Auf dem Weg in den Untergrund oder: Neues von der Meinungsfreiheit 2.0

Mai 2017: Mittlerweile erfahre ich im Wochenrhythmus von Zensur, Facebook-Sperren und Anzeigen bzgl. Bekannter, die sich online des „Vergehens“ der „falschen Meinung“ strafbar machten und demzufolge von strammen Meinungsfaschisten, buntbürgerlichen Bessermenschen etc. angeschwärzt wurden. Letztere wiederum sind mittlerweile soweit in ihrem Wahn fortgeschritten, dass sie den für jeden unlobotomierten Zeitgenossen nur als peinlich und lachhaft einzustufenden Gratismut-Kreuzzug zur heiligen Staatsraison doppelstandardisierten. Denn:

„Es liegt in der Logik der Dinge, dass letzte Menschen nur gegen einen Feind mobil machen, von dem wenig Gefahr droht. Der wohlfeile Mut der Couragierten, der Gesicht-gegen-rechts-Zeiger, der Kein-Bier-an-Nazis-Ausschenker, ist ja sofort dahin, wenn sie es mit juvenilen Testosteronbomben zu tun bekommen, die Naziparolen wie ‚Hamas, Hamas – Juden ins Gas!‘ skandieren. Ihr simulierter Schneid ist reine Kompensation. Ein Feigling tut gut daran, sich als mutig zu präsentieren, und Mut simuliert sich am leichtesten, indem man ohnehin zum Verleumdet- und Angepöbeltwerden freigegebene Gruppen mit besonderem Eifer attackiert.“ (Michael Klonovsky)

Die alte… neue… Perfidie moralamputierter Sittenwächter lautet:

„Du kannst doch sagen, was du willst, du musst danach lediglich mit möglichen Konsequenzen leben.“

Konsequenzen, die selbstverständlich nicht nur, wie oben gesehen, ausschließlich für harmlose, sondern auch für finanziell aussaugbare Personengruppen gelten. Konsequenzen in Gestalt von Zensur, Geldstrafe oder Gefängnis. Aber hey! Sagen kannst du alles. Freilich existierte dieser Logik zufolge auch unter Stalin und Co. Meinungsfreiheit. Wo ist also das Problem?

Geschichte wiederholt sich:

„Im Übrigen gilt ja hier derjenige, der auf den Schmutz hinweist, für viel gefährlicher als der, der den Schmutz macht.” (Kurt Tucholsky)

Entsprechend wurden und werden jene Hinweisenden von Unrechtsregimen anfangs diffamiert (1), dann isoliert (2), darauf interniert (3) und schließlich massakriert (4). Während jeder Phase zudem ökonomisch ausgepresst, um u.a. – quasi als Gipfel der Niedertracht und Demütigung – die gegen sich selbst gerichtete Hexenjagd „im Namen des Gesetzes, des Allgemeinwohls, der Solidargemeinschaft, der Schicksalsgemeinschaft, des Wirs“, kurzum: im Namen des Kollektivismus zu finanzieren.

Geschichte wiederholt sich mit nahezu gruselig anmutender Präzision. Ein paar Etiketten wurden ausgetauscht und überklebt, das Kernprinzip jedoch veränderte sich nicht:

„Der Grund, warum Menschen zum Schweigen gebracht werden, ist nicht, weil sie lügen, sondern weil sie die Wahrheit reden.  Wenn Menschen lügen, können ihre eigenen Worte gegen sie angewendet werden, doch wenn sie die Wahrheit sagen, gibt es kein logisches Argument, sondern als Gegenmittel nur die Gewalt.“ (Theodor Fontane)

Was verzweifelte Gratismut-Krieger, staatshörige Einheitsbrei-Lemminge und andere die Freiheit des Individuums ad absurdum führende Gesinnungsfaschisten noch nie in ihre Köpfe bekommen haben, ist die Tatsache, dass sich Gedanken, Gefühle, Meinungen und Ideen auf lange Sicht niemals unterdrücken lassen. Ja, unter Zuhilfenahme immer wieder neuer, in ethischer Hinsicht durch nichts zu rechtfertigender Gewaltmonopole sowie der mit diesen einhergehenden, gleichgeschalteten Medienpropaganda-Apparate lässt sich der auf Herrschaft basierende Unterdrückungsfetisch verkommener Subjekte (meist privat gescheiterter Existenzen) eine Weile ausleben, ja, gegen Ende sogar auf die Spitze treiben, doch Feierabend war noch immer irgendwann, sei es aus ökonomischen Gründen (kein Wahnsinn ließ sich bisher unendlich lange finanzieren), aufgrund revolutionärer Gegenbewegungen (Gewalt erzeugte noch immer Gegengewalt, manchmal früher, manchmal später) oder schlicht aus Gründen des stetig zunehmenden Abwendens fleißiger Menschen, was gleichzeitig mit o.g. ökonomischen Gründen korreliert.

Auch der x-fache Versuch eines künstlich geschaffenen, auf reiner Willkür sowie nackter Gewalt fußenden „neuen Menschen“ wird scheitern, aktuell eines gesetzlich verordneten „bunten Menschen“. So wie jedes laborartig anmutende Menschenexperiment in der Geschichte letztlich nichts als unendliches Leid, Elend, Gewalt und Abscheu verursachten, so geht auch das aktuelle bereits mit Pauken und Trompeten in die Hose, wird allerdings unter Zuhilfenahme sämtlicher Ressourcen des maximalstaatlichen Propagandapools noch intensivstationsartig am Leben gehalten. Der Zusammenbruch der gefühlt eintausendsten Sozialismusvariante kommt. So oder so. Wie immer. Ökonomische Gesetze interessieren sich nicht für die größenwahnsinnigen Kopfgeburten neomoralistischer Politverbrecher.

So kreativ die Unterdrücker in ihren restriktiven Allmachtfantasien auch immer sein mögen, und oh ja, sie sind es, genauso kreativ gebärden sich – zumindest in einigen Teilen – die Unterdrückten. Oder anders: Auch Unterdrückte werden  i m m e r  neue Wege finden, sich zu wehren, sich nicht mundtot machen zu lassen, nicht bis Ultimo die Zeche zu zahlen usw.

Auf Facebook bezogen sieht das in der gegenwärtigen Phase beispielsweise so aus, dass Personen aus Gründen der wiedererstarkten Blockwart-, Denunziations- und Anschwärzmentalität inkl. extra dafür von der „Regierung“ entwickelter „Gesetzesentwürfe“ individuelle Listen anlegen, um nur noch selektiv Gedanken, Gefühle und Meinungen auszutauschen. Sicherlich ein Einschnitt. Jedoch kein Verschwinden. Denn auch wenn sich die herrschaftsaffinen Feinde der Selbstbestimmung mitsamt ihrer indoktrinierten Mitläuferschar auch noch so sehr ins Zeug legen und zwangsvereint am pervertierten Strang ziehen mögen: Sie werden ihr Ziel niemals erreichen.

Wenn die Geschichte der Menschheit nämlich ebenfalls etwas deutlich vor Augen führt, so ist es der Umstand, dass das Leben und die Freiheit immer wieder (neue) Wege der Entfaltung finden.

Deren Verbündete ist die Zeit.

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