Vielvölkerstaat? Nein, danke!

„Wehe dem, der glaubt, man könne Europa etwa zentralstaatlich zusammenfassen, oder man könne es unter eine mehr oder minder ausgeprägte zentrale Gewalt stellen. Nein – dieses Europa hat seinen Wert auch für die übrige Welt gerade in seiner Buntheit, in der Mannigfaltigkeit und Differenziertheit des Lebens.“
(Ludwig Erhard)

Unnötig zu erwähnen, dass Erhard den Begriff „Buntheit“ in diesem Zusammenhang nicht in der pervertierten Form von heute gebrauchte, sondern von einer natürlichen, d.h. spontan entstehenden Form sprach, die sich genau dann entwickelt (und tatsächlich bereichert), wenn Menschen eigenverantwortlich und selbstbestimmt leben, also ohne einen alles regulierenden Nanny-Staat, und Politik demzufolge so wenig wie möglich (am besten überhaupt nicht) in das Leben von Bürgern „hineinpfuscht“. Kurz: Wenn die Situation das exakte Gegenteil von heute ist.

Unter der Voraussetzung, dass mit dem Begriff „Volk“ verschiedene, sich teilweise überschneidende Gruppen von Individuen gemeint sind, die aufgrund einer gemeinsamen Sprache und vieler weiterer, bestimmter kultureller Gemeinsamkeiten und Beziehungen sowie zahlreicher Verwandtschaftsgruppen miteinander verbunden sind, ist die Frage, warum ein zwangskonstruierter Vielvölkerstaat noch destruktiver ist als ein zwangskonstruierter Nationalstaat, eine recht interessante. (Die nächste Frage wäre sodann freilich, warum sezedierte Gemeinden (s.u.) einem „Nationalstaat“ überlegen sind, aber der Zug ist vor dem Hintergrund der objektiven Realität abgefahren, wie es scheint.)

Man könnte nun seitenlang darüber referieren, wieso die „kleinere Version“ der „größeren Version“ in der Theorie überlegen ist. Dazu müsste heutzutage natürlich auch in aller Deutlichkeit darauf hingewiesen werden, dass die Ablehnung eines „Vielvölkerstaates“ mitnichten Geringschätzung, Verachtung oder – bedauerlicherweise längst eine reflexartig wie absurde Unterstellung – Rassismus impliziert. Ferner müsste klargestellt werden, dass jene Ablehnung in keinster Weise „Abschottung“ (treffender wäre Abgrenzung), schon gar nicht in marktwirtschaftlicher Hinsicht bedeutet, sondern stattdessen ein Argument für die Rückkehr zum „Nationalstaat“ in der tatsächlichen (nicht utopischen) Bewahrung kultureller Identitäten besteht, sofern man derlei für wichtig oder schützenswert erachten sollte.

„Die sogenannte europäische Idee“, stellt Michael Klonovsky richtigerweise fest, „bestand ursprünglich darin, den über Jahrhunderte in blutige Konflikte verstrickten Kontinent, dessen Nationen sich in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts bis in die geopolitische Bedeutungslosigkeit gegenseitig demoliert hatten, zu befrieden, zu versöhnen und die ehemaligen Feinde in Partner zu verwandeln. Nie hätten die Gründer der EU, hätte ein de Gaulle oder ein Adenauer gedacht, dass ihre Idee der Aussöhnung in den wüstesten Zentralismus in der Geschichte ihres Kontinents führen würde. Nie hätten sie sich alpträumen lassen, dass führende Funktionäre dieses Gebildes wie Frans Timmermans, der Vizepräsident der EU-Kommission, versuchen würden, die bunten europäischen Völker in eine graue multikulturelle Gesellschaft, die vielfältigen nationalen Kulturen in eine einheitliche Superkultur zu verwandeln. Nie hätten sie sich schwanen lassen, dass linke und neoliberale antirassistische Rassisten von der Umwandlung der europäischen Völker in eine homogene Mischethnie träumen und den Barbaren die Tore öffnen würden (gewiss, ein Richard Coudenhove-Kalergi hatte solche Visionen schon in der Zwischenkriegszeit, und Oswald Spengler umgekehrt auch, doch das waren Außenseiter).“

Doch im Grunde sind alle Erklärungen, warum Nationalstaaten zumindest künstlich herbeigeklempnerten Vielvölkerstaaten vorzuziehen sind, unnötig. Warum? Da es neben der Theorie die (flächendeckend ignorierte) Praxis auf Basis historischer Objektivität gibt. Und was zeigt uns diese Praxis respektive Geschichte des Vielvölkerstaates?

Dass noch jeder blutig zerfallen ist!

Die Habsburgermonarchie (mit ihren ständigen Unruhen durch Ungarn und Serben u.a.), die aus ihr folgenden Vielvölkerstaaten Jugoslawien und Tschechoslowakei – immer gab es Terrorismus, blutige Fehden, Unruhen, Gewalt. War nicht der Erste Weltkrieg eine Folge instabiler, zerfallender Vielvölkerreiche?

Wie verhielt es sich mit dem Osmanischen Reich, deren Verfall schließlich selbst durch die x-te „Reform“ nicht mehr aufzuhalten war?

