Buchrezension: Michel Houellebecq – Unterwerfung: Nur ein weiteres Stückchen Zeitgeist und Entklärung – erzählerisch verpackt

Ich hätte auf mein Bauchgefühl, d.h. innere „Unsinnsdetektoren“ hören sollen. Wenn sich mittlerweile nämlich die – traurigerweise muss es so deutlich gesagt werden – Einheitsbrei-Mainstream-Medien in ihrer gleichgeschalteten Lobhudelei schier überschlagen, was die Qualität eines „politischen Buches“ betrifft, so ist das i.d.R. ein Indiz dafür, dass es sich um nichts anderes als die völlig unriskante, dabei aber im Gewand der (Schein-)Kontroverse daherkommende Zurschaustellung langweiligen Gratismutes handelt, die vor dem Hintergrund der Entklärung dreist als glattes Gegenteil verkauft wird.

Im Falle des vorliegenden Romans „Unterwerfung“ von Michel Houellebecq ist dies nach meinem Dafürhalten (einmal mehr) der Fall. Nichts ist hier „politisch unkorrekt“, im Gegenteil. Die regelmäßige Darstellung irgendwelcher Oral- und Analsex-Abenteuerchen macht noch lange kein „politisch unkorrektes“ Werk aus. (Die korrekte Bezeichnung hierfür ist schlichtweg Pornographie.)

Mit großen Erwartungen und voller Neugierde bin ich an dieses Werk herangetreten. Nach zwei Tagen hatte ich die Geschichte über den nicht gerade wenige französische Klischees bedienenden Protagonisten namens Francois, welcher als Literaturdozent zwar nur einen Tag pro Woche arbeitet, dafür aber fürstlich entlohnt wird, hinter mir. Nicht, weil sie so unglaublich fesselnd wäre, sondern da ich während der gesamten Lektüre dachte, es müsse doch endlich mal irgendwas Aufregendes passieren, das über versoffene Bums-Episödchen mit diversen Studentinnen sowie (zumindest für mich) größtenteils langweilige Joris-Karl-Huysmans-Untersuchungen hinausgeht.

Oder anders: Es handelt sich schlichtweg um eine inhaltliche Mogelpackung. Denn das, was der Klappentext beschreibt, sprich die islamische Unterwerfung Frankreichs, ist maximal eine Fußnote und wird in den sehr raren Momenten – da sind wir wieder beim aktuellen Gratismut-Zeitgeist – vollkommen widersprüchlich, unkritisch und natürlich relativierend dargelegt: An einer Stelle gibt der stets zwischen existenziellem Vollversagen und sexuellem Narzissmus pendelnde Professor einerseits zwar zu, quasi so gut wie nichts über den Islam zu wissen, einige Seiten später sind ihm dann aber andererseits plötzlich alle – selbstverständlich vollkommen rationalen – „Argumente“ zur Durchsetzung der Scharia bekannt. Frankreich wird frauentechnisch allgemeinhin auf Nutten und Studentinnen reduziert, die einzige erwachsene Akademikerin verschwindet nach der Machtergreifung der „Bruderschaft der Muslime“ innerhalb kürzester Zeit aus dem Universitätsbetrieb und fristet stattdessen als Erst-, Zweit-, Dritt- oder Viertfrau ein Dasein als heimische Köchin, den Ehemann fortan unter anderem mit einer 15-jährigen, weiteren Ehefrau teilend.

Was haben wir noch? Die tendenziell Bösen sind selbstredend irgendwelche „Identitären“ (welch „mutige“ Einschätzung aber auch, vor allem ja so unglaublich „gegen den Strom“), der neue muslimische Präsident aus den Reihen der „Bruderschaft der Muslime“ hingegen strahlt charmanter und gewitzter als alle anderen hervor und kommt dabei quasi einem polit-strategischen Supergenie gleich, auf dass nicht eine einzige Person auch nur ein kritisches Wort verliert. Widerstand? Chaos? Hitzige Diskussionen? Fehlanzeige. Wieder: Wie „mutig“ aber auch.

