Buchrezension: Wolfgang Herrndorf – Tschick: „Mein Großvater wohnt irgendwo am Arsch der Welt in einem Land, das Walachei heißt. Und da fahren wir morgen hin.”

Meiner Meinung nach gelang dem leider viel zu früh verstorbenen Wolfgang Herrndorf mit „Tschick“ einer der besten Jugendromane, die jemals geschrieben wurden, was allein anhand des freiwilligen Leseeifers meiner Schüler Jahr für Jahr bestätigt wird. Keine Lektüre konnte sie bisher derartig fesseln, was vor allem daran liegt, dass es dem Autor in seinem „Roadnovel“ gelungen ist, authentische und ungekünstelte Charaktere zu zeichnen, mit denen sich Jugendliche der heutigen Zeit identifizieren und mit denen sie mitfühlen (können).

Die beiden „Outsider“ Maik und Tschick, die in ihrem unmittelbaren Umfeld entweder als „Psycho“, „Asi“ oder schlicht „Langweiler“ wahrgenommen werden (sofern sie überhaupt mal wahrgenommen werden), wachsen im Verlaufe ihres irrwitzigen „Roadtrips“ mehr und mehr zusammen, entfliehen dem sowohl langweiligen als auch zerrütteten Alltag – man denke beispielsweise an den betrügerischen Vater sowie die alkoholkranke Mutter des wohlstandsverwahrlosten Maiks – und lernen das reale Leben auf eigene Faust kennen, nachdem sie einen alten Lada stehlen und quer durch Deutschland tuckern.

Herrndorf vollbringt dabei in der Tat das Kunststück, „mit einer wundervoll austarierten einfachen Sprache, die unaufdringlich auf einen real abgelauschten Jugendjargon anspielt, ihn aber nicht naturalistisch kopiert, seine Welt ins Schräge zu drehen und so jung erscheinen zu lassen wie seine Protagonisten.“ (SZ) Da wird erfahrungsgemäß selbst der lesefaulste Schüler zur „Leseratte“.

(5/5)

(Diese Rezension erschien zunächst hier.)

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