Wie lange hat – trotz eiserner Knute durch Stalin und die Kommunisten – der Vielvölkerstaat „Sowjetunion“ gehalten? Wie lange die Nachfolgestaaten des Habsburgerreiches, welche ebenfalls „Vielvölkerstaaten“ waren? Tschechoslowakei, Jugoslawien?

Was ist mit Indien? Kracht es dort nicht ebenfalls am laufenden Band? Herrschen dort etwa nicht ethnische sowie religiöse Unruhen (Stichwort: Pakistan, Bangladesch)?

„Ja, aber die Schweiz!“, kommt gerne als Einwand und Beispiel für einen rundum gelungenen Vielvölkerstaat.

Dazu eine Frage: Welche „Völker“ verstehen sich denn in der Schweiz angeblich so gut miteinander? Meinen Personen, die diesen Einwand bringen, etwa, dort existier(t)e je ein „Volk“ der Italiener, Franzosen und Deutschen oder derer noch mehr? Von wegen! Die Schweizer waren immer schon Schweizer, egal unter welcher Herrschaft. Und mögen sie früher Helvetier geheißen haben, sie waren stets homogen. Der geneigte Geschichtsinteressierte kann dies schon bei Julius Cäsar nachlesen.

Ganz anders beispielsweise bei den Belgiern. Belgien würde als Beispiel wesentlich besser passen: Hier trennen sich voraussichtlich bald zwei „Völker“, die Wallonen und die Flamen. In Großbritannien ähnlich: Hier gehen in absehbarer Zeit vermutlich die Schotten. Die Nordiren wollen auch nicht bleiben.

Wie sieht es mit Spanien und Katalonien aus?

Was ist mit dem Kosovo?

Oder Norditalien?

Habe ich etwas vergessen? Ach ja, die Bayern und die Kärntner gibt es auch noch. „Drohungen“ bzgl. Abspaltung sind evident. Oder Südtirol: Dort gab es in den 60er Jahren Anschläge, weil das eben Tiroler sind und keine Italiener. Usw. usf.

Betrachtet man sich den Roten (Versagens-)Faden hinsichtlich all jener künstlich herbeigeklempnerter Zwangsmonsterstaatsgebilde, in denen stets gegen eine der natürlichsten Begebenheiten menschlicher Natur verstoßen wurde und wird – nämlich diese zu internieren bzw. in ein künstliches Kollektiv zu pressen – bleibt einem schier nichts anderes übrig als den wieder- und wieder- und wiederkehrenden, gleichsam krösusartigen wie anmaßenden „Vielvölkerstaaten“ Friede, Freude und Eierkuchen attestieren zu müssen. Nicht.

Tatsächlich handelt es sich um eine Chimäre. Eine Lüge. Ein Luftschloss. Eine Dummheit, die nicht gescheiter wird, wenn man sie ständig wiederholt. Was war einst mit Woodrow Wilsons 14 Punkten? Hatte man das „Selbstbestimmungsrecht“ der Völker beachtet? Nein. Die Folge: Ein gewaltiger Weltkrieg.

Der brillante, staatskritische, die Wirkungsweisen des Kapitalismus exzellent beschreibende (und deshalb weitestgehend ignorierte) Ludwig von Mises, der das systemimmanente Scheitern aller Formen des Sozialismus bereits in den 1920er Jahren stichhaltig und unwiderlegbar nachwies (u.a. zur selben Zeit das Ende der Sowjetunion aufgrund ökonomischer Sachkenntnisse auf exakt die Zeit datierte, in der sie letztlich zusammenbrach), schrieb diesbezüglich:

„Kein Volk und kein Volksteil soll wider seinen Willen in einem Staatsverbande festgehalten werden, den es nicht will.“

Und weiter:

„Das Selbstbestimmungsrecht in Bezug auf die Zugehörigkeit zum Staate bedeutet also: wenn die Bewohner eines Gebietes, sei es einen einzelnen Dorfes, eines Landstriches oder einer Reihe von zusammenhängenden Landstrichen, durch unbeeinflusst vorgenommene Abstimmungen zu erkennen gegeben haben, dass sie nicht in den Verband jenes Staates zu bleiben wünschen, dem sie augenblicklich angehören, sondern einen selbständigen Staat bilden wollen oder einen anderen Staate zuzugehören wünschen, so ist diesem Wunsche Rechnung zu tragen. Nur dies allein kann Bürgerkriege, Revolutionen und Kriege zwischen den Staaten wirksam verhindern.“

Dass Sezession von Gesellschaft und Staat nicht nur wichtig, sondern unabdingbare Prämisse für ein friedfertiges Zusammenleben, kurzum Zivilisation bedeutet, war und ist in diesem Zusammenhang ein evidenter Fakt, der trotz weiterer Jahrhunderte flächendeckenden Ignorierens evident bleiben wird.

Nun, auch der – gefühlt – hundertfünfzigste Versuch eines kollektivistischen (und diesmal künstlich „bunten”) Zwangsvielvölkerstaates in Form der EU(dSSR) – nebenbei der feuchte Traum der Nationalsozialisten (hier dargelegt) – wird mit Sicherheit nichts als Freiheit mit sich bringen.

Nietzsche, Goethe, Schiller und Co. würden allesamt im Grabe rotieren, wüssten sie vom kulturellen Hochverrat an ihrer Heimat.

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