„Nichts für intellektuelle Feiglinge“ deliriert u.a. „Zeit Online“ hinsichtlich dieses Buches. Dass ich nicht lache. Eine intellektuelle, d.h. kritische, das Für und Wider sorgsam abwägende, argumentative Auseinandersetzung findet nicht statt. Stattdessen impliziert das Buch den üblichen Einheitsbrei: Der Westen, der u.a. aus Gründen der Säkularisierung seine Identität verlor und für den exemplarisch ein gelangweilter, frustrierter, seelenloser und nicht zuletzt unsympathischer Literaturprofessor steht, welcher abgesehen von seinem Wissen über Huysmans so wirkt, als könne er sich nicht einmal selbst die Schuhe binden, ist doof und aggressiv, von daher biete sich – als Kontrast – eine neue, kulturelle Chance auf Basis des ach so progressiv anmutenden Korans (!) sowie dem quasi als Synonym für Liebe stehenden Propheten Mohammed. Dass es sich beim Koran in Wahrheit um ein mittelalterliches Hass-Buch mit über 200 direkten und indirekten Anstachelungen zur Gewalt handeln könnte und der „liebevolle“ Prophet nicht viel eher ein pädophiler, hochaggressiver Judenschlächter war? Nicht der Untersuchung wert. Das nenne ich Realismus.

Monsieur Houellebecq hätte neben etlichen französischen Schriftstellern, die er hier und da ins Feld führt, vielleicht auch ein wenig Voltaire, seines Zeichens meistgelesener und einflussreichster Autor der französischen und europäischen Aufklärung, studieren können, der bereits 1740 an Friedrich II schrieb:

„Der Koran lehrt Angst, Hass, Verachtung für andere, Mord als legitimes Mittel zur Verbreitung und zum Erhalt dieser Satanslehre, er redet die Frauen schlecht, stuft Menschen in Klassen ein, fordert Blut und immer wieder Blut. Doch dass ein Kamelhändler in seinem Nest Aufruhr entfacht, dass er seine Mitbürger glauben machen will, dass er sich mit dem Erzengel Gabriel unterhielte; dass er sich damit brüstet, in den Himmel entrückt worden zu sein und dort einen Teil jenes unverdaulichen Buches empfangen zu haben, das bei jeder Seite den gesunden Menschenverstand erbeben lässt, dass er, um diesem Werke Respekt zu verschaffen, sein Vaterland mit Feuer und Eisen überzieht, dass er Väter erwürgt, Töchter fortschleift, dass er den Geschlagenen die freie Wahl zwischen Tod und seinem Glauben lässt: Das ist nun mit Sicherheit etwas, das kein Mensch entschuldigen kann, es sei denn, er ist als Türke auf die Welt gekommen, es sei denn, der Aberglaube hat ihm jedes natürliche Licht des Verstandes erstickt.”

Stattdessen wird das letzte Kapitel mit einem Zitat von Ayatollah Chomeini eingeleitet, das da lautet: „Wenn der Islam nicht politisch ist, ist er nichts.“ Das stimmt sogar, allerdings folgt bis zuletzt keinerlei kritische Auseinandersetzung, die beispielsweise den Umstand thematisieren könnte, dass der Islam keine Trennung von Religion und Staat vorsieht. Für kommende Auflagen schlage ich noch ein paar weitere Chomeini-Zitate vor, die kritiklos im Raum stehen könnten:

– „Wenn es um 100 Menschen geht und drei davon in Verdacht geraten sind, bringt alle 100 um.“

– „Und wenn auch 50.000 Menschen umgebracht werden, die Herrschaft der Geistlichen muss hier errichtet werden.“

– „Jeder, der den Gesandten Gottes (=Mohammad) verrät, jeder, der die führenden Imame (= die 12 Imame der Schiiten) verrät, muss ermordet werden.“

– „Wer sich über einen echten Gläubigen lustig macht, der macht sich über den Islam lustig. Wenn er das mit Absicht getan hat, ist er von seinem Wesen her ein Gegner Gottes und seine Frau ist für ihn haram (er darf sie also nicht berühren), sein Eigentum ist unter den Erben aufzuteilen und er selbst muss getötet werden.“

Fazit: Abgesehen von ein paar netten Aphorismen bot mir das Buch nichts. Der Buchtitel ist nach Lektüre nicht als Mahnung aufzufassen, sondern (nach meinem Verständnis) als Empfehlung. Nein, danke, aber vorher ziehe ich, wie eine der sexuellen Spielgefährtinnen des Hauptakteurs, lieber nach Israel.

(1/5)

(Diese Rezension erschien zunächst hier.)

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