Buchrezension: Heinrich Böll – Die verlorene Ehre der Katharina Blum: Durchschnittlich

Ich sage es offen heraus: Ich persönlich hatte mir von einem Literaturnobelpreisträger mehr erwartet, sowohl inhaltlich als auch sprachlich. Das Buch (im Übrigen das Werk von Böll, welches sich am häufigsten verkaufte) hat zweifelsohne seine starken Momente, v.a. dann, wenn Böll versucht, den Leser anhand nachvollziehbarer Emotionen in seinen Bann zu ziehen. Leider geschieht das für meinen Geschmack zu selten und selbst wenn, wirkt der Erzählstil größtenteils zu distanziert, ja, zu steril, bisweilen „abgehackt“.

Die „Message“ der Erzählung ist vor dem Hintergrund eines (nach wie vor existierenden) Schmieren- und Denunzierungsjournalismus meiner Meinung nach eine nach wie vor notwendige und richtige, heute – im Zeitalter zunehmend (pseudo)bunt-sozialistischer Gleichschaltung – womöglich sogar noch notwendiger als in den 70er Jahren.

Allein die Umsetzung sagte mir persönlich nur bedingt zu. Stilistisch mag es daran liegen, dass ich zuvor sehr viel Stefan Zweig gelesen hatte, dessen Schreibniveau Böll nicht einmal ansatzweise erreicht(e). Bei „Katharina Blum“ geht es weniger um die Aufdeckung eines Verbrechens, als vielmehr um die Erklärung desselbigen, wodurch die Erzählung spannungstechnisch beispielsweise auch nicht – oder ebenfalls nur bedingt – mit genreähnlichen Werken mithalten kann, allen voran sei hier Dürrenmatt als Beispiel genannt.

Alles in allem dennoch ein recht unterhaltsamer Schmöker mit wichtiger Kritik am gesellschaftlichen (und nach wie vor aktuellen) Zeitgeschehen, aber keinesfalls ein Meisterwerk.

(3/5)

(Diese Rezension erschien zunächst hier.)

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