein Tod verdient, der jeden ohne Qual einpackt?
Bleibt Kummer ungesühnt, weil Eden jede Psyche knackt?
Verläuft Hoffnung im Sande, um nie noch einmal aufzutauchen?
Verschlingt die Flut die Lande, auf dass wir tief im Meer ersaufen?

Seht ihr den Sinn an sich – wenn ja, im Selbstbetrug?
Erklärt ihr dieses Gift am Ende noch für klug?
Seht ihr den Sinn an sich – falls nein, wer ist erfreut?
Hat fremdes, fernes Licht denn keinen überzeugt?

(Juni 2008, aus: Lyrik über alles und nichts)

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