Buchrezension: Frank Jordan – Der Fonds: Kein Fall für Schlafschafe

Heutzutage auf Schriftsteller, insbesondere Romanciers, zu stoßen, die sich dem seit nunmehr vielen Jahren immer exzessiver verdichtenden Gratismut-Zeitgeist widersetzen und unbeirrt den Finger in die Wunde legen, ist schwierig. Jene, die ihr offenkundiges Talent ihrer ethisch-moralischen Grundhaltung, ihrem Gewissen, und nicht (des Abkassierens wegen) der jeweils vorherrschenden Staatsdoktrin unterordnen, wohl wissend, im einflussreichen, „großen“, größtenteils leviathanhörigen Verlagswesen, über dem stets das Damoklesschwert der shitstormerischen politischen Korrektheit schwebt, keinen Blumentopf gewinnen zu können. Da besagte Verlage aber wenigstens den Anschein wahren müssen, scheinbar „kritischen“ Stimmen eine Plattform zu bieten, lügen sie ihre System-Zugpferde bisweilen kurzerhand als genau das zurecht. (So beispielsweise Michel Houellebecq, der zudem allen Ernstes von sich behauptet, nachdem es längst der Realität entspricht: „Wer mich vereinnahmen will, ist noch nicht geboren.“)

Wie auch immer. Alle Jubeljahre mischt sich im tatsächlich kritischen sowie mutigen, d.h. die individuelle Freiheit auf Basis von Selbstbestimmung verteidigenden Literaturbetrieb auch eine selbstbewusste Frau unter die sowieso schon rar gesäten Antikollektivisten. „Frank Jordan“ alias Monika Hausammann ist erfreulicherweise eine jener wirklich (!) authentischen und unbeirrbaren Autorinnen, deren schreiberische Berufung dem Leser förmlich auf jeder Seite mit einer Energie entgegen strahlt, die ihresgleichen sucht. So reiht sie sich in jüngerer bis jüngster Geschichte nach meinem Dafürhalten in eine kostbare Riege ein, zu der ich auch Ayn Rand und Susanne Kablitz (sie mögen beide in Frieden ruhen) rechnen möchte.

Eigentlich zählen Thriller – schon gar nicht in diesem Umfang – nicht wirklich zu meinem bevorzugten Lesemetier, doch in diesem Fall liegt eine der sprichwörtlichen Ausnahmen von der Regel vor. Mit viel Sprachwitz, fachlichem Hintergrundwissen bzw. tiefgreifenden ökonomischen Kenntnissen sowie Liebe zum Detail zeichnet die Autorin hier auf 600 Seiten eine hochkomplexe Achterbahnfahrt, die trotz der anspruchsvoll-aufklärerischen Note (insbesondere hinsichtlich Betriebs- und Volkswirtschaft – Gebiete, die dem deutschen Michel genauso fremd wurden wie widerspruchsfreie, ethische Grundsätze) überwiegend unterhaltsam bleibt:

„(…) Ludwig hatte sich nie entscheiden können, welche Tatsache an Irrsinn und Arroganz die andere toppte: die politisch erzwungene Außerkraftsetzung makroökonomischer Regeln, oder aber die Fähigkeit und der Wille großer und kleiner Marktteilnehmer, an das widernatürliche Konstrukt zu glauben und sich dem Glauben entsprechend zu verhalten (…)“

Prädikat: Besonders wertvoll – erst recht in Zeiten, in denen brandgefährliche EU(dSSR)-Bürokraten zum x-ten Male ihre (in der Geschichte bereits hundertfach gescheiterten) Turbosozialismus-Fantasien mittels Zwang und Gewalt umzusetzen gedenken.

(5/5)

(Diese Rezension erschien zunächst hier.)

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