Buchrezension: George Orwell – Farm der Tiere: Von Schweinen regiert. Treffend.

Das Schreiben von Fabeln, in denen Tiere die Rollen und Charaktereigenschaften von Menschen übernehmen, ist seit rund 5000 Jahren ein bewährtes Mittel zur Kritik an unsäglichen Zuständen, welche sich wiederum durch Herrschaft von Menschen über Menschen (bzw. den Aberglauben an deren Notwendigkeit) ergeben.

„Farm der Tiere“ von George Orwell ist ein zeitloser Klassiker und nicht etwa nur zufällig gerade jetzt „aktueller denn je“, wie man oft hört, sondern aufgrund des sich stetigen Festklammerns an unethischen, da in sich vollkommen widersprüchlichen Herrschaftsstrukturen nach wie vor „brandaktuell“. Zielte die Schrift in erster Linie auf den Sowjetkommunismus ab, in dem, wie in allen sozialistisch-kommunistischen Regimes, die Herrscher wie die Made im Speck leben, während das restliche „Volk“ unter einfachsten und z.T. kargen Verhältnissen dahin vegetiert, so ist das Buch meiner Ansicht nach durchaus auch als allgemeine Herrschaftsparabel interpretierbar.

Aus dem Nachwort:

„Falls Freiheit überhaupt irgendetwas bedeutet, dann bedeutet sie das Recht darauf, den Leuten das zu sagen, was sie nicht hören wollen.“

In der Tat. Und handelt es sich dabei auch noch um unangenehme Wahrheiten bzgl. Staats- und Herrschaftsstrukturen, ist die Zensur als zwingender Bestandteil totalitärer Unrechtsregimes niemals weit. Das nur am Rande.

Zum einen zeigt dieser großartige Fabel-Roman in angenehmer Sprache auf, wie Herrscher und Beherrschte in unterschiedlichen Welten leben. „Regierende“, „Regierungsbeamte“ und Bürokraten – trefflich durch Schweine verkörpert – sowie roboterhaft agierende und nichts hinterfragende Steigbügelhalter („Exekutive“) des Systems – trefflich durch angsteinflößende Hunde verkörpert – sind „gleicher“ als alle restlichen Tiere der Farm, leben als Einzige unproduktiv vom mühsam Erwirtschafteten ihrer Sklaven, ändern, beugen oder löschen „Gesetze“, wie es ihnen in den Kram passt und nehmen Leid und Tod, weil quasi „alternativlos“, schulterzuckend in Kauf. Bei der Stange halten sie das (Wahl-)Vieh durch fein austarierte und permanente Propaganda und Lügen, welche von hirngewaschenen Systemmedien – u.a. durch alles niederblökende Schafe verkörpert – täglich und immer exzessiver verbreitet werden. Klingelt da was? Eben.

Noch wesentlich spannender jedoch ist zum anderen jener Umstand, dass sich das gedemütigte Arbeitsvieh („Volk“) all das gefallen lässt. Hier und da kommen zwar mal ein leichtes Unbehagen und Anflüge von Zweifel auf, diese werden aber umgehend durch Propaganda und dumpfe Parolen zerstreut (Zwangsherrschaft sei nun einmal „völlig normal“ und man bedenke nur, was los wäre, wenn die parasitäre und nutzlose Herrscherclique im wahrsten Sinne des Wortes vom Hof gejagt werden würde). Hier greift der berühmte Satz von Goethe, wonach „niemand mehr Sklave sei als der sich für frei hält, ohne es zu sein.“

Im Endeffekt bekommt jedes „Volk“ demnach nur, was es verdient. Tragisch ist es nur für jene, die all den Unsinn durchschauen, fortan „verdammt“ sind, ein Leben lang gegen die sprichwörtlichen (desinteressierten) Windmühlen anzureden und aufgrund gewaltmonopolistischer Zwangsstrukturen nur von (Steuer-)„Farm“ zu (Steuer-)„Farm“ wechseln können, nicht etwa von (Steuer-)„Farm“ in sezedierte, individuell gestaltete Gebiete.

5/5

(Diese Rezension entstand zunächst hier.)

Ein Kommentar zu „Buchrezension: George Orwell – Farm der Tiere: Von Schweinen regiert. Treffend.

  1. Zu meiner Jugendzeit wurde das Buch sogar in der Schule gelesen. Ich glaube heute wird man das nicht mehr machen, weil die Gefahr besteht, dass zu viele die Ähnlichkeiten mit der Wirklichkeit entdecken.

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